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Mixology on the Road. Auf Bar Jagd in Melbourne.

Eurozentrisch

Die Großstadtvegetation aus Beton wandelt sich in einen Dschungel aus Stahl und Glas. Wir streifen durch hochmoderne Häuserschluchten. Die kleinen Gassen und versteckten Gässchen hat sich Melbourne dankenswerterweise erhalten. Im Schatten der Hochfinanz und der Großkonzerne bieten sie anderen Lebensentwürfen und künstlerischer Entfaltung Raum. Daher finden sich hier nicht nur hochpolierte Bars und unpersönliche Spitzenrestaurants, sondern eben auch ganz eigene, originelle und für Australien ungewöhnliche Läden. Melbourne gilt als europäischste Stadt Australiens.

In einer dieser dunklen Gassen, welche scheinbar nirgendwohin führt, suchen wir das Melbourner Eau De Vie. Es ist sehr gut getarnt. Und nur mit der Unterstützung lokaler Fährtenleser gelingt es uns, die dritte unserer „Big Five“ im Betondickicht ausfindig zu machen.

Alles außer Baileys

Durch die schwarze Stahltür treten wir in den wunderschön und gemütlich gestalteten Raum. Vom Bartender werden wir in ein Bond-Gespräch verwickelt und elegant zur Bestellung eines 20th Century beraten. Hiervon beeindruckt wollten wir die Karte testen und bestellten einen Baileys.

„Haben wir nicht“ konnte leider nicht um eine Empfehlung oder etwas ähnliches, ergänzt werden – Schade! Dafür war Besitzer Greg Sanderson ein angenehmer und eloquenter Gastgeber, welcher gerne seine Bar vorzeigte. Dass er erst wenige Stunden vorher von einem feucht fröhlichen Abstecher, zum Londoner Rumfest zurückkam, ließ er sich nicht anmerken. Eine separate Küche, Degustationsraum und eine glamourösere, größere Ausstattung definieren diese Bar. Es ist ein anderer Charakter als das Mutterlokal in Sydney. Der 20th Century war allerdings genauso ausgewogen und erfrischend wie in der  Dependance.

Ein kurzer Zwischenstopp im ehemals berühmten Gin Palace sorgt für zügig getrunkene Getränke. Hier ist die Zeit in den 2000ern stehen geblieben und hat diese Bar hoffnungslos überholt. Sich beim Mixen aufstützende, lustlose Bartender, 80er-Jahre-Martinigläser und Glitzerboden kann leider auch nicht die über Hundert Flaschen umfassende Ginauswahl wettmachen. Dieser Ort hat leider sein Mojo verloren.

Der ewige Bax

Bar-Großwild Nummer drei und vier sind damit also erlegt und wir schlängeln uns weiter durch die Häuserschluchten, unsere angenehme Trunkenheit als Schild und Speer gegen etwaige Attacken der Realität, bereit haltend erreichen wir schon bald unser letztes Ziel – die Bar Americano.

Der wunderbar verwunderliche Melbourner Wetterwechsel erfreut uns, und so können wir die letzten Straßenzüge in einer lauen Sommernachtsfrische zurücklegen. Dies kommt uns umso gelegener, da wir selbst trotz digitaler Satellitenunterstützung nicht die geheime Gasse finden können, in welcher sich Matthew Bax zweiter Geniestreich verbirgt. Erneut müssen uns lokale, nachtaktive Jäger helfen und dann finden wir sie – Australiens wohl kleinste Bar! Zwölf Stehplätze, nicht ein Sitz und „keine Fotos, bitte“ machen diese American Bar bei lokalen Insidern und Nachtschattengewächsen zum Renner. Als Gäste kommen Bartender aus dem ganzen Land. Gleich beim Eintreten wird man von zeitgeistiger Musik, einem Becher Wasser und einer kleinen mündlichen Einführung in den historischen Hintergrund der Bar, begrüßt.

Eine Getränkekarte gibt es nicht. Die Getränke werden aufgrund dessen gereicht, was wir dem Bartender über unsere Vorlieben und Abneigungen erzählen können. Und so werden uns nach kurzer Zeit ein wunderbar leichter, trockener Brooklyn und ein Old Fashioned mit Ahornsirup und Gewürzen zubereitet. Auf einem silbernen Tablett im Takt zu James Caldwell kommen beide Cocktails anbalanciert. Kommunikation und Cocktailkenntnis sind Stärken des Teams und man erkennt leicht, warum das Everleigh diesem Weg folgen möchte.

Jakob Etzold hat hier bis Anfang 2013 gewirkt. Seine Handschrift ist noch zu erkennen. Inzwischen hat Hayden Scott Lambert übernommen und fraglos diese großartige, weil so mutige Bar weiterentwickeln können.

Schmusetiger

Als trinkende Raubtiere starteten wir, inzwischen sind wir nach all diesen Drinks handzahm. Auf dem Weg in den heimischen Katzenkorb ärgern wir uns erneut über die schlechtesten Taxifahrer der westlichen Welt. Müssen aber feststellen, dass es in Melbourne großartige Bars von höchster Qualität gibt aber die Szene an manchen Stellen über ihre Substanz gehypt wird.

Gastfreundschaft wird jedoch allerorts groß geschrieben! Davon kann sich auch die deutsche Barszene noch eine Zeste abschneiden.

Bildquelle: aboutpixel.de / Waterfall © Lasse Kristensen

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