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Weisser Biercocktail-Zauber aus dem Becketts Kopf: Der B.White

Mit dem Biercocktail B.White setzt das Team um Oliver Ebert im Becketts Kopf die Berliner Weiße gekonnt in Szene. Die Renaissance des Weißbier-Stils aufgreifend, reiht sich der Drink nahtlos ein in das Konzept der Bar zur Verfeinerung der Sinne, die bekannt ist für ihre außergewöhnlichen Variationen vergessener Klassiker.

Nein, ich bin wahrlich nicht der größte Fan von Bier und Biercocktails. Und das in dieser doch gerade so spannenden Zeit des Vormarsches auf diesem Sektor. Asche auf mein Haupt, ich weiß! Oftmals bin ich – das ist das eigentlich merkwürdige – bei einem Bier in der Auswahl deutlich unkomplizierter und leidenschaftsloser als bei der Suche nach einem Biercocktail. Woran das liegt? Kennen Sie viele bekannte Biercocktail-Klassiker? Nein?!

Biercocktail oder Flasche Bier?!

Wahrlich ist es oft nicht einfach, eine gute Harmonie aus den stark alkoholischen Komponenten der Spirituose mit dem im Charakter an Malz- und/oder Hopfennoten reichen Bier zu kreieren. Denn Bier ist in seiner Form sehr penetrant. Es übertüncht die Grundnote des Drinks, es reibt sich regelrecht an ihm. Bier ist direkt und wenig subtil, ein Drink im besten Fall angenehm ausgewogen und im Fokus auf bestimmte Ingredienzen wohl dosiert. Dass Spirituose und Bier grundsätzlich harmonieren können, ist allerdings keine Neuheit, schaut man auf das berühmte Herrengedeck, das in der Historie tief verwurzelt ist. Nur heißt das im Umkehrschluss, dass die Kombination nur getrennt voneinander funktionieren kann? Mitnichten!

Berliner Weiße tanzt im Biercocktail

Das Team um Oliver Ebert in dem für außergewöhnliche Spirituosen und ihre Verwendung in verblassten Cocktail-Klassikern bekannten Bar Becketts Kopf haben einen fantastischen Ansatz für die gelungene Melange gefunden. Die Revitalisierung der Berliner Weiße hilft ihnen dabei!

Berliner Weiße? Wer dabei in Reminiszenzen an den grauen Alt-Berliner Chic schwelgt und sich der klebrig süßlichen Variationen mit Himbeer- und Waldmeistersirup entsinnt, dem mag man seine Skepsis nicht verübeln. Gesagt und erwähnt sei jedoch an dieser Stelle, dass die Berliner Weiße gerade auch aufgrund der in der Region verankerten Tradition eine Art Renaissance erlebt. Immer mehr renommierte Brauer und Braukollektive nehmen sich ihr an und kreieren spannende, aus unterschiedlichen Hopfen bestehende Sorten, die ihm Charakter jedoch die originale, säuerlich-leichte Rezeptur der Berliner Weiße bewahren.

Berliner Weiße zwischen Alt und Neu

Mit seiner strohgelben Farbe und Anklängen von Holunder ist Marlene Schneeeule spritzig-perlig und gut säuerlich – ein bisschen wie der Champagner Berlins. „Mit dem Sierra Nevada Pale Ale, das wir sonst führen, funktionierte der Drink nicht, die hierzulande erhältlichen belgischen Lambics oder Geuze waren es auch nicht, von den erhältlichen Weißen gar nicht zu reden… Aber mit der Berliner Weiße von Schneeeule hatten wir ein perfektes Bier gefunden, das geschmacklich auch den Schwerpunkt setzen konnte“, so Oliver Ebert.

Anstatt mit ihm eine neue Richtung einzuschlagen, spielt das Becketts Kopf-Team gewollt mit Klischees und Vorurteilen, verbindet die Berliner Weiße im B.White mit einem selbstgemachten Waldmeistersirup, der eine kräuterliche Süße mitbringt und dadurch den säuerlichen Charakter des Bieres kontert. Der Sirup funktioniert zum Zweiten aber auch als Brücke hin zu den anderen Komponenten des Biercocktails. Mit einer wohldosierten Menge an frisch gepresstem Zitronensaft werden die frisch-fruchtigen Noten der Schneeeule unterstützt. Die Verwendung von Burlesque Bitters gibt der Kreation die nötige Würze mit und stimmt sie perfekt ab.

B.White, ein Biercocktail mit starkem Unterbau

Der eigentliche Clou ist jedoch die Spirituose. Sie greift nicht nur das moderne Herrengedeck auf, sie ist dem Profil des Bieres ferner als alles andere. Mit einem kräftig-wummsigen Old Bardstown Bourbon 90 Proof funktioniert die Spirituose im Drink als Bassline, die die restlichen Zutaten miteinander vereint und trotzdem nicht untergeht.

Der B.White ist alles, was man sich von einem Drink nur wünschen kann – und der beste Biercocktail, den ich bisher rezensieren durfte. Zum einen offenbart sich in der Kreation ein Zusammenspiel aus geschickt ausgewählten Zutaten, die alle für sich genommen Sinn machen und im Kollektiv nicht untergehen, sondern bestens miteinander harmonieren, zum anderen stellt er eine Hommage an alte Berliner Trinkgewohnheiten dar, adaptiert sie und vereint eben diese in einem kontemporären Drink. Don’t #shy, don’t #stupid – just B.White!

B.White

Zutaten

3,5 cl Old Bardstown 90 Proof

1 cl Waldmeister-Sirup*

1 Barlöffel frisch gepresster Zitronensaft

1 Dash Burlesque Bitters (Bittermens)

fill Marlene Schneeeule Berliner Weiße

Zubereitung

Alle Zutaten bis auf die Berliner Weiße in einem Shaker auf Eischunks gut und kräftig kaltschütteln. Anschließend in ein weites Bierglas, das einer Coupette ähnelt, abseihen und mit dem Bier auffüllen. Mit einem Waldmeisterblatt dekorieren.

*
Frisch angebauten Waldmeister ernten und in Zuckerwasser (Verhältnis 1:1) mit einigen Zitronenscheiben einlegen und ein paar Tage ziehen lassen.

Glas

weites Bierglas

Garnitur

Waldmeisterblatt

Credits

Foto: Foto via Shutterstock.

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