alaska cocktail

Der Alaska Cocktail hat ein Revival verdient

Drinks 1.11.2017

Er ist selten auf Bar-Karten zu finden. Dabei überzeugen wenige Cocktails mit nur drei Komponenten auf den ersten Sip so wie der Alaska Cocktail.Warum es sich lohnt, diesen vergessenen Klassiker wieder zu entdecken, erklärt Gonçalo de Sousa Monteiro aus dem Buck & Breck.

Alaska. Das ist unberührte, der Menschenhand zum Großteil entkommene Wildnis, die mit ihren reißenden Flüssen, kargen Gipfeln, artenreicher Flora und Fauna und ihrer ausgeprägten Tierwelt einen Naturreichtum aufweist wie wohl kein anderer Bundesstaat der USA. Heimat der Inuit, möchte man sich noch heute fragen, wie sehr Putin und Chruschtschow es wohl bedauerten, dass das ehemalige, russische Staatsgebiet dem Erzfeind aufgrund finanzieller Engpässe Ende des 19. Jahrhunderts verkauft worden war. Shit happens oder eben auch: дерьмо

Aber mal ehrlich, dann hört es doch auch schon auf mit den Alaska-Mythen, oder? Nicht ganz. Ein Blick in die große Bar-Literatur gibt Hinweise, dass es da einst einen dieser Klassiker gab, der nie richtig zum Klassiker wurden, der den Namen eben dieses amerikanischen Bundesstaates trug. Im Savoy Cocktail Book zuerst Erwähnung findend, ist der Alaska Cocktail nicht mehr als ein bekannter Unbekannter, über den es wenig Konkretes und viel Nebel gibt.

Alaska Cocktail als Martini-Variation – und doch anders

„So far as can be ascertained this delectable potion is NOT the staple diet of the Esquimaux. It was probably first thought of in South Carolina hence it’s name.“

Während weder die Inuit Namensgeber des Drinks gewesen sein dürften, spricht anlässlich der weiteren Fakten und der eigentlichen Zusammensetzung des Alaska Cocktail auch nichts für einen Ursprung in den amerikanischen Südstaaten. Vielleicht aber – möglich wäre es – konnte der Alaska Cocktail niemals einen Strahl des Scheinwerfer-Kegels, der auf sein Vorbild, den Martini, traf, für sich in Anspruch nehmen – und verblasste so gänzlich im Hintergrund.

Nichts anderes als ein Twist auf den großen Martini ist er nämlich. In seiner aus drei Komponenten zusammengesetzten Rezeptur, besteht der Alaska Cocktail aus Gin, Chartreuse Jaune und Orange Bitters. Auf Eis gerührt und zubereitet, ist der Drink ein sich in das Zeitbild einreihender Cocktail aus stark alkoholischen Komponenten – und doch nuanciert.

Die Heilige Dreifaltigkeit des Alaska Cocktails

Getreu dem Motto des „Keep it sweet and simple“, verbindet sich die kräftige Wachholder-Note in Verbindung mit anderen, im Gin sorgfältig destillierten Botanicals mit der süßlich-herben Aromatik des Chartreuse Jaune, der im Gegensatz zu dem sich deutlich größerer Beliebtheit erfreuenden Chartreuse Vert eine etwas sanftere, dennoch nicht minder herbe Note mitbringt. Abgerundet mit den floral-leicht wirkenden Orange Bitters, ist der Drink ein weiteres Musterbeispiel dafür, dass weniger oftmals mehr ist.

Zwar findet man ihn nicht selten auf Bar-Menüs in diesen Breiten, wenn er jedoch auftaucht, dann nicht selten in teuflisch abgewandelter Form, wie etwa das Buck & Breck eindrucksvoll unter Beweis stellt. „Kennengelernt habe ich den Alaska Cocktail bei der Menü-Besprechung in Vorbereitung zur Eröffnung der Victoria Bar im Jahr 2001. Er wurde damals nicht häufig bestellt und die Rezeptur erschien uns auch sehr altmodisch – zu schwer und süß für die zeitgemäßen Geschmäcker. So verschwand er erst einmal von der Karte“, erinnert sich Buck & Breck-Macher Gonçalo de Sousa Monteiro.

Alaska Cocktail: Revitalizing Renaissance

Doch kaum fünf, sechs Jahre nach der Jahrtausendwende erfreute sich Chartreuse urplötzlich wieder größer werdender Beliebtheit, und avancierte langsam, aber sicher auch zu einem der heimlichen Lieblingsliköre vieler Bartender. Damals jedoch konzentrierte sich der Hype eher auf die grüne Chartreuse. Generell rechtfertigt Monteiro die Wiederauferstehung des ältesten Liköres der Welt auch mit den lancierten Sondereditionen wie dem V.E.P. 1605 oder der von ihm persönlich sehr geschätzten Sonderabfüllung Meilleurs Ouvriers de France Sommeliers, MOFS.

„Der MOFS basiert auf der Jaune, ist mit 45% Vol. stärker und weitaus trockener, sprich weniger süß. Auch die Aromatik ist feiner ausgebildet. Somit dient er perfekt dazu, den in Erinnerung gehaltenen Alaska Cocktail um seinen prägenden Baustein herum neu auszudenken“, so Monteiro, dem die älteste bekannte Erwähnung des Cocktails in Jacques Straubs „Drinks“ von 1914 bekannt ist. Und auch hier ist nicht erwähnt, was dem Drink seinen Namen verschaffte.

Gin und die Kräuter der Chartreuse

Und doch ist – zumindest nach diesem Text – ja eigentlich glasklar, woher der Alaska seinen Namen nimmt, nicht wahr? Die raubeinige und harte, kältezehrende und mächtige Wildnis Alaskas im Gin, die Aulese der Natur in Form der Kräuter, Wiesen und 100%-igen, organischen Produkten im Chartreuse und ja, das Frische-Bouqet der vielleicht saubersten Luft der Welt als Duftnote in Form der Bitters.

Ein Drink, der verbindet. Und wer weiß, vielleicht hätten Zar Alexander II. und der damalige, US-amerikanische Außenminister William H. Seward ja einst auch die Unterschrift und das neugewonnene Staatsgebiet damit begossen, hätte es diesen wahrlich meisterlichen Drink nur 1867 schon gegeben… Na zda rovje!

 

Alaska Cocktail

Adaptiert nach Gonçalo de Sousa Monteiro

Rezept

5,5 cl Gin mit 41,2°
0,8 cl Chartreuse MOFS
0,2 cl Orange Bitters


Zubereitung

Die Zutaten im Rührglas auf Eiswürfeln gründlich kaltrühren und auf einen Eisblock in das vorgekühlte Glas abseihen. Mit einer Orangenzeste parfümieren, diese aber nicht mit ins Glas geben.

Glas

Tumbler

Garnitur

keine

Photo credit: Tim Klöcker

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