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Staythefuckhome: 7 einfache Klassiker für 7 Tage

Die Bars sind zu, doch viele Leute brauchen mehr denn je einen Drink. Obwohl ein Glas auf dem heimischen Sofa niemals die Atmosphäre eine Bar ersetzen können wird, gilt es, an die Vorräte zu gehen und eben in der eigenen Küche mixologisch zur Tat zu schreiten. Wir haben sieben klassische Drinks zusammengesucht, die mit einer relativ einfachen Hausbar realisierbar sind.

Räumen wir gleich mit einer vielleicht aufkommenden Vermutung oder gar Unterstellung auf: Nein, der Besuch einer Bar kann zuhause so gut wie nie imitiert werden. Das geht einfach nicht. Sogar eine Hausbar mit feinsten Spirituosen, klarem Eis, einem versierten Heimbartender und besten Bio-Zitronen, die man bei der Jagd nach Toilettenpapier noch ergattert hat – all das zusammen kann nicht die Atmosphäre und das Timbre einer Cocktailbar erzeugen.

Aber mit einem selbst gemixten Drink daheim lässt sich die Ahnung an einen Barbesuch wenigstens aufrechterhalten, als romantische Assoziation kann sie den nächsten von wahrscheinlich noch vielen Abenden auf der Couch versüßen. Und was soll man denn auch sonst tun, schließlich sind sowieso alle Bars des Landes geschlossen. Ein Barbesuch kann also derzeit nicht stattfinden. Ein Drink muss aber einfach sein, gerade in diesen Corona-Zeiten. Finden wir, auch wenn der Trend zu weniger Alkoholkonsum geht.

Da die mehr oder minder vorhandene häusliche Isolation noch vergleichsweise frisch ist und Einkäufe gestattet sind, haben wir uns erlaubt, immerhin noch Maraschino und Absinth einzubeziehen. Ansonsten versammelt unsere Liste mit sieben Cocktails für sieben Tage aber Zutaten, die bei Menschen mit einem kleinen Faible für Drinks höchstwahrscheinlich im Hause sind. Und falls die Regeln noch verschärft und die Sperren strikter werden: Keine Angst, dann sammeln wir neu. Ansonsten gilt einfach: Beim nächsten Mal im Supermarkt lieber noch eine Kiste Tonic mitnehmen. Für die Notversorgung!

Corona Cocktails: 7 Klassiker für die Quarantäne zu Hause

Daiquiri Cocktail
Daiquiri Cocktail
Five Gin Cocktails You Should Definitely Have On Your Bar Menu | Mixology Magazine EN
Der Negroni

Daiquiri

Zutaten

7-8 cl leichter, weißer Rum
3 cl frischer Limettensaft
2 BL feiner, weißer Rohrzucker

Tag 1 – Daiquiri

Der geht ja ganz grundsätzlich immer. Ob man ihn nun als „Sour“ auffasst oder nicht, ist dabei eigentlich ganz egal, aber gerade jetzt, wo draußen die Sonne an Kraft gewinnt, steigt die Lust auf Spritziges.

Wir unterstellen mal: Einen weißen Rum haben wirklich ziemlich viele Haushalte irgendwo herumstehen. Muss ja nicht immer Premium sein. Wir passen uns den Umständen an. Zucker: Okay, hatte in den letzten Jahren keinen allzu guten Ruf, dürfte sich aber finden. Und Limetten gibt es, so unser Kenntnisstand, im Klopapiersupermarkt Ihres Vertrauens. Oder man hat sie sowieso noch da, ebenso wie Zitronen, weil eine regelmäßige Vitamin-C-Zufuhr dieser Tage sowieso nicht schaden kann.

Negroni

Zutaten

3 cl Dry Gin
3 cl roter Wermut
3 cl Campari

Tag 2 – Negroni

Hm, „geht immer“ haben wir eben schon zum Daiquiri gesagt. Das war vielleicht ein wenig vorschnell, denn wie soll man nun den Einstieg beim Negroni finden? Der würde jetzt wahrscheinlich sowas antworten wie: „Naja, ich schmecke aber auch an kalten Tagen genauso gut.“

Recht hat er, dieser Herzensdrink so viele Barleute und Genießer, dieser vielseitige Alleskönner, der auch beim tausendsten Mal nicht langweilig wird. Gin und Wermut im Haus setzen wir jetzt einfach mal voraus. Und tatsächlich zeigt die Erfahrung, dass ein Fläschchen Campari in wirklich, wirklich vielen Wohnungen anzutreffen ist. Zur Not hat der Nachbar eine, die er kontaktlos vor die Tür stellen kann. Oder es ist – das wollen wir nicht vergessen – durchaus auch mal ein anderer Bitterlikör möglich.

Blood & Sand Cocktail
Blood & Sand Cocktail

Blood & Sand

Zutaten

3 cl Blended Scotch Whisky
2 cl frischer Orangensaft
2 cl roter Wermut
2 cl Kirschlikör

Tag 3 – Blood & Sand

Allein schon die Geschichte von Dale DeGroff und dem Blood & Sand Cocktail ist so schön, dass man sie immer wieder erzählen mag. Denn der selbsternannte „King Cocktail“ soll einst gesagt haben: Wenn man das Rezept des Blood & Sand liest, denkt man erstmal, dass man es mit einem gewaltigen Irrtum zu tun hat.

Das geht vielen so, auch uns. Doch wenn man ihn das erste Mal trinkt, wird man eines Besseren belehrt. Der Blood & Sand ist eine Wucht, ein nahezu einzigartiger Drink. Und noch besser – ein Drink, dessen Zutaten ziemlich gängig sind. Zumindest ein simpler Blended Scotch ist beinahe immer zur Hand, über roten Wermut haben wir schon gesprochen. Orangensaft dürfte notfalls aus der Flasche sein, aber frisch ist natürlich besser. Einzig Kirschlikör ist nicht unbedingt überall vorhanden. Aber vielleicht Konfitüre? Oder ein anderen beeriger Likör? Seien Sie erfinderisch!

Martinez Cocktail
Martinez Cocktail
Drei verschiedenen Varianten Espresso Martini
Espresso Martini geht auch mit Tequila

Martinez Cocktail

Zutaten

6 cl Roter (süßer) Wermut
3 cl Dry Gin oder Oude Genever
1 BL Maraschino
2 Dashes Aromatic Bitters (z.B. Angostura)

Tag 4 – Martinez

Ja, wir wissen: Maraschino ist kein unbedingter Stammgast in vielen Hausbars. Oder aber man hat da eine Flasche stehen, die aber im Lauf der Zeit aromatisch verflacht ist. Aber wissen Sie was: O.H. Byron schlägt in seinem The Modern Bartender’s Guide eine Martinez-Rezeptur vor, die keinen Maraschino verlangt, sondern klassischen Curaçao, also Orangenlikör – vielleicht steht der eher in Ihrem Schrank?

Auch ansonsten muss man dem Martinez lassen, dass er tatsächlich bei all seiner Heiligkeit kein wirklicher Dogmatiker ist: Da wir im Notbetrieb sind, funktioniert er eigentlich wahlweise mit Genever, Old Tom Gin, Dry Gin oder Doppelwacholder. Sogar ein, zwei respektable Ergebnisse mit echtem, getreidigen Kornbrand haben wir schonmal im Glas gehabt. Auch den Wermut (den wir ja eigentlich weiter oben schon vorausgesetzt haben) kann, man spielerisch mit anderen Fortifieds substituieren. Schmecken wird’s schon irgendwie.

Espresso Martini

Zutaten

6 cl Vodka
3 cl Espresso
2,25 cl Kaffeelikör
Dashes Zuckersirup (optional)

Tag 5 – Espresso Martini

Es ist nicht zu leugnen, dass viele Menschen die Arbeit im Covid-19-bedingten, isolierten Home Office beklemmend und ermüdend finden. Dagegen braucht es einen Wachmacher, zumal ja der gemeinsame Kaffee mit den Kollegen im Pausenraum oder zur Zigarette fehlt. Klare Sache: den Freitagnachmittag am heimischen Schreibtisch verschönern wir mit einem Espresso Martini.

Das Beste an diesem modernen Klassiker von Dick Bradsell? Er kann ordentlich „wachsen“, denn ehrlicherweise müssen wir attestieren: Mit Vodka funktioniert das gut, na sicher. Aber wesentlich mehr Aroma und hervorragendes Matching mit den Aromen des Kaffee bringen Versuche mit Brandy, Bourbon, Cognac, dunklem Rum oder natürlich auch Tequila (so wie der Insomnia) hervor. Im Zweifelsfall muss auch kein Likör mit rein. Guter, starker Kaffee, eine Spur Zucker und feiner Schnaps. Passt.

Morning Glory Fizz Cocktail | Mixology Magazin für Barkultur
Morning Glory Fizz
Bloody Mary
Bloody Mary

Morning Glory Fizz

Zutaten

6cl Scotch Whisky (z. B. Monkey Shoulder Vatted Malt)
1,5 cl Limettensaft
1,5 cl Zitronensaft
2 cl Zucker
3 Dashes Absinth
1 Eiweiss
Soda

Tag 6 – Morning Glory Fizz

Glückwunsch, das Home Office bleibt heute geschlossen, der freie Tag kann kommen. Die zarte Endzeitstimmung nutzen wir für die Rechtfertigung eines kleinen Tabubruchs: Alkohol am Tage. Denn wie der Name des Drinks schon sagt, will der Morning Glory Fizz gern als anregender Begleiter durch den Vormittag genossen werden.

Wir haben schon angemerkt, dass echter Absinth vielleicht nicht in jedem Heim vorrätig ist. Haben Sie einen anderen Pastis? Wird schon klappen, ganz sicher. Nur keinen Sambuca bitte, dann doch lieber Bier trinken. Eier sollten Sie im Haus haben (denn die halten sogar recht lange, eignen sich also zur Vorratshaltung), Scotch sowieso, und Zitronen oder Limetten eigentlich auch. Zur Not geht es auch nur mit einer Zitrus-Art. Aber beide zusammen machen am meisten Spaß. So kann der Samstag kommen.

Bloody Mary

Zutaten

5 cl Vodka
1 cl frischer Zitronensaft
10 cl Tomatensaft
2-3 Umdrehungen frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
1 Prise Meersalzflocken
3-4 Spritzer Tabasco oder andere scharfe Würzsauce
1-2 Dashes Worcerstershire Sauce
evtl. eine Prise Cayennepfeffer

Tag 7 – Bloody Mary

Okay, okay, das war erwartbar. Bloody Mary am Sonntag zum Brunch. Wahrscheinlich auch, weil es am Samstag nicht bei nur einem Morning Glory Fizz geblieben ist. Hedonismus in Zeiten der Krise. Eulen nach Athen tragen und so. Wir müssen ja selbst zugeben: Auch unserer redaktionellen Kreativität graben die letzten Wochen ein bisschen das Wasser ab.

Wir geben aber zur Verteidigung auch ganz schlicht zu Protokoll: So ein Sonntagmorgen, an dem vielleicht trotz Coronavirus die Sonne durchs Wohnzimmerfenster scheint, der macht einfach am meisten Spaß mit pochierten Eiern auf Toast, gebratenem Speck, Grilltomate, heißem, frischem Earl Grey und einer knackig kalten, nicht zu starken Bloody Mary. Außerdem hält sich Tomatensaft richtig schön lange. Versprochen.

Credits

Foto: Stefan Adrian

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