Myriam Hendrickx Rutte Sloe Gin

Legal illegal: Die Geschichte des Rutte Sloe Gin

News 23.11.2018

Vom traditionellen Jägerdrink zum Sloe Royal – MIXOLOGY ONLINE hat sich im malerischen Dordrecht mit Myriam Hendrickx über die Historie des Rutte Sloe Gins unterhalten. Dieser wird in den Niederlanden schon seit den 1970er unter den Namen „Sleedoorn Likör“ verkauft und kann auf eine lange Familientradition zurückblicken, die immer noch gepflegt wird. Aber auch konsequent weiter entwickelt.

Myriam Hendrickx ist die achte Meisterbrennerin der Rutte & Zn Destillerie. Auch ist sie die Erste, die nicht ein Mitglied der Rutte-Familie ist. Nach ihrem Beitritt arbeitete sie einen Monat lang mit John Rutte zusammen, bis dieser 2003 frühzeitig verstarb.

In den Niederlanden kennt man Sloe Gin als Jägergetränk. Myriam Hendrickx erzählt uns, wie sich ein befreundeter Fotograf zu einer Jagd gesellte. Anschließend holten die Jäger alle ihre Flaschen Rutte Sloe Gin heraus. Eine stolze, tief verwurzelte Tradition. Als sie sich vor einigen Jahren entschied, mit dem Rezept herumzuspielen und beschloss, das Produkt international zu verkaufen, erhielt sie eine umfassende E-Mail von einer Jägervereinigung. Die wollten wissen, was genau sie am Rezept geändert hatte. Und wieso überhaupt? Sie mag das; den Umstand, dass Menschen die Produkte von Rutte leidenschaftlich empfinden und das Gefühl haben, selbst einen Teil davon zu besitzen.

Das Vermächtnis von John Rutte

John Rutte war der siebte Rutte-Meisterbrenner, seine Kinder jedoch hatten kein Interesse, die Destillerie zu übernehmen. So beschloss die Familie in den 1990ern, das Unternehmen zu verkaufen, John blieb bis zu seinem 71. Lebensjahr Master Destiller.

Myriam Hendrickx erzählt, dass er ein altmodischer Typ gewesen sei, der viel von seinem Wissen im Kopf hatte, Rezepte innerhalb von Rezepten aufbewahrte, die sie immer noch nachahme und sucht, fast wie eine Schatzsuche. Sie erhält Hilfe vom Genevermuseum, das Hunderte von den Rezepten digitalisiert hat. Viele der Originalrezepte sind tatsächlich noch auf Papier festgehalten und liegen im Safe. Das Rezept für den alten Tom Genever zum Beispiel wurde in einem Buch gefunden, als sie eigentlich nach einem Orangenlikör suchten.

So läuft es bei Rutte. Charmant und doch unglaublich effizient. Noch heute schicken Rutte-Familienmitglieder Schmuckstücke, Holzfiguren und Notizen ein, die familiären Beziehungen sind immer noch stark, auch wenn sie nicht mehr im Geschäft arbeiten. John Ruttes Schwester feierte ihren 80. Geburtstag in der Brennerei. Myriam Hendrickx und ihr Team möchten ihr Wissen weiterentwickeln, bleiben dabei jedoch in engem Austausch mit der Vergangenheit.

Myriam Hendrickx Rutte Sloe Gin

Rutte Sloe Gin: Renaissance der Schlehe

An sich ist Sloe Gin ein Likör. Gemäß der Europäischen Union muss jede Spirituose, die sich also „Sloe Gin“ bezeichnet, mindestens 100 Gramm Zucker pro Liter des Produkts enthalten. Genau so viel verwendet Rutte auch, kein Gramm mehr. So ist dieses Produkt weniger süß als viele andere auf dem Markt. Bis vor Kurzem wurden nur an die 700 Flaschen Sloe Gin pro Jahr produziert, wobei die genaue Menge immer davon abhing, wie viele Kilos der Beeren das Rutte-Team fand.

Das jährliche Pflücken diente früher als Teambuilding-Übung, ist in den Niederlanden technisch gesehen nicht ganz legal. Erlaubt ist das Ernten der Beeren nämlich nicht. Aber nichts bindet ein Team wie ein bisschen illegale Aktivitäten. Das durften wir auch bei unserem Besuch selbst erfahren, auf der Suche nach gut gefüllten Schlehenbüschen radelten wir durch die niederländische Landschaft.

Schlehen werden für den Rutte Sloe Gin auch destilliert

Was den Rutte Sloe Gin besonders auszeichnet, ist die Tatsache, dass die Beeren nicht nur sieben Wochen lang in Gin eingelegt werden, sondern auch die Schlehen selbst destilliert werden. Das ist einzigartig für das Unternehmen, sagt Myriam Hendrickx, sie kenne keine andere Marke, welche die Beeren destilliert.

Durch diese Wärmebehandlung lockt die Meisterbrennerin noch mehr Aroma aus den Beeren heraus, der Sloe Gin ist fruchtiger und hat – aufgrund des Kerns – Mandelnoten. Zusammen mit den Botanicals wird eine kleine Portion Malzwein zum Schlehengin hinzugegeben. Das botanische Spektrum hat sich nicht verändert, es besteht noch immer aus Wacholder, Johannisbeeren, Kirschbaum, Koriandersamen, Enzian, Galangal, Orangenblüten und Vanille. Rutte lehnt strikt die Verwendung von Farbstoffen oder anderen Zusätzen ab. Alles ist natürlich. Das bedeutet, dass der Rutte Sloe Gin etwas bräunlicher ist wie die Farbe der Beeren. Leuchtend rote Sloe Gins sind meist mit Zusätzen gefärbt.

Darauf einen Sloe Royal

Roh sind die Beeren fast nicht zu genießen, eine dieser Früchte, mit denen Menschen eigentlich nichts anzufangen wissen. Durch die Mazeration und den Zucker jedoch nimmt die intensive Adstringenz ab und die Beeren verwandeln sich in ein unglaublich angenehmes Getränk. Die Version von Rutte stellt den Gin besonders in den Vordergrund, mit schön balancierten, sauren Beerenaromen und einer reichhaltigen, fast marmeladeähnlichen Tiefe. Die Nussigkeit des Kerns spielt sich wunderbar gegen die Frucht ab.

Myriam Hendrickx empfiehlt, den Likör als Sloe Royal zu genießen, hier ersetzt der Sloe Gin den Crème de Cassis, welcher mit 400 Gramm Zucker pro Liter viel süßer ist. Der Sloe Royal ist zugänglich und ein ganz feiner Drink, der dieses außergewöhnliche Produkt gebührend zelebriert.

Hinweis: Wer Lust auf Sloe bekommen hat, macht sich am besten am Sonntag, den 2. Dezember 2018, auf den Weg in die Stairs Bar in Berlin. Dort kann man nämlich Rutte Brand Ambassador Steffen Zimmermann antreffen, der mit seinem „Rutte Sloe Gin Tour – Beats & Booze“ ein bestimmt gutes Event hinlegen wird.

Photo credit: Rutte

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