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Das Phänomen Tiki, Cocktail-Karten im Museum

Wie sich Nachkriegs-Amerika das Paradies erträumte, zeigt ein Hamburger noch bis September in Paris. „Tiki Pop“ stellt aber nicht nur rare Bar-Devotionalien aus, sondern stellt die Zusammenhänge mit Literatur und vor allem Filmen her. Einen offiziellen Drink zur Schau gibt es obendrein.
Sven Kirsten kennt sich aus mit Pop-Kultur. Sein Vater war Mitbegründer des Plattenlabels Europa, mit dessen Hörspielen Generationen von Jugendlichen aufwuchsen. Der heute 59-jährige Filmemacher und Kameramann („Der Venusmörder“, „Die heilige Hure“) hat in seiner Wahlheimat Los Angeles aber auch begonnen, die verlorenen Artefakte der Tiki-Kultur aufzuspüren. „Dort, wo die Palmen neben Bars am höchsten waren“, versprach seine Art der urbanen Archäologie die besten Ergebnisse. Denn dann wurden die Bäume schon in den 1950ern gepflanzt, als Tiki der Trend schlechthin war. In den Abstellräumen der Lokale wurde er fündig und sicherte die Relikte im Zeichen des Halbgottes Tiki, einer Art polynesischen Prometheus.
Ein Zombie für Kubrick
Was mit der Dokumentation in seinen Büchern „Tiki Modern“ bzw. „The Book of Tiki“ (beide Taschen Verlag) begann, erreicht nun mit „Tiki Pop“ einen Höhepunkt. Im Musée du Quai Branly gleich neben dem Eiffelturm präsentiert Kirsten als Kurator bis 28. September 2014 die gut 15 Jahre währende Obsession der Amerikaner mit dem pazifischen Inselleben. Dass Stanley Kubrick die Idee zu „2001 – Odyssee im Weltraum“ in einer Tiki-Bar hatte und Elvis Presley ein ganzes Graceland-Zimmer inklusive künstlichem Wasserfall seiner „Hawaii-Phase“ widmete, sind nette Anekdoten. Spannender ist der soziologische Zusammenhang, den die Ausstellung herstellt. Anhand von Objekten wird nachvollziehbar, wie mit längerer Inkubationszeit nach der Entdeckung der Pazifik-Inseln, geschildert bei Herman Melville und Pierre Loti, in den 1950er die Sehnsucht nach einem friedlichen Bambus-Ort voller Ukulele-Klängen einsetzte.
Trader Vic’s Menü
Hollywood sprang auf den Trend erst auf, der nach dem Inselkrieg gegen die Japaner ein positives Pazifikbild transportierte. Hawaii als neuer Bundesstaat brachte das polynesische Erbe auch buchstäblich in die USA. Dazu gehörten auch die tropisch gestalteten Drive in-Bars mit „Zombie“, „Cannibal Bowl“ und „Mai Tai“. Neben dem originalen Mai Tai-Raum nimmt die Bar als Kontrollraum der Pazifik-Sehnsucht breiten Raum bei den Exponaten in Paris ein: Barkarten aus Trader Vic’s Outrigger, dem Cannibal Room (Fort Worth) oder dem Tropics (Beverly Hills), wo Hollywoodgrößen und ihre Lieblingsdrinks gelistet waren, liegen auf.
Wer es nicht nach Paris schafft, erhält im zweisprachigen Katalog „Tiki Pop“ des Taschen-Verlags einen umfassenden Eindruck von der kurzlebigen Eskapismus-Phantasie vor dem Vietnam-Krieg. Eine DVD für rund 15 € sowie eine Sonderbroschüreum etwa 10 €sind lediglich im Museumsshop des Musée du Quai Branly erhältlich. Gemeinsam mit der Tiki Lounge (Rue de la Fontaine au Roi 26) hat man auch einen „offiziellen“ Cocktail zur Ausstellung kreiert. Im Mai Tai-Room wird er leider nicht serviert, obwohl das Ambiente stimmen würde.

Purple Breeze

Zutaten

5 cl Gosling’s Black Seal 40
5 cl frisch gepresster Orangensaft
1,5 cl Hibiskus-Sirup*
2 cl frischer Limetten-Saft
Old Jamaica Ginger Beer

Zubereitung

Alle Zutaten in einen Shaker geben und mit Eiswürfeln 20-30 Sekunden (20-30 mal) kräftig schütteln. Den Cocktail in den vorgekühlten Tiki-Becher abseihen. Mit Ginger Beer auffüllen.
* Für den Hibiskus-Sirup 50 Gramm braunen Zucker mit einem halben Liter Wasser aufkochen. Ist der Zucker völlig aufgelöst, 25 Gramm getrockneten Hibiskus zugeben und zugedeckt noch ein paar Minuten kochen lassen. Herd abschalten und eine Stunde abkühlen lassen. Anschließend in eine Flasche abseihen.

Glas

Tiki-Becher

Garnitur

Zwei Strohhalme, Ananas und eine Scheibe Orange mit Schirmchen

Comments (1)

  • Wolfgang

    Den im obigen Artikel angeführten Link OHNE *.HTML schreiben. Sonst landet man nirgendwo :((
    LG, wm

    reply

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