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FÜNF! Drinks gegen das Gebrechen

Es wird nicht nur dunkler, sondern auch kälter. Die Zeit der Erkältungen, Herbstdepressionen und sonstiger Krankheiten ist endgültig da. Wie sieht es eigentlich aus mit „geistiger“ Medizin gegen das Unheil? Schließlich und endlich waren doch viele Drinks ursprünglich auch als kleine Helferchen gedacht. Wir widmen uns diesen Sonntag FÜNF! herausragenden Drinks gegen das Gebrechen.
Momentan kennt das jeder: die Belegschaften der Bars sind ausgedünnt, ständig muss jemand Extraschichten fahren, weil überall, wirklich überall die halbe Belegschaft krank ist. Wenn der Herbst jenseits bunten Laubes und klarer Luft anfängt, sein hässliches Antlitz zu offenbaren, dann haben Erkältungen, Noroviren und Mittelohrentzündungen absoluten Grund zum Feiern.
Da ist man einmal kurz kleidungsmäßig noch im Spätsommer, schon liegt man flach, weil man sich verkühlt hat. Aber vielleicht muss es nicht gleich die pharmazeutische Keule sein? Schließlich ist auch Alkohol ein erstklassiger Bakterienkiller. Wir werfen heute einen Blick auf FÜNF! kleine Heiler, die sich allesamt in der Hausbar finden. Aber Vorsicht: zuviel Medizin ist irgendwann auch nicht mehr ratsam.
1) Hot Buttered Rum
Es sollte eigentlich niemanden überraschen, dass dieses warme Kleinod hier auftaucht. Wann immer man niedergetreckt zu Bett oder auf dem Sofa liegt, tut Heißes dem erschöpften Leib wohl. Warum nicht statt zu Tee oder heißer Zitrone lieber einmal auf diesen potenten Klassiker zurückgreifen?
Rum und Butter ölen nicht nur den Rachen und bringt einen ordentlich zum Schwitzen, natürlich wirkt der gute Schnaps auch ein wenig antiseptisch. Die beigefügten Gewürze erhellen das Gemüt, weil sie schon ein klein wenig vorweihnachtliches Timbre verströmen. Wer noch ein paar Salbeiblätter zufügt, ist auf dem richtigen Weg: Neben dem zusätzlichen Aroma gibt es kaum ein Kraut, das derart stark antimikrobiell wirkt.
HOT BUTTERED RUM
5 cl gereifter Rum
1 TL kalte Butter in Flöckchen
2 BL Honig
kochend heißes Wasser
Zimtstange, Zironenzeste, Nelken
Muskatnuss
Glas: hitzebeständiger Becher oder Glas
Den Rum in ein hitzbeständiges Glas geben und mit heißem Wasser auffüllen. Den Honig zufügen und gründlich umrühren. Zimtstange in den Drink geben, die Zeste mit einigen Nelken spicken und ebenfalls dazu hinzufügen. Die kalten Butterflocken über die Oberfläche verteilen und eine Prise Muskatnuss über den Hot Buttered Rum mahlen.
2) Chicken Shot
Wir wollen einmal versuchen, den ohnehin gewagten „Bull Shot“ abzuwandeln. Die gute, alte Hühnerbrühe gilt unter vielen Leuten als das Beste „Medikament“ schlechthin, wenn es um Grippe, Erkältung und Ähnliches geht. Zu Recht: unter anderem durch den Wirkstoff Cystein unterstützt die Brühe aktiv den Heilungsprozess.
Dann ersetzen wir doch im Bull Shot einfach mal die Rinderconsommé durch einen gutgemeinten Schuss Hühnerbrühe. Aber hausgemacht muss sie sein, mit viel Sellerie und Gewürzen und Salz, damit der Elektrolythaushalt stabil gehalten wird. Dazu dann eine wohlbedachte Dosis Gin oder Vodka, und der helfende Effekt der Suppe wird vielleicht sogar noch verstärkt. Schmeckt sicher gewöhnungsbedürftig, ist aber eine schöne Abwechslung, wenn die Zunge schon durch zu viel heiße Suppe verbrüht ist.
CHICKEN SHOT
5 cl Gin oder Vodka
10 cl kalte Hühnerbrühe
Gewürze der Wahl, z.B. frisch gemahlener Pfeffer, Chiliflocken, geriebener Meerrettich
Thymianzweig
Glas: Highball
Gin oder Vodka ins Glas geben und nach Geschmack mit den Gewürzen verrühren. Mit Eiswürfeln auffüllen und die Brühe hinzugeben. Alles gründlich verrühren und mit einem Thymianzweig garnieren.
3) Apotheke
Welcher Drink, wenn nicht die zugegebenermaßen ziemlich „angestaubte“ Apotheke, schreit so sehr danach, sich mit allen möglichen Viren und Bakterien anzulegen? Vielleicht noch der „Penicillin“, aber wir wollen es ein wenig bodenständiger halten. Sicher, die Apotheke ist nur etwas für erfahrene, resistente Gaumen.
Aber wenn man sich an sie gewöhnt hat, tut sie brav und gewissenhaft ihre Dienste. Also, mit letzter Kraft ran ans Rührglas und rasch einen der kleinen, braunen Helfer gerührt! Dann wieder samt Wärmflasche ab unter die Bettdecke, während sich der Drink wie ein Schleier aus Balsam um den zerkratzten Rachen legt.
APOTHEKE
2 cl Fernet Branca
2 cl Punt e Mes
1 cl Crème de Menthe verte
Glas: Martinischale
Alle Zutaten ins Rührglas geben. Mit Eiswürfeln auffüllen und gründlich kaltrühren. Ins vorgekühlte Glas abseihen.
4) Wick-MediNait-Sour
Ein etwas gewagter Versuch aus der Frankfurter Spaßabteilung. Der alte Bekannte aus dem Hause Wick verspricht mit einem Wirksstoffmix aus Paracetamol und anderen Arzneien einen erholsamen, tiefen Schlaf trotz Erkältung und Fieber. Leider schmeckt er nicht besonders gut. Da er aber aufgrund seiner geschmacklichen Grundanlage und seinen 18% Alkoholgehalt aus Bar-Perspektive fast als Amaro gelten kann, empfiehlt sich die Verarbeitung im Sour.
Eine Süßequelle ist nicht nötig, denn MediNait enthält als Abschwächer der bitteren Komponenten bereits eine stattliche Menge Zucker. Wer noch die nötige Kraft und barkulturelle Ambition besitzt, garniert mit Zitronenzeste oder einem Dash Bitters. Aber das muss nicht sein. Zum Wohl!
WICK-MEDINAIT-SOUR
5 cl Wick MediNait
3 cl frischer Zitronensaft
Glas: Schale oder Tumbler
Beide Zutaten in den Shaker geben und auf Eiswürfeln kräftig schütteln. Wahlweise in die vorgekühlte Schale oder auf Eiswürfel in den Tumbler abseihen.
5) Wasser
Ja, wieder einmal Wasser. Denn was dem geschundenen Körper bei jedem Kater wohltut, ist auch zu Erkältungszeiten der Allrounder Nr.1. Das erklärt sich einfach: der Organismus benötigt Wasser für alle Stoffwechselvorgänge, zudem wird Sauerstoff zugeführt. Sind etwa die Atemwege entzündet, werden diese Regionen auch stärker durchblutet, was nach mehr Wasser verlangt. Fieber führt zudem zu einem erhöhten Flüssigkeitsverlust, erst Recht bei starkem Schweiß.
Ausreichende Rehydration ist also die oberste Priorität, bei welchem Leiden auch immer. Zumal die meisten Medikamente nur dann Wirken, wenn für deren Synthese ausreichendr Wasser im körpereigenen Haushalt zu Verfügung steht. Erst, wenn genügend Wasser am Start ist, sollte also auf einen Drink der Nummern 1 bis 4 zurück gegriffen werden. Die Redaktion wünscht gute Besserung!

Credits

Foto: Elixiere und Arzt via Shutterstock; Post Production: Tim Klöcker

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