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Chili Chocolate Mai Tai

Tiki mit Karacho: Der Chili Chocolate Mai Tai

Die Kombination aus Chili und Kakao ist alles andere als neu. Warum sie nicht auch auf einen klassischen Mai Tai anwenden? Der Chili Chocolate Mai Tai lässt grüßen! Ein Drink mit dem gewissen „Bäng“ – direkt aus der MIXOLOGY-Redaktion.

Was passiert, wenn der Chefredakteur nach über zwei Jahren Nicht-mehr-hinter-dem-Tresen-Stehen wehmütig wird? Ganz einfach: Er gedenkt eines seiner liebsten Rezepte aus seinem letzten Bar-Job, bevor er Vollzeit an den wahrscheinlich hochprozentigsten Schreibtisch zwischen Sylt und Freiburg gewechselt ist.

Melancholie beim Chili Chocolate Mai Tai

Jener letzte Bar-Job war der Posten als Barchef in der Villa in Kiel, aus den letzten Monaten mit dem damaligen Team stammt die Idee zum Chili Chocolate Mai Tai. Man verzeihe also, dass die Präsentation des Drinks an dieser Stelle auch ein wenig der eigenen Melancholie geschuldet ist.

Grundlage war jedenfalls die Idee, dass doch die Paarung Chili und Kakao nicht nur bereits bei den Azteken eine gängige Kombination war, sondern auch in der heutigen Kulinarik einen festen Platz hat. Und wo sollte sich dieses Duo besser einbetten lassen als in die volle Würze eines klassischen Mai Tai (nach Trader Vic), der mit seinen Tönen von Karamell und Mandel ohnehin die Brücke in Richtung schokoladiger Aromen schlägt?

Dabei stellen sich vor allem zwei Fragen: Wie die beiden Aromen in den Drink bekommen, ohne ihn erstens zu sehr ins Süße kippen zu lassen und die klassische Struktur des Mai Tai nicht zu gefährden? Wie die Schärfe konstant dosierbar machen? Klaus St. Rainer beispielsweise hat für seinen Dirty Old Bastard-Cocktail anstatt auf – schwankend scharfe – frische Chilis auf die gut erhältliche Sriracha-Sauce gesetzt, um eine konstante Schärfe zu gewährleisten. Nun haben allerdings die meisten Chilisaucen und -tinkturen folgende Eigenschaft: Sie bringen viel Eigengeschmack mit. Der einfachste Weg für eine klare, aber immer wieder gleich einsetzbare Schärfe ist daher eine einfache Kaltinfusion. Die ist – einmal angesetzt – verlässlich in der Dosierbarkeit und auch leicht reproduzierbar.

Frucht, Würzigkeit, Schokoladenkuchen

Im vorliegenden Fall bietet sich natürlich ein Chili-Mazerat mit Rum an, mit dem man dem eigentlichen Basis-Destillat perfekt unter die aromatischen Arme greifen kann. Den Drink komplett auf einer Chili-Infusion aufzubauen, scheint weniger sinnvoll: Ein Mai Tai braucht einen wuchtigen Rum oder hauseigenen Tiki-Blend mit hohem Alkoholgehalt. Vertut man sich da mit der Infusion, ist gleich eine ordentliche Ladung hochwertigen Rums passé. Der Ansatz einer Extra-Infusion scheint sinnvoller (Mount Gay Eclipse erwies sich als hervorragende Grundlage), diese kann zudem bei Bedarf auch noch für weitere Drinks verarbeitet werden. Nur in extremen Fällen sollte der nach untenstehender Rezeptur zubereitete Chili-Rum jedoch pur getrunken werden!

Um noch Platz für das ursprüngliche Aroma von Orgeat und Orange zu lassen, ist es ebenso wichtig, das Schokoladen-Aroma so in den Cocktail zu transportieren, dass es nicht zu dominant ist und nur ein bedingtes Maß an Süße mitbringt. Nach einigem Probieren erwies sich die Kombination von trockenem Schokoladenbrand und hochwertiger Crème de Cacao als der beste Weg: Der Brand liefert ein trockenes, würziges Aroma von Kakaobohne und Bitterschokolade, der Likör die sensorische Cremigkeit und einen Eindruck von Schokoladenkuchen. Das alles wiederum verträgt sich hervorragend mit dem klassischen Profil eines Mai Tai.

Im Tagesgeschäft konnte sich der Drink unheimlich schnell als charaktervoller, aber zugänglicher Crowdpleaser etablieren. Ein Twist zwar, aber einer, der seine Herkunft nicht verheimlicht. Kraftvoll, pikant, schokoladig und dennoch fruchtig. Und wenn man mal wieder eine angeberische Männerrunde (oder gar einen Junggesellenabschied) vor dem Tresen hat, die nach einem Shot „für echte Männer“ fragt, steht mit dem Chili-Rum eine echte Geheimwaffe im Speedrack. Aloha!

Chili Chocolate Mai Tai

Zutaten

4 cl kräftiger, gereifter Rum mit mindestens 50% Vol. oder hausgemachter Tiki-Blend (im Original aufbauend auf Gosling’s Black Seal)
2 cl hausgemachter Chili-Rum*
3 cl frischer Limettensaft
0,5 cl Orange Curaçao
1 BL Orgeat
1 cl Tempus Fugit Crème de Cacao
1 cl Mozart Dry

Zubereitung

Alle Zutaten im Shaker mischen und auf Eiswürfeln kräftig mindestens 15 Sekunden schütteln. Auf Cracked Ice oder grob geschlagenes Eis in das Glas abseihen.

* Chili-Rum: 3 bis 4 Gramm Fruchtfleisch einer Habanero-Chili (oder einer anderen sehr scharfen Sorte) in einen großen Behälter geben und mit einem Muddler leicht andrücken. Mit 0,7 Liter goldenem Rum (z.B. aus Puerto Rico oder Barbados) aufgießen. 30 Minuten mazerieren lassen und gelegentlich umrühren. Durch einen Kaffeefilter abseihen und auf eine saubere Flasche füllen. Flasche deutlich beschriften. Vorsicht: Dieser Chili-Rum ist pur wirklich sehr scharf!

Glas

Tiki-Mug oder Longdrink-Glas

Garnitur

Minzzweig & Spalte von Zartbitterschokolade

Credits

Foto: Foto via Tim Klöcker.

Comments (1)

  • pjotr

    Trader Vic dreht sich im Grab um.
    Zu viel des Guten.

    reply

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