TOP
Interwhisky

InterWhisky: Der eine Ort für die eine Gemeinde

Wenn eine Messe wie die InterWhisky 20 Jahre alt wird, sollte man ihr gratulieren. Wir tun dies mit einem Nachbericht aus Frankfurt. Schließlich heißt es: Ehre, wem Ehre gebührt – trotz und wegen allem.

Die größte Whisky-Messe Europas, außerdem die älteste Deutschlands, ist 20 Jahre alt geworden. 21 Jahre, um genau zu sehen, denn 1998 hatte die Messe ein Jahr ausgesetzt, daher ist es die 20. Messe im 21. Jahr. Und wie Menschen auch, haben auch Messen nach dieser Zeit einiges hinter sich. Die ersten Eskapaden auf jeden Fall, außerdem weiß man mittlerweile, wo es ungefähr hingehen soll, und den ersten Umzug hat man meist auch hinter sich.
Zum nun vierten Mal in den Palmengärten hatte die Messe ihre Tore geöffnet, nachdem sie in den vorigen Jahren im Palais Thurn und Taxis zuhause gewesen war. Zuvor war dieses viele, viele Jahre das InterContinental Frankfurt gewesen, nachdem die erste Messe im Jahr 1997 im Maritim Hotel eröffnet hatte. Damals waren es gerade einmal 3.500 Besucher gewesen.

20 Jahre auf Buckel und Etikett

Obwohl die aktuellen Zahlen noch nicht verfügbar sind, lässt sich sagen, dass es mittlerweile locker über 8.000 sind, auf insgesamt 2.000 Quadratmetern, darauf 32 Aussteller.
Das war es auch schon mit den Hard-Facts, bleiben wir lieber bei der Atmosphäre. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Pegel im Vergleich zu den letzten Jahren angenehm entspannt ist; kein Gegröle, kaum kaputte Gläser und Erbrochenes erst unweit der Palmengärten entfernt. Und das ist doch ein guter Schnitt, zum Einstieg. Erfreulich an Jubiläen in Whisky-Gefilden ist ja sowieso, dass die Zahl auf dem Etikett nicht selten identisch mit der Zahl des Jubiläums ist.
So ist beispielsweise am Stand des Medienbotschaft Verlags eine eigens für die InterWhisky kreierte Spezialabfüllung eines 20-jähriger Arran zu verkosten – gibt es auch nicht alle Tage. Nebenan, am Borco Stand, lässt sich mit Jura eine 20-jährige, auf 5.000 Flaschen limitierte Abfüllung probieren: “One and all”. Gereift in ehemaligen Bourbon-, Sherry-, Cabernet Franc-, Cabernet Sauvignon und Pinot-Noir-Fässern, habe bei ihm jedes Mitglied der Destillerie-Crew Hand angelegt. Dieser wird auch beim Scottish Highland Dinner ausgeschenkt, daneben außerdem Bowmore, Glengoyne, Laphroaig, Highland Park und besagter Arran. Dazu, wie jedes Jahr, vier Gänge.

20 Jahre ohne Zacken aus Kronen

Das Klientel oszilliert, wie meist, zwischen Schottenröcken, Metallband-Shirts, Hemd und Abendrobe, darunter angenehm viele Frauen. Auffällig an den Gesprächen am Stand ist die zunehmend kompetitive Art, mit der Besucher die Menschen am Stand von ihrem Wissen zu überzeugen versuchen. “Canadian Whisky aus hundert Prozent Roggen? Das geht gar nicht, Rye ist grundsätzlich nie zu hundert Prozent aus Roggen, ausgeschlossen.” Doch, es geht. “Deutscher Whisky nach schottischem Vorbild? Deutscher Whisky ist immer nach schottischem Vorbild, weil Whisky nun einmal aus Schottland kommt.”
Wow. Messen sind dazu da, tolles Zeug zu probieren und möglicherweise sogar ein paar Meter klüger heraus zu laufen, als hinein. Aber gebt den Leuten am Stand, um Gottes Willen, die Möglichkeit, das zu sagen, was sie wissen. Denn darum geht es: Die, die mehr wissen, erzählen denen, die weniger wissen, aber gerne mehr wissen möchten, mehr. Einfach in der Theorie, schwieriger in der Umsetzung. Dabei bricht man sich überhaupt keinen Zacken aus der Krone, nicht alles zu wissen oder sogar nachzufragen. Betrifft übrigens auch Aussprachen. Die weiß unter den schottischen Whiskys doch am Ende keiner so ganz genau. Selbst die Schotten haben übrigens bisweilen Angst, den Whisky nicht korrekt auszusprechen. Da könnten wir uns kollektiv ein weniger lockerer machen und drei Tage schmackhaftes Dasein genießen.

20 Jahre, Happy Birthday!

Und wer es mit dem Lernen dann doch richtig ernst nimmt, hat die Möglichkeit, zwischen kostenfreien Foren und kostenpflichtigen Master Classes zu wählen. Das ist in dieser Fülle doch interessant, und wer hier nichts nach seiner Facon findet, ja also der holt sich dann vielleicht doch besser eine Currywurst, die den Odeur des Foyers angenehm wohlig prägt.
Es ist doch immer wieder das gleiche, groteske Gefühl mit dieser Messe. Zuvor der Gedanke, man kenne das alles schon, immer wieder dieselben Pappenheimer, und zu viel zu tun außerdem. Die Anreise zwischen Erschöpfung und Vorfreude, zweiteres überwiegt mit jedem Schritt gen Eingang, und mit der ersten Dram in der Hand ist das alles vergessen.

Nächstes Jahr in Frankfurt

Irgendwo auf der Linie zwischen Klassentreffen und Kuriosenkabinett, man selbst irgendwo dazwischen, braucht die InterWhisky eigentlich keine Nachberichte. Wer Whisky mag, weiß, dass das der Ort im Jahr ist, an dem man zu dieser Zeit sein muss – und wer nicht, ja, der liest das hier vermutlich nicht. Oder hat sich vertan und überlegt es sich, im nächsten Jahr nach Frankfurt zu kommen.
Und das ist gut, denn die Whisky-Gemeinde braucht sie alle, die Wiederholungstäter und die Neuen, die bescheidenen Sammler und die Besserwisser. Von den einen vielleicht mehr als von den anderen. Cheers and Happy Birthday, InterWhisky!
Und hier gibt es den Link zu den Preisträgern der Germany’s Best Whisky Awards!

Credits

Foto: Philip Eisermann

Kommentieren