Baseler BarTender – ein Forum für die Bar-Szene

Bars 14.5.2016

Die Idee trug Thomas Huhn, Chef der Bar im Baseler Grand Hotel Les Trois Rois, schon länger mit sich herum. Nun hat er das Netzwerk Baseler BarTender ins Leben gerufen. Für die Schweizer Stadt am Rhein eine Neuheit. Mit MIXOLOGY ONLINE sprach der Wahlbaseler über die künftigen Vorhaben des bereits gegründeten Vereins.

Seit zehn Jahren lenkt Thomas Huhn die Geschicke der Les Trois Rois-Bar im mit fünf Sternen ausgezeichneten Grand Hotel. Seither ist in Basel viel passiert und die nach Zürich und Genf drittgrößte Stadt der Schweiz um einige Bars und Lokale reicher. „Als ich damals hierher gekommen bin, kannte ich niemanden“, erinnert sich der gebürtige Gerolsteiner, der im Saarland aufgewachsen ist. Huhn brauchte Zeit, sich an die neue Umgebung, Stadt, Land und Leute zu gewöhnen und Freundschaften zu knüpfen. Ein fachliches oder freundschaftliches Netzwerk gab es nicht. Ein solches aber erleichtere den Einstieg in das neue Lebens- und Arbeitsumfeld. „Ohne kostet es einfach wesentlich mehr Zeit“, so der noch 39-Jährige, der seinem bevorstehenden 40-er gelassen entgegensieht.

Schon zu Arbeitsbeginn im Les Trois Rois am Ufer des Rheins wollte er Kräfte bündeln, eine Plattform für den Austausch unter Freunden und Kollegen, eine fachliche Anlauf- und Schnittstelle für das Zusammenwirken von Bar-Enthusiasten sowie der Industrie ins Leben rufen. Vor kurzem hat der gelernte Hotelfachmann diese Idee in die Form des Vereins „Baseler BarTender“ gegossen.

AN EINEM STRANG ZIEHEN

Es handelt sich um keine lose Verbindung, deren Engagement vorwiegend in der Startphase passiert, sondern um einen tatkräftigen Verein, der bereits zu seinem offiziellen Gründungsakt am 18. April um exakt 14.20 Uhr von 19 Bars getragen wird und eine Neuheit für die Stadt als auch für die Bar- und Hotellandschaft darstellt. „Der Vereinseintrag bringt viele Vorteile mit sich und ist vielleicht am Anfang und in Zukunft etwas mehr Arbeit. Es gibt aber von vornherein Leute, die sich um etwas kümmern müssen. Generell lebt ein Verein von Leuten, die etwas bewegen wollen“, erläutert Huhn diese verbindende Zusammenarbeit. Außerdem stelle dies einen wichtigen Schritt in der Außenwirkung dar.

Das Barnetzwerk Frankfurt hingegen hat sich mittlerweile in den „Underground“ zurückgezogen, wie Branimir Hrkac von der Frankfurter Bristol Bar mitteilt. „Der Freundeskreis und die Community existieren weiterhin“, so das ehemalige Gründungsmitglied, „uns ging es nie um Profilierung, sondern immer um die Barkultur unserer Stadt und die Ausbildung des Nachwuchs.“ Daher liegen Tastings und Workshops fortan in den Händen der Industrie, die bei solcher Durchführung professioneller agieren könne.

Der Münchner Barzirkel agiere gerade in Bezug auf regelmäßige Treffen, Veranstaltungen oder Workshops „mehr oder weniger verhalten“, sagt Marco Beier, Gründer und Mitglied des südbayrischen Zusammenschlusses, und erklärt warum: „Es liegt daran, dass viele von uns Familien gegründet und daher weniger Spielraum zur Mitwirkung haben“. Das 2009 initiierte und auch etablierte Ideenfass der Münchner Barszene werde aber weiterhin bestehen bleiben und warte darauf, erneut geöffnet zu werden.

BASEL, EIN SECHSER IM LOTTO

Zu den Baseler BarTender-Aktiven zählen neben der Bar Les Trois Rois auch Werk 8, Café des Arts, Bar Rouge, Campari Bar, Nomad, Smuk, Zum Kuss, Baltazar Bar, Conto 4056, Hinz & Kunz, Irrsinn Bar, Bibliothek, Bar Brut, Paterre One, Teufelhof Bar, Volkshaus, Atlantis und die Clouds Bar in Zürich. In der bald stattfindenden, konstituierenden Generalversammlung sollen ein Vorstand für zwei Jahre, Präsident und viele andere „Funktionäre“ gewählt und die Höhe eines Mitgliedsbeitrages festgesetzt werden. Als Mitglieder kommen sowohl die Bars an sich als auch Bartender in Frage. Thomas Huhn sieht sich zukünftig eher in einer beratenden Funktion. „Ich würde mich um organisatorische Maßnahmen kümmern“, sagt der Barchef, der durch seine Vernetzung mit der Industrie auch an Synergieeffekte für die Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten denkt. Konzepte, Ideen und Veranstaltungsprojekte gibt es viele. In regelmäßigen Treffen wollen sich die Vereinsmitglieder über die Umsetzung dieser austauschen. Ein gemeinsamer Auftritt nach außen ist geplant, eine Homepage befindet sich in Arbeit und eine eigene WhatsApp-Gruppe erleichtere die Kommunikation. Auch eine Kooperation mit dem ansässigen Tourismusverband sei denkbar, um „zum Beispiel einen Stadtplan mit der bestehenden Bar-Landschaft“ zu kreieren.

„Bedenkt man die Größe der Stadt, dann ist die Anzahl der Mitglieder schon jetzt beachtlich“, so der Gründungsinitiator, der in der kleinen Alpenrepublik gut integriert ist. „Basel ist ein Sechser im Lotto. Die Stadt ist angenehm, nicht so stressig wie andere Großstädte, familiär geprägt, und es läuft immer was“, so der Wahlbaseler, dessen Auslandsaufenthalt zwar erwünscht, sich in Basel aber ergeben hat.

Die Mitarbeiteranzahl im Les Trois Rois hat der Fan von Reisen und Städtetrips während seiner zehnjährigen Tätigkeit als Barchef von vier auf 16 aufgestockt. Finden die Baselworld, eine einwöchige und einzigartige Weltmesse für Uhren und Schmuck, oder die Art Basel statt, dann gilt das Grand Hotel als „Hotspot. Unsere Wartelisten für die Party in unserem Haus, an unserer Bar, sind so lange wie Tapetenrollen“, sagt er ein wenig stolz. „Eine sehr spezielle Zeit und für uns eine gute Möglichkeit, auch mal Raritäten und exklusive Flaschen aufzutischen, Geld spielt eine untergeordnete Rolle“, sagt Huhn.

Eine internationale Gästeklientel stelle besondere Anforderungen an das zu solchen Ausnahmesituationen aufgestockte Personal und wisse genau, was sie wolle. „Wir haben dabei viel Spaß an der Umsetzung“, so der ehemalige aktive Fußballspieler, der sich bewusst für einen Weg als Gastgeber entschieden hat.

Photo credit: Basel & Hände via Shutterstock. Postproduktion: Tim Klöcker.

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