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Ein Portrait. MIXOLOGY ONLINE im Gespräch mit Christina Schneider.

Porträts 9.8.2012 2 comments

Christina Schneider hat sich in kürzester Zeit einen erstklassigen Ruf als Bartenderin erarbeitet. Sie versteht es nicht nur Cocktails zu kreieren, sondern ist mit Managementfähigkeiten hervorgetreten. Daher leitete sie bereits mehrere Bars. Auch als Verkosterin für MIXOLOGY, Magazin für Barkultur tritt sie immer wieder in Erscheinung. In der Szene gilt Christina Schneider als meinungsstarke Persönlichkeit mit eigenem Kopf.

Wie kamst du das erste Mal mit der Welt der Bars in Berührung?

Meine Gastronomiekarriere begann 2000, zwischen meiner Ausbildung als Pferdewirtin und meinem Mathematikstudium. Ich musste für das neue Leben ein bisschen Knete verdienen und hatte noch ein halbes Jahr Zeit. Also habe ich mir einen Job als „Buffetkraft“ gesucht und bin in der Klostergaststätte Marienstadt gelandet – die härteste Schule, die man sich vorstellen kann, vor allem was die Bedeutung von Mise en Place angeht. Jedes Wochenende haben Unmengen von Reisebussen noch viel mehr Senioren ausgespuckt, die zu Hunderten gleichzeitig ihr Kännchen Kaffee, ihr Stück Schwarzwälder und natürlich auch ihre Rechnung haben wollten. Rock ’n´ Roll sag ich Euch! Mit dieser Nahkampfausbildung im Gepäck bin ich dann nach Saarbrücken und hab natürlich immer während des Studiums gejobbt, meist 2-3 Jobs gleichzeitig und eigentlich auch von Anfang an in Bars.

Die Erste war ein ganz gruseliger Tex-Mex-Happy-Hour-Schuppen (beste Grüße ans Coyote Café an dieser Stelle), in dem man sich im bauchfreien, engen T-Shirt ständig besoffene Grapscher vom Leib halten musste. Danach wurde es dann sehr schnell sehr viel besser mit den Bars, aber die glorreichen Anfänge erzähl ich immer wieder gerne. Ich werde jetzt auch nicht jede Bar aufzählen in der ich war, sondern mich auf die wichtigsten beschränken. Meine letzte Station in Saarbrücken war die Leitung des “Home”, einer schnuckeligen kleinen Bar, in der ich insgesamt fast 4 Jahre war.Im Januar 2009 ging’s dann nach Berlin in die Marlene Bar. Da habe ich dann eine Horde wunderbarer, großartiger Barfrauen kennen gelernt, die einfach mal alle Typen locker in die Tasche gesteckt haben. Dann war ich ca. ein Jahr lang in der Shochu Bar und seit September 2010 war ich die Bar Managerin der envy Bar im nhow Hotel.

Was ist dein beruflicher Werdegang als Bartender?

  • 01.01.2005 – 30.06.2005       Betriebsleiterin / Barchefin Aramis, Saarlouis (Neueröffnung)
  • 01.07.2005  – 31.12.2008       Bartender / stellvertretende  Barchefin Amadeus, Saarbrücken
  • 01.01.2008 – 31.12.08            Barchefin Cocktailbar Home, Saarbrücken (Wiedereröffnung)
  • 01.01.2009 – 30.09.09            Demichef de Bar, Marlene Bar, Hotel Intercontinental Berlin
  • 01.10.2009 – 31.08.2010        Stellvertretende Barchefin Shochu Bar Berlin
  • seit 01.09.2010                         Bar Manager envybar, nhow Hotel Berlin (Neueröffnung)

Für was interessiert du dich außerhalb der Arbeit hinter der Bar? Hast du Hobbies?

Naja, ich würde sagen hier sind die Übergänge fließend. Spirituosen sind mein Hobby, aber auch mein Job. Die meisten Bücher, die ich lese, ebenso. Ich bin ein absoluter Film-Fan, am liebsten in der Originalfassung, weil es meinen englischen Wortschatz verbessert – und das ist wiederum wichtig für meine Arbeit.

Das Einzige, was ich wohl nur für mich mache, ist laufen.

Was ist dein Lieblings-Cocktail?

Oh, das ist schwierig. Hier würde ich drei  Definitionen von Lieblingscocktail unterscheiden:

a)      Trink ich zurzeit am liebsten:  Punt e Mes mit Tonic Water.

b)      Verkaufe ich am liebsten:  Old Cuban, vor allem im Sommer der perfekte Drink für fast jeden.

c)       Der All-time-favorite: Manhattan und Ti Punch

Was ist deine Lieblingsbar?

Auch hier könnte ich nicht nur eine nennen. Am meisten gefallen hat mir wohl zuletzt die Bar Reichenbach.

Was ist dein Lieblings-Club/Dive Bar/Kneipe?

Booze Bar, wenn mir nach nem Schwätzchen ist, Bellmann’s wenn nicht.

Hast du Vorbilder im Barbereich, wenn ja welche?

Vorbilder im Sinne von „so sein wollen wie…“ habe ich keine, Menschen die ich in dem Business bewundere dafür aber einige, wie z.B. Gonçalo Sousa Monteiro für sein Wissen um Drinks und die Art und Weise wie er sich mit ihnen auseinandersetzt, Bastian Heuser für seine weise Ausstrahlung und seine Integrität , Stefan Hinz für seine Disziplin und sein Arbeitspensum, Mario Kappes für seine unerreichten Gastgeberqualitäten, Oliver Ebert für seine präzise, unprätentiöse Arbeitstechnik, Ricardo Albrecht für seine Schnapsauswahl, und, und, und…

Von welchen Bartendern würdest du dir blind einen Cocktail mixen lassen?

Endlich mal eine einfache Frage! Gonçalo Sousa Monteiro.

In welcher Situation würdest du eine Bar sofort verlassen?

Wenn mir der Bartender über den Tresen Rauch ins Gesicht bläst (schon geschehen).

Was steht in Deinem Traum-Speed-Rack?

Ausgehend von einer Welt, in der Geld keine Rolle spielt:

Worauf hast du dich spezialisiert, was kannst du besonders gut an der Bar?

Hm, ich kann sehr gut über Schnaps reden, also sage ich mal Mitarbeiterschulungen. Und so unglamourös das auch klingen mag, meine größten Stärken sind wohl meine „Managing skills“, also organisieren und dafür sorgen, dass alle ruhig schlafen, weil sie wissen, dass es läuft.

Platzierungen bei Cocktail- oder Bartender-Competitions?

Wo siehst du dich in 10 Jahren?

Ich glaube nicht an Pläne sondern an das Nutzen von Chancen und das Ergreifen von Gelegenheiten.

Vielen Dank für das Gespräch.

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