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Neue Gläser, noch mehr Glück? Riedel entdeckt den Cocktail-glas-Markt

Riedel steht vor allem für hochwertige Weingläser. Nun markiert die „Drink Specific Glassware“ den Einstieg des Glasherstellers in das Cocktail-Geschäft. Abholen soll die aus sechs Gläsern bestehende Serie Gastronomen, Mixologen und den Konsumenten. Also alle. Christian Kraus, Geschäftsführer von Riedel Vertrieb Deutschland, über neue Märkte und späte Newcomer.
Riedel unterwegs in neuen Märkten: Mit der „Drink Specific Glassware“  präsentiert das österreichische Unternehmen sechs neue Gläser für den Cocktailmarkt. Entworfen wurden diese in Zusammenarbeit mit dem US-Mixologen Zane Harris,  „nach klassischen Vorbildern mit moderner Note“, wie Christian Kraus, Geschäftsführer von Riedel Vertrieb Deutschland, erklärt.
Heißt, man arbeitet wieder mit Schliff, aber das nicht allzu verschwenderisch und immer nach der Devise „Form follows Function.“ Laut Riedel hätte Harris bei der Glas-Gestaltung neben der Handhabung durch den Gast besonderes Augenmerk auf Größe, Form und Volumen von Eis in gelegt. So fassen die Highball- und Rocks-Gläser den Standard-Eiswürfel genauso gut wie größere Eiswürfel. Die Gläser Nick & Nora, benannt nach den dem Martini äußerst positiv zugewandten Protagonisten aus dem Film „Der dünne Mann“, lassen der Nase Platz, die Aromen zu erfassen, während der Mund sich ohne Kopfneigen der Flüssigkeit nähern kann.

Streichelt Gaumen und Seele

Kurz: Trinken und Haltung bewahren geht hier wunderbar zusammen. Das Fizz-Glas setzt auf parallel verlaufende Seitenwände, um die perfekte, kissenförmige Schaumkrone eines Gin Sours zu rahmen. Das Neat-Glas liegt gut in der Hand und schaut aus wie die kleine Schwester des Rocks-Glases. Der Vorteil: Es erscheint voll, wenn es die optimale Menge an Spirituosen oder Cocktails enthält. Das streichelt nicht nur den Gaumen, sondern auch die Seele des Trinkers: Der Drink wirkt weniger verloren im Glas. Und der Bartender weniger geizig.
Noch ist die „Drink Specific Glassware“-Serie nur für die B2B-Branche erhältlich, ab Januar 2019 soll auch der Konsument die Gläser erstehen können. Zu einem erstaunlich günstigen Preis. Christian Kraus, Geschäftsführer von Riedel Vertrieb Deutschland, über Preisstrategien und die Frage, warum Riedel erst jetzt den Cocktailglas-Markt für sich entdeckt.
Riedel Cocktail
MIXOLOGY ONLINE: Der Markt für hochwertige Spirituosen boomt, die Barszene brodelt. Warum will Riedel erst jetzt in diesem Markt mitmischen?
Christian Kraus: Riedel geht nicht den kommerziellen Weg und entwickelt Gläser nach Lifestyle oder Marktgegebenheiten. Die Entwicklung der Cocktails hat in den letzten 20 Jahren bereits zwei Phasen durchlebt und erreicht nun die Spitze der Qualität bei den verwendeten Rohstoffen und bei der Präsentation. Es stehen nicht mehr Alkoholkonzentration und farbig aufgepeppte Cocktails im Vordergrund, sondern die Frische der verwendeten Rohstoffe, aber auch die optische Zubereitung der Drinks im entsprechenden Glas. Deshalb ist jetzt die richtige Zeit für hochwertige Bargläser.
MIXOLOGY ONLINE: Wie genau will Riedel sich gegen Mitbewerber durchsetzen?
Christian Kraus: Wir bleiben mit der Strategie beim Bewährten. Das wichtigste ist, mit einer hohen Glasqualität zunächst einen sensorischen Mehrwert zu bieten. Das heißt, es gelten hier die gleichen Regeln wie bei einem hochwertigen Weinglas. Auch unser Nick & Nora-Glas oder unser Sour-Glas hat beispielsweise fein geschliffene Mundränder. Im zweiten Step geht es darum, die Anforderungen des Bartenders zu berücksichtigen. Für die Zubereitung von Cocktails ist der Einsatz von Eis elementar. Bei der Entwicklung der Gläser haben wir vor allem diesem Aspekt Rechnung getragen, in dem wir die richtigen Glasdurchmesser und Glashöhe gewählt haben. Auch die Ausprägung der Bodenfläche bei den Bechern ist sehr wichtig, damit die Eis-Cubes perfekt auf dem Glasboden aufsitzen und damit eine maximale Kühlung des Drinks möglich wird. Zum dritten geht es natürlich darum, wie die Haptik des Glases beschaffen ist. Hier nimmt Riedel tatsächlich einen Lifestyle-Trend auf und gibt der Kollektion einen Schliffcharakter, den man aus den 1950er- und 1960er-Jahren kennt. Der Konsument hat diese Haptik und Optik wieder schätzen und lieben gelernt. Riedel bietet dazu nun eine perfekte Lösung
MIXOLOGY ONLINE: Die Gläser werden anfangs im B2B-Bereich vertrieben, ab 2019 auch im B2C-Bereich erhältlich sein, oder?
Christian Kraus: Das ist richtig; wir starten jetzt in den großen Städten mit der Markteinführung in der Gastronomie, die dann auf den Fachmessen im Frühjahr 2019 (Internorga, ProWein) fortgesetzt wird. Zusätzlich planen wir den Besuch der fachspezifischen Messen der Barszene. Ab Februar – der Messe Ambiente in Frankfurt – stellen wir die Kollektion auch dem internationalen Handel vor. Es handelt sich dabei um die gleichen Produkte, wobei wir sie ihm Handel in hochwertige Geschenkkartonagen verpacken werden.

MIXOLOGY ONLINE: Die Gläser werden im Set für ca. 24 Euro im Handel erhältlich sein. Das wird so manchen Kunden überraschen, spielt die Marke doch sonst deutlich im höheren Segment.
Christian Kraus: Wir wollen die neue Kollektion einer großen Zahl von Konsumenten zugänglich machen. Alle Gläser werden in unseren eigenen Fabriken in Deutschland hocheffizient maschinell hergestellt. Aus diesem Grunde ist der Preispunkt möglich. Im übrigen ist das ein für Riedel nicht unüblicher Preispunkt. Auch die Weinglaskollektionen Riedel 0, Ouverture, Extreme und Wine bewegen sich in diesem Preissegment.
MIXOLOGY ONLINE: Besteht nicht die Gefahr, eine Marke wie Riedel durch zu günstige Preise zu verwässern?
Christian Kraus: Das wichtigste bei der Marke ist, dass die Gläser einen Mehrwert für den Konsumenten bieten. Riedel hat sich aber schon immer zum Ziel gesetzt, einen breiten Kundenkreis anzusprechen. Wir sind sehr davon überzeugt, mit dieser Kollektion beiden Ansprüchen gerecht zu werden.
MIXOLOGY ONLINE: Wird weiteres Equipment folgen und wird Riedel seinen Marktanteil im Bar-Cocktail-Segment ausbauen?
Christian Kraus: Das ist eine wichtige Aufgabenstellung. Bereits bei den ersten Launch-Events gab es Input von den Bartendern, welche Produkte ergänzend Sinn machen. Wir werden das sehr genau prüfen, da wir großen Wert darauf legen, dass alle diese Produkte weiterhin einen Mehrwert bieten. In jedem Fall wird es für B2C verschiedenste Geschenk-Sets geben, die sowohl die Haushaltsgröße oder auch die Präferenz für bestimmte Cocktails berücksichtigen werden.

Credits

Foto: Snowflake

Comments (2)

  • JGatsby

    Eines muss muss man Riedel schon lassen: Sie machen ein sehr feines, graziles Glas, was sonst nur Zwiesel in seiner 1872-Serie hat und eine beeindruckende Finesse besitzt.
    Aber sie müssen auch aufpassen, den Qualitätsanforderungen moderner Glasmaterialien gerecht zu werden: Man kann heute Kristallglas auch im Geschirrspüler reinigen! Das gelingt Riedel bei den Cocktailschalen der Grappa-Serie, bei Weingläsern versagen sie oft und diese werden stumpf. Dies liegt – artgerechte Pflege vorausgesetzt – an ihrer Glasmaterialmischung. Es verwundert, dass sie das nur stellenweise hinkriegen, was sonst Schott & Nachtmann als Standard haben.

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  • Mangomix

    „Nun markiert die „Drink Specific Glassware“ den Einstieg des Glasherstellers in das Cocktail-Geschäft“ heißt es im Artikel und Mixology fragt, „warum Riedel erst jetzt den Cocktailglas-Markt entdeckt“. Seltsam, sind doch Bargläser für Hersteller Riedel nun wirklich nichts Neues! Schließlich produziert man schon seit geraumer Zeit die „Perfect Serve Collection“, die Gläser werden lediglich unter anderem Namen (Spiegelau) vertrieben. Beide Marken, „Perfect Serve Collection by Stephan Hinz“ und „Spiegelau“, gehören Riedel. Wenn es dann (in der deutschsprachigen Presseerklärung zur Serie) heißt „Gemeinsam mit Riedel entwickelte Harris jedes Glas und legte dabei besonderen Wert auf Größe, Form, Volumen und Fassungsvermögen für Eis. Kein Glashersteller ist je zuvor so ganzheitlich an ein derartiges Konzept herangegangen“ verwundert das doch sehr. Hat man die Formen der Perfect Serve Collection im eigenen Haus etwa erwürfelt?
    Im Vergleich zur Perfect Serve Collection, die ihrem Namen alle Ehre macht, finde ich die hier vorgestellte Serie übrigens etwas dürftig. Eine professionelle Barserie ohne Martiniglas erscheint mir jedenfalls unvollständig – zumindest wenn man Gastronomen als Zielgruppe im Blick hat. Die auf dem 2. Bild zu sehende Cocktailschale (offiziell „Sour-Glas“) im Retro-Stil ist hingegen toll und wird bestimmt ihre Liebhaber finden. „Und endlich auch ein Nick & Nora“-Glas, dachte ich beim Lesen – wurde aber bei näherem Hinsehen enttäuscht von der gewählten Form. Vor allem, das es sich nach oben hin tulpenförmig verjüngt, passt imho nicht recht zu den klassischen Vorbildern.

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