Lion Tonic

Die MIXOLOGY-Verkostungsrunde Mai 2018

News 29.5.2018

Lion Tonic, No Limo Bavarian Berry, Philosoffee Kold Brew Tonic – die erste MIXOLOGY-Verkostungsrunde, bei der alkoholfreie Produkte in der Überzahl sind. Doch keine Angst, wir bleiben auch den Hochprozentern treu, diesmal in Form von zwei Rums, die wahrhaft Ecken und Kanten mitbringen.

Auch das muss mal sein: Passend zum Sommer schauen wir uns diesmal drei neue Filler an. Klar, dabei geht es auch um Tonic Water, etwa um das Lion Tonic, das die Runde diesmal begeistert. Doch bevor wir zu Markus Lion wechseln, blicken wir in beerige Gefilde.

No Limo Bavarian Berry

Neu im Spiel und dezidiert auch als Filler konzipiert sind die No Limo-Sodas aus dem kleinen Örtchen Lorsch nahe Frankfurt. Von dort kommen zunächst vier Qualitäten, die allesamt einer simplen Idee folgen: Feine Kräuter und Gewürze, Bio-Direktsäfte und ein wenig Zucker, alles unfiltriert in der Flasche. Keine Limonade im eigentlichen Sinne. Die Verkostungsrunde nimmt sich die Abfüllung Bavarian Berry mit, natürlich, Himbeere und außerdem Hopfen, Malz und Rhabarber vor.

In der Nase dominiert zu Beginn eine sehr kräftige Note von rotem Traubensaft, die beerige Tönung ist im Hintergrund. Man meint, eine Spur Brotigkeit wahrzunehmen. Am Gaumen dann sehr – man kann es nicht anders sagen – saftig, die Himbeere setzt sich nun sehr schön durch, flankiert durch präsente Oxalsäure aus dem Rhabarber, die selbstverständlich besonders im Abgang punktet. Die Süße ist sehr gut eingebunden und steuert hervorragend gegen die Fruchtsäure. Insgesamt macht No Limo Bavarian Berry einen sehr balancierten und eleganten Gesamteindruck, ein schönes, belebendes Soda, das definitiv sowohl pur als auch im Drink eine tolle Alternative ist. Vergleichsweise hoher Flaschenpreis, wenn man bedenkt, dass u.U. auch noch Versandkosten hinzukommen.

0,25 Liter

0% Vol.

€ 2,79

no-limo.com

Lion Tonic

„Artemisia Dry Tonic Water“ lautet der Untertitel vom ersten eigenen Tonic des Importeurs und Connaisseurs Markus Lion. Das hat einen gewichtigen Grund: Das Lion Tonic ist das vermeintlich erste Tonic Water am Markt, das neben Chinin als Bitterquelle auch auf Wermutkraut (Artemisia absinthium) setzt – was sollte man von Absinth-Liebhaber Lion auch anderes erwarten? Zumal da die Kombination aus Gin und Wermut eine gewisse, historisch gewachsene Festigung kennt.

Die besondere rezepturelle Herangehensweise manifestiert sich dann auch gleich beim Nosing: Das Lion Tonic ist extrem fein und komplex im Aroma, es verbinden sich Nuancen von Pampelmuse, Holunderblüte und Zitronengras mit einer sehr erwachsenen Note von Mineralität und Kräutern. Der Eindruck lässt ein trockenes Geschmacksbild erwarten – was nicht enttäuscht wird: Die Bittere ist präsent, dabei aber unheimlich zart und ausgewogen, mit weitaus weniger Rauheit als bei vielen anderen mit „Dry“ etikettierten Tonics. Dazu kommen im Lion Tonic feine, säuerlich-frische Anklänge von Zitrone, die zurückhaltende Zuckerung von 7 Gramm à 100 ml erzeugt einen knackigen, anregenden und leicht adstringenten Eindruck. Das Lion Tonic ist komplex und voluminös, dabei aber fokussiert genug, um klassischen Gins nicht den Rang als Partner abspenstig zu machen. Ein tolles Tonic Water, auf jeden Fall eine absolute Bereicherung für die mittlerweile arg angeschwollene Tonic-Landschaft!

0,2 Liter

0% Vol.

ab € 2,35

lion-spirits.de

 Philosoffee Kold Brew Tonic

Die Kombination aus Kaffee und Tonic ist nicht neu, genießerische Wirkungstrinker schwören schon lange auf den einen oder anderen Espresso-Tonic. Seit einiger Zeit lässt sich aber auch der kleine Trend beobachten, die Paarung direkt als Premix in die Flasche zu bringen, dann neuerdings meist auf Basis von Cold Brew – sogar Neu-Riese Thomas Henry lancierte sein Coffee Tonic kürzlich als festen Bestandteil der Range.

Ebenfalls zu haben ist ein Cold Brew Tonic – oder in diesem Fall mit „K“, also Kold Brew – vom Berliner Kaffee-Start-up Philosoffee, deren reiner Cold Brew an dieser Stelle ebenfalls schon verkostet wurde (damals noch im alten Packaging). Die neue Verpackung ist stimmig, modern, urban und passt mit ihrem schwarz-gelben Markenauftritt hervorragend in den Zeitgeist. Verarbeitet werden ausschließlich biologischer Single-Estate-Kaffee, dazu ein natürliches Tonic mit Agavensüße. Das Aroma des Philosoffee Kold Brew Tonic verweist klar auf die helle Röstung der peruanischen Bohnen: Leichte, fruchtige Aromen von Kernobst und ein wenig Johannisbeere kommen zuerst, danach etwas Malz, helles Karamell und eine Spur Nuss. Das Tonic macht sich olfaktorisch so gut wie gar nicht bemerkbar.

Das ist leider auch auf der Zunge der Fall, wo sich Kaffee und Tonic nicht ganz einigen können, wer in dieser 50:50-Mischung die erste Geige spielt. Die Kohlensäure ist sehr fein, geht jedoch beim Öffnen leider sehr schnell verloren. Schön ist die feine, sehr viskose Süße des Agavendicksaftes, der die leichten Röst- und Karamelltöne des Cold Brew unterstützt. Das hilft aber leider nicht dem erwähnten Umstand, dass die beiden Mischbestandteile des Philosoffee Kold Brew Tonic sich – zumindest in der aktuell vorliegenden Form – eher gegenseitig nivellieren anstatt zu bereichern. Besonders eine etwas kraftvollere Bitternote sollte bei den Schlagwörtern „Coffee“ und „Tonic“ erwartet werden dürfen – auch wenn Cold Brew an sich für einen milden Stil steht.

0,25 Liter

0% Vol.

ab € 2,78

philosoffee.de

 Penninger Graphit Rum

Aufgemerkt: Der Granit bekommt einen Bruder! Nach dem Launch des Granit Gin vor einigen Jahren erweitert die Traditionsbrennerei Penninger ihre Range nun um einen Rum, der seinen Namen in Anlehnung an den älteren, wacholdrigen Bruder erhält: Graphit Rum. Damit nimmt das Unternehmen auch Bezug auf die eigene Historie, als man die Kohlekumpel in der Gruben mit Rum versorgte. Da verwundert es nicht, dass sich der Graphit aus einem Blend zusammensetzt, der neben Bränden aus u.a. Guyana, Barbados und Trinidad auch jamaikanische Rums enthält, die traditionell als besonders kraftvoll angesehen werden.

Der strohgelbe Graphit Rum ist zunächst sehr spitz und estrig, die Schärfe im Duft schleift sich aber nach einigen Augenblicken an der Luft merklich ab. Aus den Estern treten dann die charakteristischen Fruchtnoten der jamaikanischen Rums hervor (grüne Banane! grüne Äpfel!), dazu treten Honigmelone und Kokos, aber auch deftige Töne von Leder, Tabak und zartem Rauch. Diesen sehr „maskulinen“ Eindruck konterkariert der Graphit dann zunächst überraschend stark: Der Auftakt im Mund ist sahnig, geschmeidig und sehr mild. Dazu kommen schön strukturierte Tannine und die erwähnten, herzhaften Noten bestätigen sich. Ein wunderbarer Rum, freilich pur nichts für Neulinge, aber als Sipping-Qualität oder für klassische Cocktails eine absolute Empfehlung.

0,7 Liter

42% Vol.

€ 34,90

graphit-rum.de

 Meermaid Infused Overproof

Die Meerjungfrau hat Zuwachs bekommen, und zwar sehr starken: Von der mittlerweile etablierten und bekannten Spiced-Rum-Marke gibt es seit Kurzem mit dem 62-prozentigen Overproof eine neue Abfüllung, die besonders die Herzen von Tiki-Freunden höherschlagen lassen dürfte: Spiced und Overproof, das ist ja gleich doppeltes Vergnügen. Insgesamt 13 Aromate geben dem Hochprozenter sein Profil, auf Süßung oder künstliche Zusätze verzichtet Macher Stefan Walz wie sonst auch.

Der Duft des Meermaid Overproof ist komplex und ausbalanciert: Birne, Zitrone, weißer Pfeffer, Veilchen, Kardamom und Ananas – um nur einige zu nennen – bilden das Spektrum des Rums. Geschmacklich macht sich natürlich zunächst eine alkoholische Schärfe bemerkbar, die aber sauber und elegant wirkt. Die typische Ethanol-Süße trägt die komplexen, dunkleren Noten nach Piment und Nelken ebenso wie die fruchtigen Nuancen von Zitrus und Kochbanane. Die Runde ist sich einig: Ein großartiger Mix-Overproof zu einem mehr als fairen Preis!

0,5 Liter

62% Vol.

  1. € 29,00, z.B. via Bottlerocket

punchsociety.meermaid-rum.com

Photo credit: Kathrin Bischoff

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