Schöne Bescherung: FÜNF! Drinks für die Feiertage

Drinks 18.12.2016 2 comments

Draußen ist es kalt, drinnen ist es warm. Doch was wärmt uns da eigentlich Jahr für Jahr? Zumeist die besinnlich-festliche Stimmung der Vorweihnachtszeit mit all ihren heißen und kalorienreichen Festtagsklassikern.FÜNF! dieser absoluten Holiday-Classics stellen wir heute vor.

 „Wine is fine but whiskey is quicker / suicide is slow with liquor“ – ironischerweise könnte dieses Zitat des an Worten selten verlegenen Ozzy Osbourne gar nicht besser zur momentanen Gemütslage passen. Die Festtage stehen vor der Tür und täglich plagen uns Fragen wie: „Habe ich schon alle Besorgungen erledigt?“, „Ist der Weihnachtsbaum auch nicht zu groß?“ und „Welche überaus kitschige Krawatte trage ich am Tag der Tage?“. Ach ja, „Wie sieht es eigentlich am Weihnachtsabend mit dem Menü aus? Was gibt’s zu essen?“

Ähnlich wichtig wäre da auch die häufig stiefmütterlich behandelte Frage: „Was gibt es eigentlich zu trinken?“ Insgeheim, so scheint es, lallt der Deutsche dieser Frage schon seit Jahren das oftmals klebrig-schöne, uns allen bekannte Wort als Antwort entgegen: „Glühwein“. Getoppt wird dieses noch durch die pseudo-historisch aufgewertete Feuerzangenbowle oder das herrlich-kitschige Wortkonstrukt des „Weißen Engels“.

Mal ehrlich, das muss nicht sein. Osbournes Zitat bezieht sich zwar nicht nur auf die Monotonie der vorweihnachtlichen Trinkgewohnheit, es subsumiert gleichermaßen auch die überaus trinkintensiven Hintergründe der Festzeit. Getreu dem Motto: „Wenn schon, denn schon“ aber geben wir die Tasse zurück und kaufen uns vom Pfand einen (oder auch mehrere) der abwechslungsreichen Fünf! alternativen Drinks der Holiday Season!

1) Tom & Jerry

Es gab mal eine Zeit (in manchen Städten herrscht sie noch vor), da trafen den Bartender mitunter angewiderte Blicke der Kundschaft. Sie waren weniger auf ihn denn auf den von ihm zubereiteten Drink gerichtet: Eiweiß in einem Cocktail wurde nicht selten als unpassend, ja, ekelhaft bezeichnet, es wurde ähnlich häufig auf Grund von vermeintlich hohem Salmonellenrisiko winkend abgelehnt.

Heute sind wir da glücklicherweise schon weiter. Drinks wie der Whiskey Sour oder der Gin Fizz sind undenkbar ohne das Weiße vom Ei. Jetzt allerdings noch das „Gelbe“ dazuzugeben ist Credo und Charakteristikum des Festtagsklassikers schlechthin. Erstmalig gegen 1797 im Raum um Philadelphia aufgetaucht und Jahre später Bestandteil eines jeden Kochbuches, verdankt die Drink-Kategorie ihre Popularität nicht nur der außergewöhnlichen Komposition aus Ei, Milch/ Sahne und alkoholischer Komponente, sondern vor allem ihrer weihnachtlichen schweren, ja mächtigen Zutaten: Ei, Sahne, Rum, Brandy, Whiskey machen ihn zu einer regelrechten Kalorienbombe.

Es war kein geringerer als Cocktail-Methusalem Jerry Thomas, der Mitte des 19. Jahrhunderts wohl einen der wirklich bekanntesten Eggnogs kreierte. Der Tom & Jerry mag – wie auch Marco Beier schon erkannte – ein sehr arbeitsintensiver Drink sein, das Resultat ist jedoch überwältigend. Rum, Brandy, heiße Milch und mit winterlichen Gewürzen angereichertes Eigelb lassen Weihnachtsträume wahr werden und wärmen nicht nur das Herz. Wer sich am Rezept probieren möchte: Hier eine kleine Anleitung:

2) Brandy Alexander

Ein weiterer Drink, sich in der Weihnachtszeit besonderer Beachtung erfreuender Drink dürfte der Brandy Alexander sein. Zunächst in den USA nur als Gin Alexander bekannt und Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals durch den Meister-Mixologen Hugo R. Ensslin in seiner Schrift „Recipes for Mixed Drinks“ Erwähnung findend, ist der Klassiker in seiner Komposition geradlinig und im Geschmack eine wahre Offenbarung.

Schnell fand seine Gin-Variante in den frühen 1920er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Rahmen der Prohibition Verbreitung. Mit der Welle des landesweiten Trinkverbotes sprießten Hinterzimmer-Destillen und Schwarzbrenner-Communities nur so aus dem Boden. Eines ihrer Erzeugnisse: der sogenannte „bathtub-gin“ von ausgesprochen schlechter Qualität. Bekannte Gin-Klassiker dieser Zeit, etwa der Negroni oder der Aviation – allesamt sehr Gin-lastig – litten unter der minderen Qualität der selbstgebrannten Gins.

Ein Gin Alexander allerdings, der neben Gin nach Sahne und Kaffeelikör verlangt, konnte über den billigen Fusel besser hinwegtäuschen. „Plötzlich“ machte Trinken wieder Spaß.

In Europa etablierte sich nur wenige Jahre später die heute noch bekannte Abwandlung mit Brandy anstelle von Gin. Der angeblich von Bartender Troy Alexander, sich selbst nach dessen Erfindung huldigend, benannte Drink ist nicht nur auf Grund der schweren, dunklen Aromatöne und Gewürze (geriebene Muskatnuss on top) ein echter Weihnachtsklassiker, auch optisch erinnert er an eine vergangene Zeit. Wenn schon nicht draußen, dann wenigstens drinnen mal wieder „White Christmas“ mit dem Brandy Alexander.

3) Hot Buttered Rum

Zweifellos: Die Kombination Butter, Rum, heißes Wasser und Gewürze lässt einem wahrlich nicht das Wasser im Mund zusammenlaufen. Viel zu abstrus erscheint die Idee, viel zu impraktikabel der Gedanke, einen solchen Drink allabendlich en masse zu schicken. Und doch steckt bekanntlich hinter jeder scheinbar verschrobenen Idee möglicherweise auch ein ganz einleuchtender Grund. So auch an dieser Stelle.

Der Hot Buttered Rum stammt aus einer längst vergangenen Zeit. Circa 1650 begann man in den Kolonien um New England mit dem Import von Molasse, um in eigenen Destillen Rum in großem Maß zu produzierten. Drink-Kategorien wie Toddies und Nogs erfreuten sich immer größer werdender Beliebtheit. Ungefähr 150 Jahre später dann entstand jener heute recht merkwürdig wirkende Drink. Er bediente sich einer einfachen Logik. Waren im frühen 19. Jahrhundert Gewürze kostbar und sehr selten, griff man auf Butter zurück. Der in ihr enthaltene, hohe Fettanteil wurde als Geschmacksträger und Aromaverstärker eingesetzt. Nicht alleine wird durch sie die Wirkung und Entfaltung einzelner Gewürze gestreckt, sie bildet gleichermaßen auch eine leicht kühle Schicht auf dem Drink und damit einen Konterpunkt zwischen dem heißem Rum-Wasser-Gemisch und Gewürzen, der das Trinken zudem durch kühlenden Effekt noch erleichtert.

Sich in Bartender-Kreisen ähnlich wie der Tom & Jerry einer regelrechten Renaissance erfreuend, greifen viele Bartender heutzutage auf selbsthergestellte Gewürzbutter zurück, um die volle Aromen-Vielfalt des Winters erst so richtig auszuschöpfen. Ein Drink, über den sich auch Santa freuen würde.

4) Irish Coffee

Die Legende besagt, der Irish Coffee wäre 10. November 1952 im Buena Vista Café in San Francisco zum ersten Mal serviert worden. Nicht selten sind Legenden popkultureller Humbug. Zwar wurde der Irish Coffee im Buena Vista Café beordert, zubereitet und getrunken – sogar sehr, sehr häufig, sei an dieser Stelle angemerkt – dort erfunden wurde er aber mitnichten.

Der beschauliche Flughafen Foynes, später umbenannt in „Shannon International Airport“, ist nicht sonderlich bekannt. Hier jedoch erfand Anfang der 1940er-Jahre Joe Sheridan in seinem Restaurant den Irish Coffee für jene Gäste, die an dem kleinen Flughafen auf ihren Atlantik-Weiterflug ausharren mussten.  Der aus irischem Whiskey, heißem Kaffee, Sahne und Zucker (Zuckersirup) zusammengebaute Drink wärmt nicht nur das Herz, er bekräftigt ein weiteres Mal, dass die Kombination aus dunkler, gereifter Spirituose, Kaffee oder Kaffeelikör und Sahne/ Espuma etc. einer wahren Winterfreude gleicht und daher überaus präsent in den Winterkarten der Barwelt in Szene gesetzt wird. Slainté.

5) Champagner Cocktail

Wären die anderen, bereits vorgestellten Drinks Tannen, der Champagner Cocktail wäre eine Palme. Keine winterlichen Komponenten, keine schwere Aromen-Vielfalt, kein wirklicher Bezug zu Weihnachten und doch ein Drink, der perfekt in diese elegante Jahreszeit passt. Das mag zum einen daran liegen, dass Champagner gemeinhin immer noch exklusiv gesehen und deflationär getrunken wird. Er geht damit Hand in Hand mit Smoking, Kleid und Negligé; eben nur getragen oder eben getrunken am Tag der Tage.

Zum anderen findet sich mit dem Champagner Cocktail auch ein weitaus spannenderer und deutlich unkomplizierterer Drink, als die meisten es vermuten. Champagner, Zucker und Angostura sind eben doch allesamt Komponenten eines süßlich-aromatischen Zusammenspiels, das zur Weihnachtszeit perfekt funktioniert.

Photo credit: Foto via Shutterstock.

2 comments

  1. Armin Zimmermann

    Der Brandy Alexander ist eine gute Wahl. Ich habe mich eingehend mit seiner Geschichte auseinandergesetzt und dazu alte Bücher durchgesehen. Dabei ist Interessantes zum Vorschein gekommen. Ich möchte daher für die Interessierten eine Kurzfassung meiner Recherche geben. Details können auf http://bar-vademecum.de/brandy-alexander/ nachgelesen werden.

    Die erste Publikation eines Gin-Alexanders habe ich in Harry Montagues „The Up-To-Date Bartender’s Guide“ aus dem Jahr 1914 gefunden, drei Jahre bevor er in Hugo R. Ensslins „Recipes for Mixed Drinks“ erscheint. 1923 taucht bei Harry McElhone in „„Harry“ of Ciro’s ABC of Mixing Cocktails“ ein Alexander genannter Drink auf, der mit Brandy zubereitet wird. Interessanterweise taucht die Bezeichnung „Brandy Alexander“ erst 1934 in Harry Jerrold Gordons „Gordon’s Cocktail and Food Recipes“ auf. Basierend auf diesen Funde könnte man tatsächlich davon ausgehen, daß der Gin-Variante älter als die Brandy-Variante ist. Dem ist jedoch nicht so. Bereits 1913 wird bei Hans Schönfeld und John Leybold im „Lexikon der Getränke“ die Brandy-Variante publiziert, nur wird diese dort „Bach-Chor-Club“ genannt. Basierend darauf vertrete ich daher die Meinung, daß der Brandy Alexander der ältere Drink ist.

  2. Onkel

    Beim Alexander sollte es wohl Schokoladelikör statt Kaffee heißen..

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