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Der Secret Sour. Ein leckeres Geheimnis.

Spirituosenhersteller fluten Magazine gerne mit Mitteilungen über ihre neuesten Signature Drinks. Normalerweise sind es Klassiker, in denen man die eigene Marke untergebracht hat. Nur selten innovativ. Anders der Drink, der uns zum National Whiskey Sour Day im August erreichte.

Joaquin Simo, seines Zeichens Headbartender in der Bar Pouring Ribbons in New York, hat im Frühjahr 2013 Drinks für die irische Whiskeymarke Kilbeggan kreiert. Als MIXOLOGY ONLINE ihn zur Entstehung des Secret Sour fragte, war er anfangs verwirrt. Er hatte sich zwar die Rezepte einfallen lassen, aber die Namensgebung dann Kilbeggan überlassen. Man fand allerdings schnell Einigkeit über das Rezept.

Es seien Klassiker wie Sling bzw. Collins gewesen, dier er neu interpretieren wollte. Das ist ihm unserer Meinung nach gut gelungen. Er wiederum hofft, mit dem Drink „einige Leser mächtig durstig zu machen“. Wir liessen die Rezeptur von verschiedenen renommierten Bartender analysieren. Damit der Leser weiß, worum es geht , stellen wir unsere Cocktail-Kolumne an dieser Stelle um und präsentieren die Zutatenliste vorab:

 

The Secret Sour

6 cl Irish Whiskey

3 cl trockener Wermut

3 cl Läuterzucker (1:1)

2 cl frischer Zitronensaft

2 cl frischer Grapefruitsaft

1 dash Orange Bitters

6cl Sodawasser

 

Glas: Highballglas

Garnitur: Zitronenzeste

Zubereitung: Alle Zutaten bis auf Soda in einen Shaker geben, diesen mit Eiswürfeln füllen und kräftig 10 – 15 Sekunden (10 – 15 mal) schütteln. In das vorgekühlte Gästeglas auf frische Eiswürfel abseihen und mit Soda auffüllen.

 

Testlauf unter Profis

Was sagen Bartender zum Secret Sour? Neil Sweeney, Chef de Bar im Frankfurter Gekkos, meldete sich als erster zurück und zeigte sich begeistert. „Ein cooler Drink, der ideal gewesen wäre vor ein paar Wochen, als der Sommer die heißesten Temperaturen parat hatte.“ Für Neil war es entscheidend die Frische des Sodawassers zu erhalten. Daher serviert er diesen Drink „straight up“, also ohne Eis. Damit sich der Whiskey deutlich gegen die anderen Aromen absetzen kann, fiel seine Wahl auf eine Fassstärke, in dem Fall einen licht torfigen Connemara.

Auch Moritz Billina, Bartender in der Twist Bar des Melia Hotels in Dresden und damit Schützling von Barchef René Förster, kann dem Drink einiges abgewinnen. „Auf jeden Fall ein sehr süffiger Cocktail. Perfekt um einen sonnigen Nachmittag zu geniessen.“ Billina gibt aber zu Bedenken, dass Grapefruitsaft oft eine der Zutaten ist, die man entweder liebt oder hasst. Menschen, die keine Grapefruit mögen, würde seiner Meinung nach schwertun mit diesem Cocktail. „Für alle anderen eine feine Sache.“ so Billina.

 

Nicht alle einer Meinung

Ein wenig anderer Meinung ist Mohammad Nazzal. „Grundsätzlich ist mir der Drink zu unausgewogen“, konstatiert er. „Der Wermut geht zu sehr unter.“ Geht es nach Nazzal, hat der Drink aber durchaus Potenzial. Wenn man die Balance von Whiskey und Wermut ein wenig zugunsten des Wermuts verschiebt und zusätzlich mit ein wenig mehr Säure arbeitet, erhält man nach Nazzal einen Cocktail, mit dem sich sehr anständig arbeiten lässt.

Und das Original? Welches Ziel hatte Joaquin Simo als er den Secret Sour entwarf? „Ich wollte einen einfachen Drink. Eine Sling- oder Collins-Variante, die in jeder Bar zubereitet werden kann. Die süßlichen und kräutrigen Noten des Wermut (in seinem Rezept Dolin Blanc, Anm. der Red.) passen hervorragend zu den erdigen Honignoten und der sanft-würzigen Note des Kilbeggan. Durch Zugabe von drei sauren Komponenten verleiht man dem Cocktail Tiefe und Frische, ergänzt durch die typischen Noten des Bitter.“

Ein gelungener Versuch und es wäre unfair dieses Kompliment nicht auch an die Marke Kilbeggan weiterzugeben, die diesen Drink als ihren Signature Sour verteilte. Wie bei den meisten Cocktails bringt auch hier die Basisspirituose eine gewisse Charakteristik in den Cocktail. So ist es auch beim Secret Sour. Hat man keinen Kilbeggan zur Hand, kann man entsprechend auch mit einer anderen irischen Marke experimentieren.

 

 

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Bildquelle: “Close up of man’s mouth with bronze or gold metal zipper closing lips shut” (AR Images via shutterstock)

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