moose tonic syrup verkostungsrunde

Die MIXOLOGY-Verkostungsrunde Februar 2017

Drinks 28.2.2017 3 comments

Achtung, Achtung! Die zweite MIXOLOGY-Verkostungsrunde ganz ohne Gin! Dafür aber mit an Bord: der grandiose Moose Tonic Syrup. Zudem zwei Neulinge von Charles Hosie, eine tolle Mate und Palms Arrak. Eine sehr kraftvolle Verkostungsrunde wartet auf Sie!

Arrak könnte dieses Jahr ein großes Thema werden: Punches sind noch lange nicht auf ihrem Zenith angekommen – Grund genug, sich den neuen bzw. neu erhältlichen Produkten dieser Kategorie zu widmen. Machen wir auch, aber weiter unten. Los geht es hingegen mit gleich zwei hervorragenden alkoholfreien Preziosen.

Muntermate

Auch die Macher von Premium Cola setzen auf ein Mate-Produkt – die Muntermate. Nun verwundert es nicht weiter, dass das auf Transparenz und Fairness bedachte Kollektiv dabei dieselben, strengen Maßstäbe anlegt wie bei seinen anderen Produkten. So wird die wilde Erva-Mate direkt aus Südbrasilien vom Erzeuger bezogen und ist somit teurer als die üblichen Qualitäten auf dem Weltmarkt.

Doch, mit Verlaub: das riecht und schmeckt man auch: Ein intensiver Duft nach grünem Tee, einer Spur Zitrus und Tabak erzeugt eine komplexe Mischung aus Frische und Tiefe und macht definitiv Lust auf mehr. Im Antrunk überrascht zunächst der schlanke Körper mit wenig Süße und prägnanter Säure, nach wie vor dominieren auch hier nicht die ledrig-tabakhaften Töne, die für viele Mate-Limonaden so typisch ist. Diese integrieren sich dafür elegant in die gesamte Komposition und oszillieren zwischen einem hausgemachten Eistee und Zitronenlimo – was aber in diesem Fall beileibe nichts Schlechtes bedeuten soll. Auch die ganz leicht eingetrübte, eher ins Grünliche gehende Farbgebung setzt sich vom Mainstream ab und unterstreicht den komplett naturbelassenen Charakter von Muntermate. Eine echte Bereicherung für das Segment, überdies zu einem angesichts der Qualität überzeugenden Preis. Man wünscht sich, dass dieses Produkt künftig flächiger zugänglich wird!

Moose Tonic Syrup

Die vier Macher von Moose sind nicht die ersten Gin & Tonic-Enthusiasten, die sich mit den am Markt verfügbaren Tonic Waters nicht zufriedengeben wollten – zu künstlich, zu süß, zu wenig mit dem Aroma von Chinin. Das Resultat ist die noch blutjunge Firma Moose, die das Bild der chininhaltigen Bitterlimonade geraderücken möchte. Die Richtung ist dabei klar: Der Moose Tonic Syrup, komplett aus bio-zertifizierten Zutaten gefertigt, versteht sich vor allem als Basis für ein à la minute zubereitets Tonic Water. Für Bars ohne dezidiertes Konzept eventuell etwas aufwendig, für den Hausgebrauch und spezialisierte Gastronomien aber sicherlich ein reizvolles Element.

Den größten Pluspunkt spielt der Sirup bereits beim puren Nosing (also vor der empfohlenen Verdünnung im Verhältnis 1:4) aus: eine harzige, „borkige“ Chinin-Note, die klar auf die Herkunft in der Rinde des Fieberbaumes verweist und die so in keinem industriell gefertigten Tonic auffindbar ist. Da stört auch die naturbelassene, bräunlich-trübe Farbe nicht mehr. Dazu treten feine Töne von Zitrus-Sherbet, beinahe wie in einem Oleo Saccharum. Den kraftvollen Tonic-Eindruck trägt der Moose auch in der verdünnten Form auf die Zunge weiter: Eine saftige Bitternote, die kein Tonic erreicht, ist lustvoll adstringent, wird aber sehr gut balanciert durch die dezente Süße, die aufgrund ihrer teilweisen Herkunft aus Agave und Ahorn dennoch ein schönes Volumen an den Tag legt. Der Moose Tonic Syrup ist sicherlich ein Produkt für Fans und Kenner, für diese aber auch eine echte Bereicherung!

3 Island Spiced Rum

Mit zwei neuen Abfüllungen bereichert der Importeur Charles Hosie ab sofort sein Sortiment an Rum: Das 3 Islands-Label bekommt zuwachs, und zwar sowohl durch einen Spiced Rum als auch einen Falernum. Beide freilich vom Layout eingebettet in die klare, simple Designsprache der Marke, deren Name für Jamaika, Martinique und Trinidad steht. Ersterer, also der Spiced, kam in der Verkostungsrunde in die Gläser.

Die Basis bildet der gängige 3 Islands Black, der mit insgesamt 8 typischen Spiced Rum-Gewürzen mazeriert wird: Vanille, Orange, Kakaobohnen, Koriandersaat, Bittermandel, Zimt, Ingwer und Nelken. Vor allem die weihnachtlich-pikante Spannung aus Vanille, Orange und Ingwer dominiert beim Einstieg das Nosing – ein typischer Lebkuchenton, wie ihn viele klassische Spiceds in sich tragen. Insgesamt ein sehr gefälliges Aromenprofil. Im Mund zeigt sich, dass der Spiced – auch das gängige Praxis (und nicht zum Gefallen vieler Bartender) – recht süß eingestellt ist. Mit für den Spiced-Durchschnitt mittleren 37,5% Vol. ist der 3 Islands Spiced überraschend süffig und schnittig, er liegt feinwürzig auf der Zunge und hat eine schöne Cremigkeit. Mit fortlaufender Dauer baut er eine schöne Komplexität auf und die unterschiedlichen Botanicals sowie die Fass-Töne präsentieren sich im schönen Wechselspiel. Im Gegensatz zu den „großen“ Produkten der Kategorie durchaus eine interessantere, aber immer noch gefällige Alternative, der jedoch ihr verhältnismäßig hoher Preis zum Verhängnis werden könnte.

The Dubliner Irish Whiskey

Ebenfalls im Import und Vertrieb von Charles Hosie findet sich neuerdings die Range der irischen Marke The Dubliner. Neben einem Whiskeylikör steht als Kernprodukt der klassische 40-prozentige Whiskey im Fokus. Das Segment wächst derzeit, nachdem es von Importeuren wie auch Connaisseuren lange Zeit vernachlässigt wurde.

So gibt es zunächst einen typisch irischen Einstieg mit sehr viel würzigem Vanillin, das deutlich auf die Reifung im Bourbonfass verweist. Dazu kommt eine dezente Pfeffrigkeit mit sahnigem Butterscotch. Dieser schlanke, zugängliche Eindruck setzt sich auch geschmacklich fort: Der The Dubliner präsentiert sich prägnant, mit leichtem Tannin, Zitrone, Brioche und etwa Süße, dabei sehr süffig und mit filigranem Körper. Nach einiger Zeit und weiterem Probieren drängen sich immer mehr die holzigen Noten in den Vordergrund, die dem Whiskey ein markantes Finish verleihen. Sicherlich kein Kandidat für den Nerd-Stammtisch, aber ein gutes Einstiegsprodukt zu einem fairen Preis.

Palms Arrak

Die Großgattung Arrak hat hierzulande noch reichlich Nachholbedarf, und das gleich aus mehreren Gründen: Wer sich ernsthaft mit klassischen Punches befassen will, kommt um Arrak nicht herum, gleichsam handelt es sich bei der Kategorie generell um eine der ältesten und traditionsreichsten Spirituosenfamilien überhaupt. Einen kleinen Beitrag zur Verfügbarkeit leistet nun das junge hessische Unternehmen Palms, das in Sri Lanka und Kambodscha eigene Palmen bewirtschaftet, aus denen zudem Sirup, Palmzucker und klarer Palmsaft erzeigt werden. Der Palms Arrak ist mittlerweile in Deutschland gut verfügbar und schickt sich an, als klassisches Produkt zur Referenzgröße zu werden.

Eine sehr dichte Nase mit viel dunklen Karamell- und Melassenoten eröffnet eine charakteristische Szenerie. Mit der Zeit steigern sich die Karamelltöne in feine, schwefelige Röstnoten, bereichert durch deutliche Anklänge von Dörrobst wie Datteln und Aprikosen. Später punktet der Palms Arrak mit einer herrlichen Viskosität, er füllt den Mundraum samtig aus. Vom Rum vetraute, leichet alkoholische Spitzen schärfen das Profil, das abermals durch eine starke Note von Karamell und – jetzt neu dabei – getrockneter Orange getragen wird. Das Finish bestimmen dunkle Nuancen von Toastbrot und Backpflaumen. Ein komplexes, tolles Produkt zu einem sehr guten Preis.

Photo credit: Foto via Sarah Liewehr.

3 comments

  1. happydrinker

    Der klassische Arrack für Punches ist meines Wissens nicht der Palmzucker/Ceylon Arrack, sondern der indonesische Batavia Arrack aus Reismaische und Zuckerrohr. Die Begriffsbezeichnung Arrack ist da leider etwas unübersichtlich.

    • Redaktion

      Hallo Happydrinker,

      Du hast in gewisser Weise Recht: Der etwas diffuse Sammelbegriff „Arrak“ bzw. „Arrack“ macht eine wirkliche Trennschärfe zumindest in Teilen unmöglich. Wobei der traditionelle Sammelterminus ja sogar nicht einmal nur Destillate meint, sondern viele Formen von Vergorenem und Gebranntem.
      Auch wenn der von Dir erwähnte Batavia Arrack mit seinem estrigeren, kantigeren Stil wohl eher dem archetypischen Punch-Typus mehr gerecht wird, darf man dennoch nicht unterschätzen, welch starken Einfluss auch der sri-lankanische Stil insbesondere im Zuge der Adaption des Punches in der britischen Oberschicht gehabt hat. Ich habe leider das entsprechende Standardwerk von Wondrich gerade nicht zur Hand (bitte verzeih generell, dass ich gerade nicht auf die Literatur zugreifen kann, ich antworte von unterwegs), meine aber, dass er auch auf diese Unterscheidung und die damit einhergehenden Problematiken eingeht.
      Letztendlich denke ich jedenfalls: Beides ist eindeutig Arrak, beides hat eine eminente Bedeutung für den Punch.

      Vielen Dank für Deinen Hinweis und herzliche Grüße!
      // Nils Wrage für die Redaktion

  2. Jens Kümmerer

    Es wird Zeit, den Palms Arrack endlich mal in die Hand zu bekommen und damit rumzuspielen. Ich kenne den von Rockland, der schon etwas länger auf dem deutschen Markt ist – auch ein Arrack sri-lankischen Stils. Die Tasting-Notes, die ihr zu dem Palms gebt, klingen aber deutlich anders, deutlich kräftiger. Jedenfalls sehr erfreulich, dass man auch bei einer doch etwas exotischen Gattung wie „Arrack sri-lankischen Stils“ inzwischen eine etwas größere Auswahl hat.

Schreibe einen Kommentar

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Ähnliche Artikel