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Wenn Bäume weinen: Zur Entstehung des Made in GSA-Siegercocktails „Sucellus Träne“

Maurice Wächter hat mit „Sucellus Träne“ die Made in GSA Competition 2022 gewonnen. Der Cocktail spielt auf das Thema des Waldsterbens an und ist das Resultat einer akribischen Herangehensweise, in der auch ein Badezimmerspiegel eine Rolle spielt. Wir haben uns die Entstehungsgeschichte des Drinks nochmal genau erklären lassen. 

Zuerst das Thema. Dann die Rezeptur. Dann die Genauigkeit. Mit diesen drei Schritten lässt sich zusammenfassen, wie Maurice Wächter die Made in GSA Competition 2022 für sich entschieden hat. „Wenn ich einen Drink für eine Competition entwickele, gehe nicht von Zutaten auf eine Geschichte über, sondern ich entwickele zuerst die Geschichte. Erst dann folgen die Zutaten“, beschreibt er seine Herangehensweise, „Alles muss stimmig sein, von der Farbe über Design, Geschmack und Story. Der Drink muss auf Außenstehende wirken, als wenn er von vorhinein gar nicht anders hätte sein können.“

Champagne Piña Colada

Zutaten

2 cl Rum Blend (weißer Rum & Rhum Agricole)
3,5 cl Ananassaft
3 cl Ananascordial (bzw. Ananaslikör)
1,5 Kugeln Kokos-Sorbet
3,5 cl Champagner Brut

Punkt Eins: das Thema – Waldsterben

Das Thema hat sich für den 31-jährigen Bartender, der gerne Zeit in der Natur verbringt, bei seinen Ausflügen wie von selbst ergeben. „Das Motto ‘Heimat im Glas’ des Wettbewerbs ist dankbar. Ich wohne ihn der Nähe eines Gebirges, und es ist nicht mehr zu leugnen, dass viele Bäume sterben und gerodet werden. Bei einem Ausflug ins Saarland ist mir das gleiche aufgefallen. Also wollte ich das zum Thema meines Drinks machen.“

Der Drink heißt Sucellus Träne. Sucellus wiederum ist der keltische Gott des Waldes, und warum er weint, ist somit erklärt. Die Farbe des Cocktails sollte an Baumharz erinnern – das „Blut des Baumes“ sollte auf diese Weise eine symbolische Wirkung entfalten. Wächter wusste durch Recherche, dass ein mit einem roten, diagonalen Strich markierter Baum zum Fällen freigegeben war. Dieses Zeichen fand sich auf seinem Coaster wieder, einer Baumscheibe, auf denen er seine Kreation präsentierte.

Punkt Zwei: Die Zutaten – Sucellus Träne

„Ich habe nicht komplett auf Sieg gespielt, sondern die ersten drei Plätze anvisiert. Zusätzlich wollte ich noch Chancen in einer Sonderkategorie haben, wobei ich mich für Vodka & Korn entschieden habe. Ich habe Freiware der Sponsoren angefordert und alles in meiner Küche verkostet. Dann entschied ich mich für den Memory Dinkel Korn mit seiner dominanten Dinkelnote, aber einem fruchtigen Abgang“, erklärt er weiter. „Zusätzlich passen seine Kirscharomen perfekt zum Monkey 47. So hatte ich schon mal meine Basis.“

Und auf der baute er seinen Drink weiter auf. Mit The Barleyfield No 29 setzte er ein regionales Aperitif-Produkt aus Bielefeld ein, dass von Barbetreiber Christoph Bullermann hergestellt wird. Süße und Säure wiederum bringen ein selbst gemachter Runny Honey und ein Apfel-Shrub in den Drink. Wächter selbst arbeitet nicht in Bielefeld, sondern dem Spirit of India in Bad Salzuflen. Das aber auch nur an zwei Tagen in der Woche, hauptberuflich nämlich ist er in einem Steuerbüro tätig. Er grinst. „Ja. Ich bin Späteinsteiger in die Bar. Leider Gottes, das ärgert mich manchmal. Ich habe schon früh im dörflichen Umfeld in der Gastronomie gearbeitet, aber erst mit 27 kam mal jemand auf mich zu und meinte: ‘Du machst das ganz gut und bist aufmerksam, willst du das nicht mal in einer Cocktailbar machen?’“

Das tat er dann auch. Über die Bar No. 5 in Bad Oeynhausen ging es dann in das Spirit of India, und wer weiß, wohin es ihn noch verschlagen wird. Erstmal möchte er noch eineinhalb Jahre seinen „Master of Taxation“ fertig machen. Und wie jeder weiß, der mit Buchhaltung zu tun hat: auf die Genauigkeit kommt es an. Daher vielleicht auch sein Hang zur Akribie.

Punkt Drei: Die Akribie – Üben üben üben

Seinen Drink hätte er bestimmt dreißigmal ausgemixt, bis die Rezeptur perfekt abgestimmt gewesen sei, so Wächter weiter. Und dieser Hang zur Genauigkeit setzte sich in der Vorbereitung fort. „Ich war schon einen Tag vor dem eigentlichen Finale in Berlin und habe mich in einem kleinen Hotel einquartiert. Dort habe ich dann vor dem Badezimmerspiegel immer wieder meine Performance geübt, mit einer leeren Weinflasche als Pouringspirituose“, erinnert er sich. „Ich bin eigentlich sehr aufgeregt vor einer Performance. Es geht für mich dann nicht darum, das ganze auswendig zu lernen, denn das hört man und es wirkt langweilig. Vielmehr geht es darum, Stichpunkte zu verinnerlichen, um eine bestimmte vorgefertigte Kette an Argumenten zu haben.“

Diese Argumente waren dann überzeugend genug. Jedenfalls waren sie ausschlaggebend genug, um ihm den Sieg in einem starken Teilnehmerfeld zu sichern. Und am Ende gratulierte sich der frisch gewaschene Sieger auch sich selbst für seinen autodidaktischen Zugang. „Für mich ist das eine Wertschätzung meiner einer und meiner Arbeit. Von diesen Juroren, die in der Barszene sehr bekannt sind und die eine qualifizierte Meinung haben, auf Platz Eins gewählt zu werden, ist der Oberhammer.“

Bleibt uns als Punkt Vier noch zu sagen: Finden wir auch.

Credits

Foto: Katja Hiendlmayer

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