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„Rum ist die vielseitigste Mix-Spirituose.“

Die kleinen Flaschen mit dem großen Etikett stehen in jeder Bar, der Mann hinter Angostura Aromatic Bitters zählt hingegen zu den Stillen: meet Robert C. Wong. Der Chef des karibischen Weltkonzerns über Rum, Zuckerrohr-Jahrgänge und bittere Limonaden. Und warum ein Teil seiner Produktion in Europa lagert. 

Öffentliche Auftritte, wie zuletzt die Weltpremiere des in Rotweinfässern gefinishten Rums Angostura No. 1 in Wien, überlässt Robert C. Wong gerne John Georges. Der Master Distiller aus der Brennerei in Laventille auf der Karibikinsel Trinidad wiederum nennt seinen Chef Wong wiederum gerne „einen unserer Master-Blender“. Der Einfluss des seit 2012 amtierenden CEO, vor allem auf den Aufbau von Rum-Reserven und das Fassmanagement (aktuell lagern 80.000 Barrels in den Warehouses), ist immens. Auch wenn Wong selten in Erscheinung tritt und lieber die Produkte sprechen lässt. Aber vielleicht gehört sich das so für einen Geheimniskrämer wie den Hüter der Original-Formel von Dr. Siegerts weltbekanntem Würzbitters. Für MIXOLOGY ONLINE machte er jedenfalls eine Ausnahme.

MIXOLOGY ONLINE: Für einen Spirituosenkonzern war Angosturas Portfolio bisher recht klein. Jetzt besetzen Sie mit dem Amaro eine neue Kategorie – kommt da noch mehr?

Robert C. Wong: Angostura Bitters sind sicher das Zugpferd im internationalen Bereich und dieser DNA bleiben wir auch treu. Bei Produkt-Erweiterungen wie der Limonade LLB (Lemon-Lime-Bitters) oder dem Orange Bitters sieht man das gut. Als einziger Softdrink hat LLB Aromatic Bitters als Inhaltsstoff, daher passt das zu uns. Auch bei unserem neuesten Produkt, dem Amaro, kommt unsere Erfahrung mit bitteren Gewürzen und Kräutern natürlich zum Tragen. Ich bin vor Jahren in den USA von einem Bartender mit einem Amaro begrüßt worden, das gefiel mir und irgendwie dachte ich, das könnte etwas für uns sein.

Wird man diese erfrischende Limonaden-Variante auch einmal in Europa bekommen?

Wir haben das 2005 bei einem Cricket-Turnier eher zufällig erfunden und halten das momentan eher regional im Vertrieb, also finden Sie es rund um die Karibik und in Canada. Dazu kommen auch Schlüsselmärkte wie die USA, aber auch im Osten trinkt man das gerne, etwa im Rock Shandy in Südafrika oder Nigeria.

Wenn wir von den Rums sprechen, fällt auf, dass Sie mit Premium-Produkten eher sparsam umgehen …

Naja, in diesem Jahr kommt schon noch etwas Neues für den Hauptmarkt, also keine Limited Edition [es wird ein 15-jähriger Angostura-Rum sein, Anm. der Redaktion]. Man muss sehen, dass internationales Wachstum auch einiges kostet, daher sind Premium-Produkte wichtig. Allerdings bedeutet das auch, dass man 15 bis 20 Jahre vorausdenken können muss.

Was die schottische Whisky-Industrie ja verabsäumt hat. Wobei man sich die klaren Regelungen von Single Malts herbeiwünscht, wenn man die Vielzahl an Altersangaben am Rum-Sektor betrachtet. Warum vereinheitlicht man das nicht im Sinne der Klarheit für den Konsumenten?

Zunächst einmal war ein Label wie Authentic Caribbean Rum wichtig, weil in der Wahrnehmung war Rum ja oft ein „poor man’s drink“. Dabei kommt die Produktion deutlich teurer als sagen wir Vodka, bei der Fassreifung verlieren wir dann auch noch 6 Prozent durch die höhere Temperatur in der Karibik. Wofür der Erzeugerverband West Indies Rum and Spirits Producers‘ Association Inc. (WIRSPA) sorgen kann, ist Bewusstsein zu schaffen, etwa mit dem besagten Gütesiegel. Diese karibische Identität ist wichtig.

Trinidad produziert ja keinen Zucker mehr, wie wichtig ist die Qualität des Rohstoffes, speziell wenn man an Jahrgangsschwankungen im Klima, Hurrikans etc. denkt?

Den Haupteinfluss haben die Feuchtigkeit eines Jahres und die Ausbeute am Zuckerrohrfeld. Wir verwenden allerdings ausschließlich Molasse für die Angostura-Rums und keinen Zuckerrohrsaft. Beim Sugar Cane Honey liegt der Einfluss des Klimas schon höher.

Wir mischen jedes Jahr Molasse aus vier wichtigen Anbauregionen, das streut das Risiko. Konkret werden da immer die Nährstoffwerte im Labor gemessen, das sind wichtige analytische Parameter. Für die Produktion selbst spielt aber auch unsere hauseigene Hefe eine zentrale Rolle. Von der lagert ein Teil zur Sicherheit auch in Europa.

Wie erklären Sie sich die steigende Beliebtheit von Rum in Europas Bars?

Rum ist die vermutlich vielseitigste Mix-Spirituose, es gibt in unserer Range ein Produkt für jeden Gaumen. Während ein gereifter Vodka wenig Sinn ergibt, aber auch ein zu junger Whisky ohne Fass-Noten keinen Spaß macht, geht beim Rum beides bestens.

Credits

Foto: Robert Wong via Angostura.

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