cocktails mit ei

FÜNF! Drinks mit Eiern

Drinks 5.4.2015 4 comments

Cocktails mit Ei sind noch immer nicht selbstverständlich. Doch was könnte es zum Ostersonntag Passenderes geben, als einen schönen Cocktail, dessen Rezept nach Ei verlangt? Vorausgesetzt, dass das Osterfrühstück schon einige Zeit zurückliegt, damit Platz für vollmundige, gehaltvolle flüssige Köstlichkeiten vorhanden ist. Wir gönnen uns heute FÜNF! Drinks mit Ei.

In der Redaktion sind wir uns einig: Cocktails mit Ei trifft man nach wie vor viel zu selten an. Denn egal, welchen Teil dieses formschönen Produktes man in einem Drink verarbeitet — das Ergebnis ist immer wieder verblüffend und erstaunlich. Nahezu jeder Sour verwandelt sich durch etwas Eiweiß in einen vollkommen anderen, seidig gebunden Drink, dessen viskose Textur anders nicht zu erreichen ist. Von satten Drinks mit Eigelb gar nicht erst zu sprechen. Hier entsteht eine Cremigkeit, die auf keinem anderen Wege erreicht werden kann. Der Vollständigkeit wollen wir eben anmerken: solange auf frische, saubere Eier zurück gegriffen wird, ist jeder Ei-Drink vollkommen ungefährlich. Aus geschmacklichen wie auch solchen Gründen der political correctness sollten ausschließlich Bio-Eier in den Shaker wandern. Also: Bereit für die zweite Eiersuche des Tages? Bereit für Cocktails mit Ei? Dann los!

1) Beuser & Angus Special 

Würzig. Samtig. Grün. Blumig. Stark. Eine volle Breitseite, die uns Goncalo de Sousa Monteiro aus dem Buck & Breck da um die Ohren und den Gaumen schleudert. Der Beuser & Angus ist nicht nur ein Liebling vieler Bartender, er ist auch ein Geniestreich, nicht nur in Sachen Cocktails mit Ei. Ein Likör als Basis, ein weiterer als Modifier — trotzden ein überaus trockener Eindruck. Dazu das florale Orangenblütenwasser und erfrischende Säure. Alles getragen durch die feine Bindung aus dem Eiklar. Eine Wucht, die außerdem farblich und aromatisch hervorragend zum Osternest auf dem Gabentisch passt.

6 cl Chartreuse Verte
2 BL Maraschino
4 Dashes Orangenblütenwasser
3 cl frischer Limettensaft
½ Eiweiß

Glas: Tumbler
Garnitur: keine

Alle Zutaten im Shaker mischen, mit Eiswürfeln auffüllen und mindestens 30 Sekunden lang kräftig schütteln. Auf frische Eiswürfel ins Glas abseihen.

2) Chocolate Cocktail

Und gleich noch einmal Chartreuse, diesmal in Gelb! Ihnen ist noch nach einem saftigen Dessert? Dann ist das hier genau das Richtige. Zugegeben: der Name ist nicht besonders originell, aber das mag auch an unserer heutigen Perspektive liegen. Als Harry „The Dean“ Johnson den Drink 1882 in seinem „Bartenders‘ Manual“ erschienen ließ, war allerdings bei der Bezeichnung von Cocktail-Neuschöpfungen noch keine derart große Kreativität gefragt wie heute. Leider verschweigt die Rezeptur, welche Sorte Portwein verlangt wird. Im vorliegenden Fall sollte es am besten ein kraftvoller Tawny Port sein, wie er auch im klassischen Porto Flip eingesetzt wird und der hervorragend mit der herben Schokoladigkeit des Drinks harmoniert. Aber Vorsicht: Auf keinen Fall vor dem Essen trinken, sonst ist da kein Platz mehr.

4 cl Chartreuse Jaune
4 cl Portwein
1 BL dunkles, ungesüßtes Kakaopulver
1 Eigelb

Glas: Coupette
Garnitur: geriebene Muskatnuss

Alle Zutaten im Shaker mischen, mit Eiswürfeln auffüllen und mindestens 30 Sekunden lang kräftig schütteln. Ins vorgekühlte Glas abseihen.

3) Ramos Gin Fizz

Eigentlich müssen wir zum Ramos Fizz nichts sagen, denn er steht für sich selbst. Eine Ikone der Mixkunst, ein Referenzdrink, wenn es um Cocktails mit Ei geht – vor allem aber eine jener Rezepturen, die man beim ersten Lesen völlig zu Unrecht in Zweifel zieht: Zitrussaft und Sahne in einem Glas?! Doch, funktioniert. Der Cocktail, der zum Ende des 19. Jahrhunderts in New Orleans das Licht der Barwelt erblickte und der dort zum Mardi Gras, dem Südstaatenkarneval, in gewaltigen Mengen getrunken wird, macht viel Arbeit: um Ei, Sahne und Saft vernünftig zu emulgieren ist ein enormer Aufwand nötig, so dass einem nach der Zubereitung vielleicht die Arme ein wenig schwer werden. Aber zum Ende der Fastenzeit kann man sich das gönnen. Cheers!

6 cl Gin
5 Dashes Orangenblütenwasser
2 cl Zuckersirup
1,5 cl frischer Limettensaft
1,5 cl frischer Zitronensaft
2 cl frische Schlagsahne
1 Eiweiß
Soda

Glas: Fizz/Highball
Garnitur: keine

Alle Zutaten außer Soda und Orangenblütenwasser im Shaker mischen, mit Eiswürfeln auffüllen und mindestens 2 Minuten (im Originalrezept 12 Minuten) lang kräftig schütteln. In das vorgekühlte Fizz-Glas (ersatzweise Highball) abseihen und mit ein wenig Soda toppen. Vorsichtig umrühren und kurz warten. Dann das Orangenblütenwasser auf die Schaumkrone träufeln.

NOCH IMMER DENKEN VIELE MENSCHEN, DASS COCKTAILS MIT EI GEFÄHRLICH SEIN KÖNNEN. WENN DIE EIER FRISCH SIND, IST DIESE ANGST ABER VOLLKOMMEN UNBERECHTIGT.

4) Clyde Common Eggnog

Warum nur eine Portion auf einmal zubereiten? Wenn doch schon gerade alle beisammen sind, bietet sich ein größerer Maßstab geradezu an. Der Eggnog aus der Feder des US-Cocktail-Gurus Jeffrey Morgenthaler scheint wie geeignet als Schlusspunkt für den Osterbrunch, wenn alle schon ziemlich vollgestopft sind. Der Gnadenstoß kommt in Form eines mächtigen Eierpunches, der seine deftige Aromatik aus dem Zusammenspiel von würzig-frischem gereiften Tequila und nussigem Sherry bekommt. Außerdem lässt er sich ausgezeichnet vorbereiten und kühlen. Wer mag, serviert ihn auf Eis, aber auch in einer Coupette, bestreut mit einem Hauch Muskat oder Kakao, wird der Eggnog aus Morgenthalers Bar Clyde Common zum großen Schlusspunkt der Zusammenkunft.

12 ganze Eier
2 Tassen feiner Zucker
1 ½ Tassen Amontillado Sherry
1 ½ Tassen Tequila Añejo
4 ½ Tassen frische Vollmilch
3 Tassen frische Sahne
3 gestrichene TL geriebene Muskatnuss

Im elektrischen Blender zuerst die Eier auf mittlerer Stufe aufschlagen, dann langsam den Zucker einrieseln lassen und weiter vermixen. Nach und nach die weiteren Zutaten, zuletzt die Sahne, angießen, dabei den Blender durchgehend weiterlaufen lassen. Den Eggnog mehrere Stunden kalt stellen und dann servieren.

5) Sloe Gin Silver Fizz

Sloe Gin als derzeitigen Trend zu bezeichnen, wäre wohl ein wenig übermütig. Trotzdem ist es eine erfreuliche Tatsache, dass das ehemalige englische Hausfrauenlikörchen heutzutage wieder in zahlreichen, mitunter beachtlichen Qualitäten erhältlich ist. Da der Sloe Gin doch traditionell gerne als Begleiter zum Nachmittagstee gewählt wird, nehmen wir uns den Sloe Gin Fizz als Compagnon zur nachmittäglichen Kaffeetafel. Ach was: stattdessen, so gut ist er! In Anbetracht der sehr unterschiedlichen Säuerungs- und Süßungsgrade unterschiedlicher Sloe Gins muss bei Zucker und Zitronensaft das Mischungsverhältnis teilweise angepasst werden. Das Ergebnis ist in jedem Fall ein fein gebundener, fruchtiger Fizz, dessen Konsistenz ein wenig an Sorbet erinnert. Eine wahre Freude. Mit Eiern.

6 cl Sloe Gin
3 cl frischer Zitronensaft
1 cl Zuckersirup
1 Eiweiß
Soda

Glas: Fizz/Highball
Garnitur: keine

Alle Zutaten außer Soda im Shaker mischen, mit Eiswürfeln auffüllen und 30 Sekunden lang kräftig schütteln. In das vorgekühlte Fizz-Glas (ersatzweise Highball) abseihen und mit ein wenig Soda toppen. Vorsichtig verrühren.

Photo credit: Huhn mit Ei und Tresen via Shutterstock. Postproduktion: Tim Klöcker.

4 comments

  1. Thomas Domenig

    Ich hatte den Beuser & Angus Special noch mit Crushed Ice und Limetten- + Kirschdeko in Erinnerung?

    • Redaktion

      Werter Thomas,

      diese Variante ist mir wiederum nicht geläufig. Bist Du Dir sicher, dass nach Crushed Ice verlangt wird? Die Kirsche würde ja mit Blick auf den Maraschino noch plausibel erscheinen, aber beim Schöpfer des Drinks dünkt es mir dennoch unwahrscheinlich.

      Vielleicht meldet sich ja Goncalo noch zu Wort.

      Viele Grüße
      Nils Wrage

  2. domenig

    Hallo Nils,

    So habe ich’s zumindest im le Lion gelernt. Müsste man tatsächlich mal Goncalo fragen.

    MbG, Thomas Domenig.

  3. WILLI

    Ohne Herrn de Sousa Monteiro zuvorzukommen wollen:
    Der Beitrag auf oh gosh untermauert Herrn Domenig’s Aussage auf jeden Fall.
    http://ohgo.sh/archive/beuser-angus-special-cocktail/

    Zwischen den Rezepten gibt es aber Unterschiede hinsichtlich der Mengenangaben.
    Ich werde beide mal testen.
    Danke für den Beitrag.

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