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Pearl: Frauen-Power für Wiens jüngste Bar

Prophylaktisch hat man im Umfeld schon die Öffnungszeiten geändert. Denn die Hotelbar des neuen „Park Hyatt“ gibt bereits vormittags Gas. Austro-Spirituosen, frische Säfte und Barrel Aged-Cocktails verspricht Michaela Beier, aus dem Düsseldorfer Dox übersiedelte Barchefin.
Am 2.Juni 2014 eröffnete  die Hotelbar Pearl. MIXOLOGY ONLINE hat sich bereits vorher umgesehen.
„Haben wir schon Cranberry-Juice?“ – gerne hätte Michaela Beier einen Drink zubereitet, „nach einem halben Jahr ohne Gast“. Doch die Einrichtungsarbeiten für die Eröffnung, die sie herbeisehnte, liefen auf Hochtouren. Gemeinsam mit Antonia Felgner, die den Namen Pearl („ohne Artikel bitte“) ausgesucht hatte, führt die bereits in Düsseldorf und Berlin für die Hyatt-Gruppe tätige Barchefin durch das Onyx-Ambiente ihrer neuen Wirkungsstätte.
Hohe Erwartungen
Die Erwartungen an das Hotel sind hoch, jene an die Bar deutlich höher. Sie befindet sich am Entrée des technisch als Verlängerung der Fußgängerzone Kohlmarkt, Wiens teuerster Geschäftslage, fungierenden Goldenen Quartiers. Hier sollen Russen, Chinesen und Araber ihr Geld in Boutiquen ausgeben, hier sahen ihnen schon bisher die Wiener von den Gastgärten des Fabio’s und des Schwarzen Kameel aus dabei zu. Letzteres hat nun mit Sonntagsöffnung und Frühstückskarte samt vorverlegtem Betriebsbeginn seine Stammgäste überrascht. „Man reagiert auf das neue Umfeld“, ließ Peter Friese von der seit 1618 bestehenden Institution wissen. Direkt gegenüber wartet nun eben täglich die Pearl-Bar ab 11 Uhr auf ihre Klientel.
Keine Schwellen-Angst
Baulich wird jener Teil des ehemaligen Bankgebäudes, der kurzfristig das „tricaffé“ beherbergt hatte, direkt von der neuen Fußgängerzone Bognergasse begehbar sein.
Tagsüber werden frisch gepresste Säfte, Smoothies und Virgin Cocktails wie der „Fennel Smash“ angeboten, neben den fünf glasweise servierten Champagnern wurden auch Winzersekte von Fritz Wieninger und Stefan Potzinger ins Programm genommen.
Die 33-jährige aus Frankfurt/Oder will den Fünf-Stern-Status des Hotels generell nicht als Ausrede für distanzierte Mixologie verwenden, im Gegenteil, „Interaktion“ ist eines ihrer Lieblingswörter: „Wir wollen möglichst nahe am Gast arbeiten, Drinks werden beispielsweise am Tisch abgeseiht“. Auch bei der Preisgestaltung zeigt man sich moderat, von acht bis 14 Euro reichen die Preise, wobei nur ein Cocktail für den hohen Preis angeboten wird, wie Beier nachschickt.
Tiki für Vienna
Eine Leidenschaft, die sie bereits in Düsseldorf auslebte, sind die Tiki-Drinks, die auf der Barkarte ihren Platz finden. Da die gesamte Konzeption eine Reise durch die Cocktail-Geschichte in 30 Positionen vorsieht – „von Pre-Prohibition-Drinks wie den Punches bis zu den Signatures des Hauses“ – passt auch dieses in Wien ohnehin unterbelichtete Thema gut dazu. Beim Barfood spielt man die Stärken der Schauküche einen Stock höher voll aus; neben einem Edel-Burger mit Pommes im Entenfett frittiert, wird es aromatisierte Schokolade und Lachs-Ciabattas geben. Freitag und Samstag stöpselt dann ein DJ seinen Ipod ein und beschallt die Gästeschar – je nach ihrer Stimmung und Zusammensetzung spontan mit good vibes.
GSA groß geschrieben
Ein erfreuliches Detail, das im Chauvi-Land Austria immer gut ankommt: „Der Anteil an heimischen Produkten soll 80% betragen“, bekennt man sich zum GSA-Trend. Im Rückbuffet steht nicht nur Gin aus Österreich (BB Dschin oder Farthofer), sondern auch die Whiskys der Austrian Whisky Association werden forciert. Bei den 15 Bieren der Bar erreicht man die selbst festgelegte Quote locker, mit dem Erstlingswerk des Essigbrauers Erwin Gegenbauer hat man sogar ein exklusives Hausbier zu bieten. Versuchsweise wird auch eine 0,75-Liter-Großflasche – der „Sonnenkönig“ der Salzburger Privatbrauerei Stiegl – angeboten. Eine spannende Idee mehr in einem Konzept, das sich den Wienern gegenüber öffnet. Schauen wir, wie es ab sofort umgekehrt läuft in der Hotelbar-skeptischen Hauptstadt.

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