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Interview mit John Campbell – Destillerie Manager Laphroaig

John Campbell, Destillerie-Manager bei Laphroaig, beschriftete am Anfang seiner Karriere noch Fässer. Vorletzte Woche feierte er sein 20-jähriges Jubiläum beim schottischen Whiskyhersteller. Heute sitzen wir mit ihm zur Eröffnung der neuen Laphroaig Lounge im Berliner The Grand. Was seinen Whisky einzigartig macht und welches Foodpairing er empfiehlt, erfahren wir in unserem Interview.
John, Dein erster Job war Fischer. Wie verlief Dein Weg von dort in die Spirituosenindustrie?
Damals als Fischer habe ich auch meine jetzige Frau kennengelernt. Irgendwann haben wir uns dazu entschieden, ein Darlehen aufzunehmen. Das Problem ist: als Fischer verdienst du in den Sommermonaten sehr gut, aber im Winter hängst du einfach nur herum. Also habe ich mich dazu entschieden, eine reguläre Beschäftigung zu suchen. Das war 1994.
Laphroaig war bei uns in der Gegend die größte Brennerei und ich habe mich einfach beworben. Glücklicherweise haben sie mich eingestellt. Am Anfang habe ich noch Fässer beschriftet, war aber immer bereit für mehr. Ich habe so ziemlich alle Jobs in der Destilliere gemacht, bis ich schließlich 1999 zum Assistant-Manager befördert wurde. Und dann 2006 zum Destillerie-Manager. Am 14. November 2014 hatte ich mein 20-jähriges Jubiläum bei Laphroaig.
An ein paar Schluck Alkohol kommst Du als Destilliere-Manager wahrscheinlich nicht vorbei. Was machst Du für einen ausgeglichen Lebensstil?
Um ehrlich zu sein, benutze ich am meisten meine Nase und trinke gar nicht so viel. Wenn du neue Rezepte aussuchst oder neue Abfüllungen kreierst, würdest du keinen ganzen Tag schaffen, wenn du durchgehend probierst. Du musst deine Nase benutzen, um die Aromen zu erkennen. Es ist gar nicht so schwer wenn du weißt, welche Komposition du suchst, also wie der Whisky schmecken soll und dann nach den passenden Noten riechst.
Genauso wenn ich unterwegs bin: Bei sechs oder sieben Tastings am Tag darfst du immer nur kleine Mengen trinken, dazu viel Wasser. Du schaffst nicht die gleiche Menge wie die anderen. Andernfalls würdest du nicht mehr imstande sein, deine Marke oder dich selbst zu repräsentieren. Man muss vorsichtig bleiben.
Erzähl uns etwas über Laphroaig, was unsere Leser nicht wissen.
Gute Frage. Es gibt so vieles, was die Leute schon über Laphroaig wissen. Es gibt über hundert Destillieren in Schottland. Aber nur eine Handvoll davon füllen noch selber ab. So wie wir. Warum Laphroaig anders schmeckt als die anderen, liegt zum Beispiel an unserem „cold-smoke“-Verfahren. Laphroaig ist die einzige Destillerie, die ihre Flaschen vor der Abfüllung kalt räuchert. Das kriegt man sonst bei keinem anderen Produzenten. Das ist definitiv einer der Umstände, die unser Produkt einzigartig machen. Ich denke, das ist vielleicht etwas, was die meisten Leute bisher nicht wussten.
Was hältst Du von Laphroaig in einem Cocktail?
Es gibt viele Leute, die Laphroaig in Cocktails trinken. Bartender lieben unser Produkt, weil es eine Herausforderung ist. Ein Klassiker ist – ganz klar – der Penicillin. Der Smokey Martini ist auch sehr populär. Dabei gibt es wirklich viele verschiedene Laphroaig-Drinks. Einige Bartender benutzen ihn auch zum Aromatisieren in kleinen Sprühflaschen.
In St. Louis habe ich einen Laphroaig-Mojito getrunken. Ich war mir erst nicht sicher ob ich ihn probieren sollte, aber am Ende war er wirklich gut. Sie haben das klassische Rezept benutzt und einfach den Rum durch Laphroaig ersetzt. Wichtig hierbei ist allerdings ein Zuckerrand am Glas, sonst kommt der Drink zu bitter.
Die Bartender durchbrechen ihre Grenzen immer wieder aufs Neue, eine großartige Sache! Es ist, einfach gesagt, immer wieder der Start einer neuen Reise. Und dabei hat jeder seine eigene.
Wie denkst du über eine mögliche Laphroaig-Competition ?
Das ist nicht meine Sache, darum kümmert sich unsere Marketing-Abteilung. Aber ich würde so etwas auf jeden Fall unterstützen. Eine wichtige Sache dabei ist immer die Leidenschaft. Die Leute an der Bar sind sehr kreativ, sie lieben was sie tun. So etwas muss man doch unbedingt unterstützen.
Und zum Thema Foodpairing?
Wir leben in einer sehr geschmacksübergreifenden Kultur. Die Leute lieben Geschmackserlebnisse, ganz gleich ob es dabei um Getränke oder Essen geht. Das leben wir auch mit unserem Whiskydinner. Laphroaig funktioniert mit vielen verschiedenen Begleitern. Es kommt natürlich immer darauf an welche Abfüllung man bevorzugt. Ebenso Zigarrenabende. Es gibt viele Geschmackserlebnisse mit Whisky. Wir versuchen stets, dran zu bleiben.
Gib mir einen Laphroaig und ich gebe dir einen perfect Match. Der Zehnjährige funktioniert wunderbar mit Blauschimmelkäse. Mit einer Zigarre würde ich den 18-jährigen empfehlen, er bringt die richtige Viskosität. Oder auch den PX Cask. Beim 18-jährigen funktioniert außerdem Schokolade hervorragend, da die Abfüllung eher in die süße Richtung geht. Der Triple Wood harmoniert ausgezeichnet mit Fleisch. Aber am allerbesten: probiere es selbst. Hier wartet eine ganz eigene Reise.
Was erwartest Du von der neuen Laphroaig Lounge hier in Berlin?
Wir haben ebenfalls eine Lounge in unserer Destillerie. Hier in Berlin wollten wir ein Stück von Islay erschaffen. Wir haben eine in Stockholm und eben mittlerweise zwei in Berlin. Diese hier und eine in Schöneberg in einem Whisky Store von Werner Hertwig. Wenn wir die Leute nicht nach Islay holen können, „bringen“ wir Islay eben zu den Leuten.
In Zukunft wollen wir die Lounges vor allem für Tastings nutzen. Man kann sich aber auch regulär an einem entspannten Abend hier zurückziehen und ein Gläschen genießen. Hoffentlich können wir hier ein paar Sammlerstücke ausstellen. Oder Abfüllungen, die sonst nicht erhältlich sind.

MIXOLOGY ONLINE bedankt sich für das Gespräch.
 

Credits

Foto: John Campbell via Laphroaig

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