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Der Bartender-Sonnengruß

Drinks und Yoga – eigentlich zwei Antipoden. Das eine hilft, das andere schadet eher, so meint man. Dabei wäre gerade so mancher Bartender gut beraten, sich manchmal körperlichen und spirituellen Ausgleich zu verschaffen.Ein Crashkurs für Tresenfachleute.

Der Job eines Bartenders verlangt viel Kraft und Ausdauer. Wie der vierarmige indische Gott Shiva ist er simultan mit Shaken, Schälen, Schaufeln und Rühren beschäftigt – nur nicht mit Schlappmachen. Mal ganz abgesehen von den toxischen Versuchungen, in deren Umfeld er arbeitet, befindet er sich in einer von Zigarettenrauch erfüllten Luft, so dick, dass man sie schneiden könnte. Der Lärmpegel bleibt konstant astronomisch. Kurzum, ein sonderlich gesundheitsförderndes Arbeitsumfeld hat er sich nicht ausgesucht.

Von chronischen Rückenleiden, Migräne, Schlaflosigkeit, bis hin zum Burnout – die Liste der möglichen Folgeschäden ist lang. Doch da der Bartender seinen Job liebt und ihm noch lange mit vollem Einsatz von Körper und Geist frönen möchte, weiß er dem vorzubeugen: mit Yoga beispielsweise.

Es ist noch kein Yogi vom Himmel gefallen

Manch einer geht nicht zum Yoga, da er meint, dafür nicht beweglich genug zu sein. Das ist jedoch die perfekte Voraussetzung, man wird es nämlich. Ein gutes Studio ist auch kein räucherstäbchenumwölktes, ausschließlich von Frauen frequentiertes Esoterikforum. Weg mit den Vorurteilen und rauf auf die Matte! Doch Obacht: so wie man mit den Yoga-Übungen dem Körper Gutes tun will, kann man ihm bei falscher Ausführung schaden. Daher sollte man bestenfalls erstmal Unterricht nehmen.

Für einen entspannten Rücken

Die schlechte Nachricht ist: durch das unentwegte Stehen, Tragen und oft falsche Heben während des Bartendings können Schmerzen und Verspannungen im Rücken in Bandscheibenvorfällen und Skoliose münden. Die erste gute Nachricht wiederum lautet: Yoga ist immer sehr gut für den Rücken. Es stärkt, löst Verspannungen und wirkt präventiv. Und die zweite: viele Studios bieten von Krankenkassen anerkannte Rückenkurse an. Eine Übung, die Rückenschmerzen entgegenwirkt und einfach auszuführen ist, wäre etwa der Vierfüßlerstand.

Mit allen vieren auf dem Boden

Komme auf die Knie, sodass Arme und Beine senkrecht zum Boden stehen, die Hüftknochen über den Knien, die der Schulter über den Handgelenken. Wirbelsäule ist neutral. Mit der Ausatmung den Blick zum Bauchnabel führen, Rücken leicht runden. Mit der Einatmung Brustbein und Blick heben. Diese Übung im Rhythmus der Atmung mindestens 10 Mal wiederholen. Danach können Variationen eingefügt werden, so zum Beispiel bei der Einatmung entgegengesetzt Arme und Beine ausstrecken und bei der Ausatmung diese angewinkelt unter dem Bauch zusammenbringen. Auf jeder Seite in einer fließenden Bewegung von Ein- und Ausatmung mindestens fünf Mal wiederholen.

Für einen klaren Kopf

Einen dicken Kopf von bereits genannten weniger entspannungsstiftenden Einflüssen, während und vor allem nach der Schicht, kennt jeder Bartender. Dagegen gibt es ein altbewährtes Mittel: den Kopfstand. Kein Wunder, dass er der „Kaffee der Yogis“ genannt wird: Kopfschmerzen adieu, der Kreislauf kommt in Schwung und ihm wird eine verjüngende Wirkung nachgesagt. Am besten, man übt vorerst mit Hilfestellung eines Anderen gegen eine Wand.

einfach die Welt einmal andersherum sehen

Unterarme zum Boden bringen, der Abstand der Ellbogen entspricht dem der Schultern, Hände ineinander verschränken, Scheitel aufsetzen und so dicht wie möglich Richtung Kopf laufen. Sobald das Gesäß über dem Kopf ist, Beine in einem Paket langsam heben und dann ausstrecken. Wichtig ist, das Gewicht auf die Unterarme zu verlagern, nicht auf den Kopf. Den gesamten Körper angespannt, im Besonderen die Bauchmuskeln, kann man so den Perspektivwechsel genießen und sollte danach in die „Kinderhaltung“ übergehen: Oberkörper über die Oberschenkel legen, Arme entlang des Körpers ausgestreckt und Stirn, wenn nötig etwas darunter legen, zum Boden.

Eine hervorragende Alternative zum Kopfstand ist der Schulterstand, auch „Kerze“ genannt. Sie ist die Mutter der Yoga-Haltungen, denn das positive Wirkungsspektrum ist weit: Menschen mit Asthma, Schlaflosigkeit, Bronchitis oder Herzklopfen können damit Erleichterung finden und Kopfschmerzen, sogar chronische, sollen sich verflüchtigen.

Für Ängstliche

Aus dem Liegen Beine anwinkeln, die Hände hinter dem Rücken an die Hüfte bringen, langsam den Rumpf senkrecht heben mit den Händen unterstützend, bis die Brust das Kinn berührt. Der Nacken ist lang und liegt angenehm. Langsam die angewinkelten Beine ausstrecken und hier zehn tiefe Atmungen bis hin zu fünf Minuten bleiben, danach Wirbel für Wirbel gen Boden gleiten, flach hinlegen und entspannen.

Diese beiden Übungen sind ein absolutes Universalheilmittel, die auch bei alltäglichen Krankheiten eingesetzt werden können. Für den Bartender dient dies vor der Schicht als Energy Boost und am nächsten Tag hilft es, um quickfidel in den Tag zu starten. Die Übungen sind allerdings bei zu hohem oder niedrigem Blutdruck nicht geeignet. Wer nach einer Alternative zu diesen komplexen Umkehrhaltungen sucht, der kann sich mit dem Rücken auf den Boden legen und die Beine ausgestreckt gegen die Wand lehnen.

Tiefenentspannung durch Meditation

Jede Yoga-Praxis schließt mit der beliebtesten aller Übungen- Shavasana- der finalen Entspannung. Diese zehn bis fünfzehn Minuten forcierte Entspannung ist weder zum Einschlafen noch zum inneren To Do-Listen durchgehen gedacht. Es gilt, sämtliche im Kopf schweifende Gedanken loszulassen und ganz bewusst im Augenblick zu sein. Bei regelmäßiger Praxis wird sich dies positiv in der Stressbewältigung bei der Arbeit und im Alltag bemerkbar machen.

Auch Abschalten will gelernt sein

Entweder Shavasana auf dem Rücken liegend auf einer Matte oder Decke, die Arme ausgestreckt zu den Seiten, Handflächen zeigen nach oben, Augen geschlossen. Oder in einer Sitzhaltung, Schneidersitz zum Beispiel. Wichtig ist dabei, eine lange Wirbelsäule beizubehalten, unterstützend ein kleines Kissen unter die Sitzhöcker legen.

Meditationstechniken gibt es unzählige, haben sie doch immer eines gemein: den Geist auf etwas Triviales forcieren, das er greifen kann, um alles andere auszuschalten. Konzentriere dich zum Beispiel auf die Atmung, visualisiere am Strand zu stehen und beobachte mit jeder Einatmung, wie eine Welle angespült kommt und mit jeder Ausatmung, wie sie wieder davonzieht. Manch einer mag Musik hören und sich einzig auf die Klänge konzentrieren.

Wenn keine ruhige Umgebung zum Meditieren gegeben ist, so schult der Lärm, sich von keinen äußeren Einflüssen beirren zu lassen. Das kann also auch statt einer Zigarettenpause während der Schicht als Entspannung Wunder bewirken.

Wenn ein Yogi einem Bartender vom Sonnengruß erzählen würde, so würde Letzter sicher den Moment damit verbinden, wenn er morgens aus der Bar steigt und vom grellen Sonnenlicht geblendet und gemartert wird. Wer wissen möchte, was es damit wirklich auf sich hat und entscheidet, Körper und Geist etwas Gutes zu Tun, sollte mal beim Studio um die Ecke vorbeischauen. Yoga lehrt das Leben im Jetzt. Zu betonen, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, erübrigt sich an dieser Stelle.

Credits

Foto: Joga via Shutterstock

Comments (2)

  • Nadine

    Die Idee hinter dem Artikel ist ja wirklich mehr als löblich, allerdings ist der Autorin die Umsetzung nicht so wirklich gelungen.
    Ich persönlich finde es beinahe ein wenig verantwortungslos den Kopfstand (trotz des Hinweises an der Wand und unter Hilfestellung zu üben) hier auch nur zu erwähnen, da er bei falscher Ausführung leider mehr schaden als nutzen kann. Ebenso die Kerze…ich vermisse den Hinweis genauestens darauf zu achten, dass die Halswirbelsäule nicht belastet werden darf. Auch den vorausgehenden Vermek „Für Ängstliche“ finde ich ein wenig…schwierig.
    Das Ganze dann auch noch am besten unaufgewärmt…oder habe ich die Stelle mit den Sonnengrüßen überlesen?

    Sinnvoller hätte ich einen wirklich kurzen Überblick zu den ‚gängigen‘ Yogaformen, gemixt mit ein oder zwei Studien, in der Hoffnung, noch ein paar Zweifler überzeugen zu können und evtl eigenen Erfahrungen gefunden.

    P.S.
    Eine Kollegin fragte mich, ob ich die hier angegebenen Positionen kennen würde, denn sie könne sich – trotz genauer Beschreibung – so überhaupt nicht vorstellen, wie die aussehen sollen.

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  • Alisa

    Liebe Nadine,
    danke für deine Kritik. Rückenleiden, Stress, Schlafmangel, Kopfschmerzen sind die häufigsten Leiden eines Bartenders. Der Text hat die Intention Yoga Haltungen vorzustellen, mit denen man diese Leiden mindern kann, um dem Leser so nahe zu bringen, warum ausgerechnet Yoga ihm gut täte. Das Yoga im Allgemeinen positive Auswirkungen hat, sollte wohl bekannt sein und ist überall nachzulesen. Es wurde hier für Mixology die Möglichkeit genutzt, sich an den Bartender zu richten, was es bei der Flut an Texten und Studien über Yoga noch nicht gegeben hat.
    Sicherlich hast du die Passagen gelesen, die die Vorstellung der einzelnen Haltungen umrahmen: nämlich ein Studio aufzusuchen und Unterricht zu nehmen da man bei falscher Ausführung sich schaden kann. Die überaus positiven Effekte des Kopfstandes und der Kerze sollten keinem vorenthalten werden. Den Vermerk „Für Ängstliche“ hat nicht die Autorin, sondern die Redaktion gewählt.
    Es ist wohl eher utopisch, dass Leser die den Artikel lesen und noch nie Yoga gemacht haben, sofort die einzelnen Haltungen allein zu Haus und ohne sich das mal anzuschauen, nachmachen. Dennoch ist eine präzise Anleitung gegeben und der Vermerk beim Studio um die Ecke vorbeizuschauen, um das dort praktizierte nachvollziehen zu können und nach gusto in die eigene Praxis zu integrieren. Den Sonnengruß mit Worten allein zu beschreiben hätte den Rahmen gesprengt und entspräche nicht der Intention des Texts.

    Zu den einzelnen Haltungen:
    1. Kuh/Katze (+ Variation)
    2. Shirshasana
    3. Sarvangasana

    Liebe Grüße,
    Alisa.

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