miad bar

Miad – Flüsterbar in der Fächerstadt

Bars 14.10.2016 1 Kommentar

Wer dem Grillduft aus einer Seitenstraße der Karlsruher Kaiserstraße folgt, landet in der wunderbaren Speakeasy Bar Miad. Hier hat sich Gastgeber Miad Ebrahimi ein besonderes, dunkles Universum geschaffen, in dem der Alltag keinen Zutritt hat. Mit einem speziellen Lichtvorhang inklusive.

Karlsruhe ist eine beeindruckende Stadt der Barkultur. Die furchterregende Anzahl von Baustellen verströmt bereits auf den ersten Blick ein internationales Dynamik-Niveau. Eine imposante Anzahl gastronomischer Betriebe beweist die Ausgehfreude der Bürger der verhinderten Landeshauptstadt von Baden, das in den 1950er-Jahren mit Württemberg zusammengelegt wurde. Bundesgerichtshof und Bundesverfassungsgericht stehen immer wieder im Fokus bundesweiter Berichterstattung und selbst der Zoo hält internationalen Metropolenmaßstäben stand. Auf den zweiten Blick lernt der wandernde Barfly jedoch: Karlsruhe, die Stadt mit dem berühmten fächerförmigen Grundriss, entpuppt sich als herausragende Adresse für Cocktails mit Bartending auf höchstem Niveau.

Ein Ort, der auch in Städten wie London, Berlin oder New York ein anspruchsvolles Barpublikum faszinieren würde, liegt tatsächlich im Verborgenen – Miad. Der Name ist keine süddeutsche Dialektaussprache für „müde“, die Bartender sind hellwach. Er hat auch nichts mit dem „Milwaukee Institute of Art & Design“ zu tun, auch wenn das geschmackvolle Interieur einen hervorragenden Bestandteil der Bar bildet. Nein, Miad steht für Miad Ebrahimi, dem Kopf hinter dieser besonderen und wundervollen Cocktailbar.

Speakeasy ist nicht tot

Irgendwo zwischen Aldi und Dunkin‘ Donuts weht der Grillduft eines Burger-Restaurants aus der Seitengasse der Einkaufsmeile Kaiserstraße. Diesem Duft sollte man folgen und dabei auf eine schmale, abgedunkelte Türe achten. Wer die Ohren spitzt, hört womöglich das dezente Geklimper von Eiswürfeln oder einen behutsamen Murmelpegel aus dem versteckten Speakeasy dringen.

Nach Betätigung der Klingel tritt der Gast in einen lang gezogenen, schlauchartigen Raum. Schwarz ist die dominante Farbe entlang des Tresens und des opulent bestückten Rückbuffets und in der loungigen Nische. Souverän platzieren die Bartender die Gäste entlang des Tresens, wobei gerne alle zusammen rücken, um noch etwas Platz zu schaffen. Die räumliche Nähe zwischen den Gästen ist unmittelbar und wohl auch die Nähe der Geisteshaltung, wenn es um vortreffliche Drinks geht. Zwangsläufig kommt man miteinander ins Gespräch. Viele Gespräche drehen sich um Drinks, Spirituosen und Bargeschehen. Aber auch für ein intimes Date scheint die Bar gut geeignet.

Die Alltags-Welt bleibt draußen

Miad selbst wirkt während des Besuchs als charmanter Gastgeber an der Tür, begrüßt die Gäste überaus freundlich und nimmt die souveräne Platzierung vor. Sobald man am Tresen sitzt, können Bauarbeiten und Alltagstristesse ausgeblendet werden. Man sitzt in einem schwarzen Gemälde als kleiner, menschlicher Leuchtpunkt und blickt gen Flaschenwand. Hinter den Flaschen im Rückbuffet sind Spiegel angebracht und erweitern optisch den ungemein schmalen Raum. Nun sieht man auch die geschmackvollen Tapetenstrukturen hinter sich. Ein wenig Glanz und Glitzer umspielt das Dekor. Sei es ein goldenes Kissen, die Reflexion der samtenen Sitzbänke und Vorhänge oder die güldenen Sprenkler im Steintresen.

Leuchter an der Decke sorgen für eigentümliches Licht am Tresen, das so wirkt, als würde ein unsichtbarer Lichtvorhang die Gäste von den Bartendern trennen. Dieser optische Effekt ist eine bemerkenswerte Inszenierung. Er trennt die Bühne vom Publikum und vereint sie zugleich.

Konzentriert und akribisch bereitet Bartender Niklas seine Drinks und berät jeden Gast mit großer Sorgfalt und hingebungsvoller Konzentration. Präzise trifft er den Geschmack seiner Ansprechpartner, was man am glücklichen Leuchten der Augen und begeistertem Nicken auf die Frage erkennt, ob es denn schmeckt. Tadellos beherrscht das Barteam die Klassiker rings um Whiskey Sour, Gin Basil Smash und Sazerac. Ein kraftvoller und alkoholstarker Drink aus der Prä-Prohibitionszeit passt perfekt in den Stil des Hauses. Aber auch selbst gemachte Sirups und Infusionen und marktfrische saisonale Zutaten sorgen für spontane Drinks des Tages.

Die Bar-Stadt Karlsruhe ist einfach symbadisch

Barflys, die in dem Dreieck zwischen Heidelberg, Stuttgart und Freiburg unterwegs sind, sollten unbedingt einen Abstecher in die badische Barockstadt unternehmen. Für eine Stadt mit 300.000 Einwohnern verfügt Karlsruhe über eine herausragende Barkultur. Zumal mit einer sehr kollegialen und sympathischen Atmosphäre. In jeder Bar empfehlen die Bartender gerne die nächste Cocktail-Anlaufstelle, und so trinkt man vorzüglich im Kofferraum, dem Urgestein der Karlsruher Cocktail-Kreativität, aber auch im Carlos oder Santo‘s Cocktailbar, dem neuen Guts ’n‘ Glory und seit einem Jahr auch im Miad, bei Miad. Mögen noch viele Jahre und unzählige Drinks folgen.

Miad Bar

Waldstraße 30, D-76133 Karlsruhe

S Europaplatz

Mo – Do 20.01- 02.00 Uhr; Fr – Sa 20.01- 03.00Uhr

Kartenzahlung: Nein

Rauchen: Ja

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Photo credit: Foto via Miad Bar

Ein Kommentar

  1. Alex

    Danke an Miad für seinen unermüdlichen Einsatz für die Karlsruher Barkultur. Du hast der Stadt deinen Stempel aufgedrückt!

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