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Coca-Cola und die neuen Signature Mixers | Mixology — Magazin für Barkultur

Coca-Cola will die Bar mit neuen Signature Mixers zurückerobern

Getränkegigant Coca-Cola geht in die Offensive und bringt mit namhaften Bartendern entwickelte Coca-Cola Signature Mixers auf den Markt. Mit den neuen Premium Colas will man offenbar am Boom der Barlimonaden teilhaben.

»Wir wollten keine neue Cola machen.«

— Max Venning

Coca-Cola, eine Marke die so sehr für ein ‚Gefühl‘ steht wie kaum eine andere, ein Produkt, bei dem Unveränderbarkeit zum Konzept gehört, vom Schriftzug bis zur Rezeptur aus dem vorletzten Jahrhundert. Die braune, prickelnde Flüssigkeit, die einerseits jeden Abfluss sauber kriegt, andererseits zur beispiellosen Erfrischungsikone geworden ist.

Völlig unverändert wandert das Produkt mit weißer Schrift auf Weihnachtsmannrotem Grund die Absatz-Gipfel der Getränkewelt ab. Stolperfrei kickt die Coke jedes Steinchen aus dem Weg, welche das letzte Jahrhundert ihr vor die Füße geworfen hat, namentlich Pepsi und die Cola-Kriege. Selbst das neue Zeitalter der lustfeindlichen Zucker-Hasser aus der Ernährungsforschung scheint der Getränkeriese eindrucksvoll zu parieren.

Und während die in Panik versetzte Konkurrenz versucht so viele Bio-Zertifikate auf ihre Flaschen zu drucken, dass man die Angaben zur Zuckermenge nicht mehr lesen kann, erlaubt sich Coca-Cola noch vor zwei Jahren bei der Plakatwerbung den (ernstgemeinten) Scherz: „Vegan, Bio und ohne künstliche Zusatzstoffe. Seit über hundert Jahren“.

Der lange Atem des „New Coke“-Desasters

Die Kugelsichere Cola also? Nicht ganz. Denn in den letzten Jahren kämpfte der Großvater unter den Getränkeherstellern mit sinkenden Wachstumszahlen. Dabei ist „kämpfen“ irreführend, beinahe dadaistisch sogar die „sinkenden Wachstumszahlen“. Denn sinken tut bei Coke überhaupt nichts. 2016 hat die Coca-Cola Company 87,3 Mrd US Dollar Umsatz gemacht, 6,5 Mrd US Dollar davon reiner Gewinn, beides deutlich mehr als im Vorjahr. Und das alles mit einem Logo, für das man heute selbstverständlich jeden Grafiker aus der Agentur jagen würde. Aber der Umsatz steigt eben nicht mehr ganz so steil wir früher.

Man muss sich freilich trotzdem keine Sorgen um den Konzern machen. Nur ist der Innovationstrieb eines Unternehmens, das seit über 100 Jahren dafür belohnt wird, nichts, auch nicht das Geringste zu ändern, natürlich sehr begrenzt. Hier und da mag mal eine Kirsche in der Cola sein, oder Stevia statt Zucker, aber die Coke bleibt Coke. In den 70er Jahren kam es beinahe zu einem Aufstand als die Rezeptur überarbeiten werden sollte, so dass Coca-Cola-Präsident Roberto Goizueta sich innerhalb von Tagen öffentlich entschuldigen musste.

Mit Coca-Cola Signature Mixers in die Bar

Unter diesen Vorzeichen ist die neue, sichtlich auf gehobene Bars zugeschnittene Linie eine echte Sensation. Vier neue sogenannte Coca-Cola Signature Mixers lanciert das Unternehmen, vorerst exklusiv für den britischen Markt. „Spicy“, „Woody“, „Smokey“ und „Herbal“ heißen die neuen Mischgetränke, die von renommierten Bartendern aus der ganzen Welt entwickelt wurden. Abgefüllt wird der Premium Mixer in sogenannte „Hutchinson“-Flaschen.

Das gegenüber der Frauenförmigen Coca-Cola-Kontur-Flasche recht unbekannte Design war die erste und ursprüngliche Flasche, in der die Coke vom Unternehmen selbst abgefüllt wurde. In die Hutchinson Flasche hat es die Limo von 1899 an nur sieben Jahre geschafft, weshalb der heute noch bestehende Restbestand unter Sammlern zu absolut schwindelregenden Preisen gehandelt wird

Auf die Rechnung von Max Venning, Bartender im Londoner Three Sheets, geht die Variante Coca-Cola Signature Mixers „Smokey“. Im Gespräch mit MIXOLOGY berichtet Venning, dass die Aufgabe, vor der am Anfang etwa zwölf Bartender standen, nicht zu bewältigen schien. Denn wie lässt sich ein Getränk, das nach reinem Wasser vielleicht die zweitbeliebteste Flüssigkeit der Welt ist, verändern? Ja, am besten gleich verbessern?

Venning sagt, dass er versucht habe, möglichst nah am Original zu bleiben. „Wir wollten keine neue Cola machen, wir wollten überhaupt keine Cola machen. Die neuen Mixer sollen die Spirituose begleiten und ihre natürlichen Aromen verstärken.“

Dabei habe er sich die Richtung „Smokey Notes“ ausgesucht, weil er ohnehin eine Affinität zu dunklen, gelagerten Spirituosen habe. Alter Rum, dafür wäre der neue Mixer sehr gut geeignet.

Für die Sorte Coca-Cola Signature Mixers „Spicy Notes“, die man mit gewürzten Rums und Tequila trinken soll, stehen die Spanierin Adriana Chia, Gewinnerin der World Class Competition 2016 und Pippa Guy aus der legendären American Bar im Savoy Pate. Und auch Coca-Cola Signature Mixers „Herbal Notes“ und „Woody Notes“, die mit Rum und Whisky kombiniert werden sollen, kommen nicht von Unbekannten, sondern von Antonio Naranjo aus Barcelonas Speakeasy Bar Dr. Stravinsky und Alex Lawrence vom Lyaness in London.

Die Original Hutchinson-Flasche von 1899 | Mixology — Magazin für Barkultur
Die Original Hutchinson-Flasche von 1899 ist das Vorbild für die neuen Coca-Cola Signature Mixers

Gibt es einen Markt für Gourmet-Kolas?

Abgesehen von ihren Stevia-Versuchen und der Abfüllung des schwarzen Flagschiffs in schicke Vintage-Flaschen, schien die Coca-Cola Company in den letzten Jahren auf der Kernmarke das Risiko zu scheuen. Ganz verschlafen hat man den Boom der gehobenen Bars und damit einhergehend der sogenannten Premium-Mixer aber dennoch nicht. Vor zwei Jahren reagierte man auf die schnell wachsende Bitterlimonaden-Konkurrenz von Seiten Thomas Henry, Fever Tree und Co. mit der Einführung von Royal Bliss im Longdrink-Markt Spanien.

Und die neuen Coca-Cola Signature Mixers können auch durchaus als Antwort verstanden werden auf die wachsende Zahl von Gourmet-Kolas wie sie Fever Tree, Fentimans und mit Abstrichen auch Red Bull seit ein paar Jahren in der Gastronomie und im Fachhandel zu platzieren versuchen. Dass man nun einflussreiche Bartender instrumentalisiert, zeigt, dass Coca-Cola bereit ist, nach den Regeln der Barbranche zu spielen.

Comeback-Versuch für Cuba Libre

Ob die neuen Coca-Cola Signature Mixers wirklich dazu führen, dass Konsumenten wieder mehr Cuba Libres oder Whisky Cola ordern? Gin & Tonic sind nach wie vor die Order der Gegenwart. Fraglich ist ebenfalls, wie ernst es dem Getränkemulti bei seinem Werben um das Herz des Bartenders wirklich ist. Viele Neuheiten des Multis verschwanden immer wieder sang- und klanglos in der Versenkung. Oder erinnert sich etwa noch jemand an das Energiegetränk „burn“?

Man sieht und spürt in der gehobenen Gastronomie seit Jahren mehr von quirligen Mittelständlern wie fritz-kola aus Hamburg als vom Getränkedickschiff aus Atlanta. Bereits vor fünf Jahren brachte Erbfeind Pepsi mit „Caleb’s Kola“ eine angeblich handwerklich hergestellte schwarze Brause in den amerikanischen Markt. Aber auch der Name des Gründers schützt offenbar nicht vor Misserfolg. Seit zwei Jahren schweigen die sozialen Kanäle des Projekts.

Wann und ob die neuen Premium Mixer auch auf dem deutschen Markt erhältlich sein werden, darüber hüllt sich die deutsche Abteilung von Coca-Cola in vielsagendes Schweigen. Selbst auf hartnäckige Nachfragen hin wurden wir vertröstet. Wir bleiben natürlich dran und halten auf dem Laufenden.

Credits

Foto: Shutterstock /Flaschenbild: Coca-Cola; Montage: Editienne

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