basalt bar

EIN BOTANISCHER GARTEN NAMENS BASALT

Bars 22.7.2016

Manche Bars sind eine Bereicherung. Manche sind eine Erlösung. Manche sind beides. Das Basalt in Berlin ist so eine Bar. Das liegt zum einem am Ort, an dem es befindet. Und zum anderen am Ort an sich.

Der Wedding ist ein Berliner Bezirk, von dem seit gefühlten hundert Jahren behauptet wird, er sei „im Kommen“. Diese Phrase hat sich im Laufe der Jahre so verselbständigt wie das berühmt-berüchtigte „arm, aber sexy“ oder spätere Unkenrufe auf den Hauptstadtflughafen. „Im-Kommen“ scheint dabei eine nicht näher definierte Vorstellung zu sein, die sich aus AirBnb-Besuchern zusammen setzt, die zerzaust vom Feiern der letzen Nacht ihre Rollkoffer durch die Gegend ziehen, vorbei an neuen Szenerestaurants, Eisdielen, Biomärkten und Modeläden.

Ich weiß nicht, ob der Wedding im Kommen ist und ob es erstrebenswert ist, dass er es tut. Es gibt jedenfalls noch genügend Shisha-Bars, Spelunken, Möbel-Haushaltsauflösungsläden, Handyshops und Bäckereien, dass das Kommen noch eine Weile dauert. Ich weiß aber eines: Ich musste für einen guten Drink in einen anderen Bezirk fahren. Das klingt in einem zentral gelegenen Bezirk einer Großstadt, wie Berlin sie eine ist, skurril, ist aber die nackte Wahrheit. Schon alleine deswegen war der erste Besuch im Basalt und der Blick auf das ansprechende Backboard, auf die großzügige Cocktailstation und überhaupt auf das ganze Interieur, das einen verschluckt wie ein Botanischer Garten, eine einzige Verheißung, ein großes Versprechen.

IN DER GRÜNEN HÖHLE

Und soviel sei schon mal verraten: Dieses wird auch eingehalten. Der anonyme Manhattan-Elchtest beim ersten Besuch wurde bestanden, und auch der von David Wiedemann entwickelte Pink’n’Spicy mit Bacardi 8 Años, Himbeerpüree, Zitrone, Vanille, Koriander und schwarzem Pfeffer blieb fein zwischen Süße und Würze ausbalanciert, während der Koriander hinten raus immer noch schön knackig hinterher wischte. Grund genug also, dem Laden und seinem Macher Kieran Mac Devitt einen unanonymen Besuch abzustatten.

„Ich habe Tourismus studiert und immer in der Gastronomie gearbeitet, in Berlin, Kanada und Irland“, sagt er 31-jährige Halb-Ire, aufgewachsen im angrenzenden Bezirk Reinickendorf. „Dabei habe ich von Pubs bis Fine Dining mit weißen Handschuhen alles gemacht. Irgendwann kam der Punkt, in den Tourismus, in die Industrie oder in die Selbständigkeit zu wechseln. Letzteres passt am meisten zu mir. Ich bin ein Nachtmensch, ich unterhalte Gäste gerne. Als der Laden hier frei wurde, habe ich die Hausverwaltung angeschrieben – ich wohne praktischerweise im Hinterhaus.“

Der Laden hieß vorher „Kartenspiel International“ und versteckte sich hinter einer ungewöhnlichen, smaragdgrünen Klinker-Fassade, die einem „Mach mich zur Bar!“ förmlich entgegen schreit. Das dachte sich wohl auch die Hausverwaltung, der die lockere, aber kompetent vorgetragene Vorstellung von Kieran gefiel. Das war im Februar 2015. Der Mietvertrag wurde im November gleichen Jahres unterschreiben, Eröffnung war im März diesen Jahres. Das Interieur: alles selbst gemacht. Hauptverantwortlich für die gelungene Ästhetik ist Matthias Heumeier, ein Freund von Kieran aus Grundschultagen, der zum Geschäftspartner wurde – und der praktischerweise ebenfalls im Hinterhof wohnt.

GEKOMMEN, UM ZU BLEIBEN

Das Konzept der Außenfassade wurde dabei am Tresen weiter aufgegriffen, die Fliesen dafür wurden eigens von einer Manufaktur in Brandenburg produziert. Die Holzwände wurden nach japanischem Vorbild verkohlt, die Tischplatten aus dem gleichen Material wie der Boden gegossen, die Tischplattenhöhe mit 3,5 Zentimeter dabei exakt den Metallverstrebungen des Fensters nachempfunden, das den Hauptraum vom großzügig gestalteten Raucherraum trennt. In praktisch jeder Ecke steht eine Pflanze, und von jeder einzelnen hängt ein Foto eines Blattes in einem Holzrahmen an einer der Wände. Auf diese Weise steht alles im Basalt miteinander in Verbindung, der Raum ist ein waberndes Membran, von dem man verschluckt wird und der das hat, was eine gute Bar ausmacht: Morgen beginnt erst nach dem nächsten Drink.

Das ist natürlich etwas, das zum Wedding passt. Für viele allerdings bedeutet das nach wie vor eher ein günstiges Bier und nicht ein Cider von Ostmost oder ein Cocktail um 9,50 Euro. „Wir probieren natürlich den Spagat. Mit Jarosover Pils haben wir ein günstiges, aber leckeres Bier. Drinks mit hochwertigen Spirituosen kosten eben Geld, das ist noch nicht jeder bereit, auszugeben“, so Kieran, der jahrelang das Schraders Restaurant um die Ecke geleitet hat, „wir wollten die Latte im Wedding hoch legen und anders sein. Aber wir kommen nicht, um zu verändern, sondern um mitzugestalten.“

ENDLICH BAR

Das Gin & Tonic mit Bombay Sapphire um 6,50 Euro ist jedenfalls eine Einstiegsdroge zum für die gebotene Qualität – die Tonic-Flasche wird separat serviert – schmalen Preis. Kieran und sein Bartender Antonio bauen auf eine kleine Cocktailkarte mit selbst gemachten Drinks, wie den von einem Gedicht Theodor Fontanes‘ inspirierten Cocktail „Herr Ribbeck“ mit Vodka, Birnenlikör, Limettensaft, Rosmarin und selbst gemachter Birnen-Kardamom-Marmelade von Kierans Tante. Bei der kleinen, aber feinen Cocktail-Auswahl wird es jedoch vermutlich nicht bleiben. „Ich war immer Fan einer kleinen Bar, aber es wird irgendwie immer mehr“, sinniert der sympathische Rotschopf, „aber das ist es ja auch, was den Spaß an der Gastronomie ausmacht: Man lernt jeden Tag etwas Neues.“

Und wir lernen heute: Der Wedding hat jetzt eine Bar. Also wirklich.

 

basalt

Utrechter Straße 38, 13347 Berlin

Di - So, ab 19:00 Uhr, Montags geschlossen

Kartenzahlung: Nein

Rauchen: Nein

Photo credit: Foto via Basalt.

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