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Bier, Bars & Brauer #1

Willkommen zurück zu einem weiteren Jahr mit Bier, Bars & Brauer! Über Weihnachten wurde erneut ein Londoner Craft-Projekt verkauft, die Münchener von Giesinger Bräu wollen Geld und kriegen es geliehen, Bayreuth bekommt ein neues Braugasthaus und Berlin bereitet sich auf einen heißen Winter vor.

Zunächst einmal ein fröhliches, neues Jahr! Ein Jahr, in dem die deutsche Bierwelt sich einigen Umwälzungen gegenüber sieht. Nicht nur steht der Geburtstag des Reinheitsgebotes an, auch das gestiegene Interesse der internationalen Craft-Brauereien am heimischen Markt dürfte die Diskussion weiter anheizen. Betrachtet man zudem das Wachstum so ziemlich aller Bierprojekte der vergangenen Jahre, bleibt eigentlich nur eine Prognose übrig: Das wird ein heißer Tanz! Dann mal ab auf’s Parkett:

Anheuser Bush-InBev legt sich Camden Town unter den Weihnachtsbaum

Auch internationale Getränkeriesen können halt mal dem vorweihnachtlichen Shoppingwahn verfallen. Und was sind nach rund 90 Milliarden US-Dollar für SAB-Miller schon weitere 100 Millionen (geschätzt) für Camden Town? Damit erweitert der Biermulti sein Spezialitätensegment, welches bisher hauptsächlich durch Goose Island, Blue Moon, Shock Top und die Biere der Craft Beer Alliance (Redhook, Kona, Widmers) getragen wurde. Der erwartungsgemäß eintrudelnden Flut negativer Reaktionen von Fans der Nord-Londoner Craft-Brauerei versuchte sich Camden Town-Mitbegründer Jasper Cuppaidge auf Twitter entgegen zu stellen.

Für den Aufbau einer neuen Brauerei und den Einstieg in den internationalen Vertrieb brauche man einen starken Partner mit entsprechenden Netzwerken, so Cuppaidge. BrewDogs-Macher James Watt verkündete umgehend, daß die Bierbars des schottischen Brauers Camden Town-Biere nun nicht mehr ausschenken würden.

Im bald eröffnenden BrewDog Berlin, dessen Eröffnung in den ersten Monaten des neuen Jahres erfolgen soll, werden Bierfreunde also nicht in den Genuss von Camden-Bieren kommen, allerdings sollten über AB-InBev andere Mittel und Wege zur Verfügung stehen. Und dann mag jeder selbst entscheiden, ob der Geschmack von Camden Town das Geld wert war.

Giesinger München macht Crowdlending statt Crowdfunding

Im Jahr 2006 als Garagenbrauerei gegründet, ist Giesinger Bräu kann sowohl als eine traditionelle Münchener Stadtteilbrauerei als auch eine moderne Brauerei im Craft-Sinne gelten, wie die Bierschmiede mit Spezialsuden wie einem Baltic Rye Porter, einem Doppel-Alt oder ihrem Lemondrop Tripel unter Beweis stellt – und nun auch erfolgreich mit einem Crowdfunding-Modell unterstreicht. Doch halt, Crowdlending soll es diesmal sein! Der Unterschied?

Bei Crowdlending leiht man der Firma einen Betrag für eine gewisse Zeit (10 Jahre in diesem Fall) und erhält jährlich einen zuvor festgesetzten Zinssatz, hier 8%, ähnlich einer Risikoanlage. Der Nachteil besteht natürlich darin, dass man bei größerem Wachstum nicht vermehrt am Gewinn beteiligt wird, bei Misserfolg aber weiterhin das volle Risiko trägt. Dennoch hat Giesinger die gesetzte Schwelle von € 553.800 bereits geknackt, das stets volle Gasthaus in Giesing  verspricht Investoren Sicherheit, dass Giesinger auch weiterhin wachsen wird und auch die deutschlandweite Verfügbarkeit steigt durch langsam steigendes Interesse bei Vertrieblern. Wir sind gespannt.

Berliner Bierfestivals im Winter

Das Berlin gern auch Bierhauptstadt sein möchte, ist bekannt. Bier- und brauereitechnisch gibt es da allerdings noch einiges aufzuholen, also macht die Spreestadt erstmal das, was sie am besten kann: Party.

Und weil es sich im Winter draußen nicht so gut feiern und trinken lässt, wird die kalte Jahreszeit mit Indoor-Bierfestivals geschmückt und überbrückt. Die Rückkehr des extrem gut besuchten „Wurst&Bier“ in der Marthalle Neun in Berlin Kreuzberg ist dabei keine große Überraschung. Am 7. Februar 2016 wird einmal mehr das wohl deutscheste aller Food Pairings auf ein handwerkliches und nachhaltiges Fundament gestellt, mit kleinen Brauereien und Metzgereien aus ganz Deutschland.

Auch die Grüne Woche (15.-24.1.16) ist jährlich eine gesetzte Größe in der Hauptstadt. Doch der spürbare Bierfokus der Lebensmittelmesse ist erst ein Jahr alt. Es wird spannend zu sehen, ob sich die Grüne Woche einreihen kann in die Liste von wegweisenden Getränkemessen und Bierfestivals wie Brau Beviale, Internorga, Braukunst Live! und Brew Berlin oder ob sie eher dem Charakter eines Hamsterfests treu bleibt, auf dem leidlich interessierte Endkonsumenten sich mit kostenlosen Proben die Taschen vollstopfen.

Den Anfang macht hingegen der Neuling im Bunde: GesundBrewing (8. bis 10. Januar 2016). Das Konzept ist ebenso ungewöhnlich wie einzigartig: Statt in einer Halle stehen die Stände von 15 Berliner Brauereien in einem Pub. Einem sehr großen Pub, wohlgemerkt. Was dem Castle Pub nahe Berlin-Gesundbrunnen sonst eher zum Nachteil gereicht, soll nun in einen Vorteil verwandelt werden und Berliner Bierpilgerern ausreichend Platz bieten, die lokalen Gebräue zu verkosten.

Michael König jetzt bei Maisel & Friends

Bekannt geworden durch seinen Blog neubierig.de und als Produktmanager beim Online-Bierversand bier-deluxe.de, verstärkt Michael König als Biersommelier nun die Craft-Abteilung der Brauerei Gebr. Maisel. Sein hautpsächliches Betätigungsfeld wird die neue Bier-Erlebnisgastronomie „Liebesbier“ sein, ein an die ebenfalls neue 25hl-Brauwerkstatt angegliedertes Restaurant mit 21 Zapfhähnen, Platz für 300 Gäste und der Gelegenheit, den Brauern bei ihren kleinen Suden über die Schulter zu schauen. Die Eröffnung von Versuchsbrauhaus und Gastronomie ist für Februar geplant. Wir wünschen Maisel’s & ihrem neuen Freund gutes Gelingen für Craft Beer in Bayreuth!

Credits

Foto: Artikelbild via Shutterstock

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