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Die Bar, in der man sich gut riechen kann: Arnd Henning Heissen eröffnet sein Bird’s Nest

Das Nikolaiviertel neben dem Roten Rathaus in Berlin wird wenig mit guten Bars in Verbindung gebracht. Doch gibt es nun einen neuen Ort, der diesen Umstand mit einem bekannten Gesicht und dessen bewährtem Konzept ändern will. Im Bird‘s Nest erweckt Arnd Henning Heissen sein auf Düften basierendes Drinks-Konzept zu neuem Leben. Und nicht nur das. 

Wer das Bird’s Nest betritt, dem dürften zwei Dinge direkt auffallen: Da wäre zum Einen die im Eingangsbereich prominent platzierte Sammlung an Parfüms, mit ihren darauf abgestimmten Drinks und den Food-Pairings, die Heissen die „Hall of Fame“ nennt. Hier darf an Parfüms und Zutaten geschnüffelt werden und die Gäste werden eingeladen, für das erste olfaktorische Erlebnis des Abends die Entscheidung über ihre nächste Bestellung zuerst mal ihrer Nase anzuvertrauen. Für die Unentschlossenen gibt es auch Bilder und die Zutaten zur Ansicht. Jede Woche wird hier einer der insgesamt zwölf Düfte mit einem eigenen Kunstwerk besonders gewürdigt.

Die zweite Auffälligkeit ist die schiere Größe der Bar. Nach Stationen im Curtain Club sowie Fragrances im Ritz Carlton und dem Frederick‘s drängt sich der Eindruck auf: klein, das kann dieser Mann nicht. Und das will er auch gar nicht: „Natürlich ist das erstmal eine Ansage und auch eine Herausforderung. Aber ich habe lieber einen Tisch am Abend nicht besetzt, als dass ich Gäste, die den Weg in meine Bar finden, an der Tür abweisen muss, weil kein Platz mehr frei ist.“ Stolze 140 Plätze stehen dafür zur Verfügung. Ein ehrgeiziges Vorhaben, dem man sich aus Überzeugung vom eigenen Konzept gern stellt.

Mit 140 Plätzen ist das Bird's Nest kein kleines Vogelnest geworden
Mit 140 Plätzen ist das Bird's Nest kein kleines Vogelnest geworden

Bird's Nest

Rathausstraße 23
10718 Berlin

Das Bird’s Nest als olfaktorisches Abenteuer

Leute abzuweisen, das würde nicht ins Konzept des Bird’s Nest passen, wo man positive Erlebnisse schaffen und Erinnerungen wecken möchte, statt einfach nur Getränke und Essen zu servieren. Zu viele Gedanken stecken hier im Gesamtkonzept, als dass man es jemandem vorenthalten wollte. Heissen, dem die Interaktion mit dem Gast heilig ist, nennt als Beispiel für eine solche Erinnerung den Duft „Where we used to live“. Die Bestandteile dieses Parfüms erinnern an ein altes Haus und sollen so manchen Gast dazu anregen, sich an frühere Zeiten zu erinnern, in denen man vielleicht in einem Haus mit einem solchen Geruch wohnte. Die Aromen des Parfüms werden im Drink aufgegriffen. Erinnerungen, die Duft und Getränk hervorrufen, sollen sich wiederum zum Gesprächsthema entwickeln und am Ende, so der Wunsch, sollen die Gäste animiert nach Hause gehen und sich über Themen ausgetauscht haben, an die vor Beginn des Abends noch gar nicht zu denken war.

Vier Jahreszeiten, zwölf Düfte

Um derartige Erlebnisse zu schaffen, denkt man unkonventionell und nutzt zum Teil Zutaten, die in der gehobenen Bar bisher eher Nischendasein fristen. Ein Destillat aus Walderde etwa, das in Kombination mit Galgantwurzel, Shiso und Minze auf der kommenden Frühjahrskarte durch den intensiven Duft nach Natur das Frühlingsgefühl intensivieren soll. Oder ein vietnamesischer Sticky Rice-Schnaps, der durch seine süßliche Popcorn-Note in der Nase das Gesprächsthema auf den letzten Besuch im Kino lenken soll. Alle Düfte und die darauf basierenden Drink- und Food-Pairings werden mit den Jahreszeiten ausgetauscht. „Im Frühjahr möchten die Leute einfach andere Dinge riechen als im Sommer, Herbst oder Winter. Das ist ein wichtiges Learning, das ich in der Vergangenheit gemacht habe”, gibt Heissen zu Protokoll.

In der Fragrances Bar seien manche Drinks zu bestimmten Jahreszeiten gar nicht bestellt worden, während sie in anderen Jahreszeiten der Renner waren. Damals fehlte die benötigte Flexibilität, ebenso wie eine Küche, die ausreichend Kapazitäten hatte, auch bei hohem Gästeaufkommen passendes Barfood anzubieten. Für diese Kapazitäten ist im Bird’s Nest gesorgt. Mit seinem vietnamesischen Geschäftspartner und seinem langjährigen Freund Steve Karlsch, einem langjährigen Weggefährten von Tim Raue, wurde eine Küche aufgebaut und zu jedem Duft das passende Gericht entwickelt, zu jedem Drink das passende Pairing – zwölf Düfte, die sich mit der Jahreszeit ändern.

Mit dem Bird's Nest bekommt auch das Nikolaiviertel ein anspruchsvolles Bar-Konzept
Mit dem Bird's Nest bekommt auch das Nikolaiviertel ein anspruchsvolles Bar-Konzept
Arnd Henning Heissen (links im Bild) will in seiner Bar noch einige Überraschungen aus dem Hut zaubern
Arnd Henning Heissen (links) und Patrick Tamgnoué werden noch einige Überraschungen aus dem Hut zaubern

Live-Musik und Gratis-Mitgliedschaft

Für die Zukunft hat sich Heissen noch viel vorgenommen. Bald soll das Bird’s Nest auch sonntags öffnen und Live-Musik bieten. Am Wochenende legt bereits jetzt ein DJ auf. Eine Zigarrenlounge im Hinterzimmer befindet sich kurz vor der Fertigstellung und auch eine Art Mitgliedschaft soll es in Zukunft geben. Bei dieser können sich Gäste mit ihrem Lieblingsduft in eine Datenbank eintragen, um dann mit Liebhabern des gleichen Dufts zu speziellen Veranstaltungen eingeladen zu werden.

„Es gibt im Volksmund den Spruch, dass man jemanden gut riechen kann, wenn sich zwei Leute verstehen. Tatsächlich verstehen sich Leute, die das gleiche Parfüm tragen, oft gut miteinander, haben teilweise sogar ähnliche Charakterzüge. Diese Leute möchten wir zusammenbringen.” Die Mitgliedschaft in diesem Club soll kostenlos sein und dazu dienen, andere interessante Menschen zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. Auch hier steht also alles im Zeichen des Erlebnisses. Der Besuch im Bird’s Nest mag in der Absicht geschehen, einfach ein paar gute Drinks zu konsumieren, soll aber laut Heissen dazu führen, dass mehr als nur der Geschmackssinn angeregt worden sein wird.

Und man sich am Ende, ganz im Sinne des Erfinders, besser riechen kann.

Credits

Foto: Bird's Nest

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