Hendrik Albrecht: Mezcal statt Motorhauben

Bars 2.12.2016 2 comments

Hendrik Albrecht hat sich als Quereinsteiger durch seine Tätigkeit im Hamburger Le Lion einen exzellenten Ruf erarbeitet. Der 24-Jährige gehört zum Typ des leisen, wissbegierigen Bartenders, der mit Akribie seine Ziele verfolgt. Mit MIXOLOGY ONLINE hat er über sein altes und neues Berufsbild gesprochen. 

Hendrik Albrecht ist gelernter Kfz-Mechatroniker. Die Bezeichnung beschreibt die Komplexität des Berufs. Schrauben können, das rein Mechanische, reicht schon lange nicht mehr. Ohne Kenntnisse in IT-Technik oder von modernen Prüfsystemen ist der Automechaniker nicht mehr in der Lage, den komplizierten Anordnungen in Fahrzeugen zu Leibe zu rücken. Neue Anforderungen und Techniken kommen in immer schnellerer Folge unter die Motorhauben, alles ist vernetzt und miteinander verknüpft.

Insofern gibt es Parallelen zum Beruf des Bartenders oder Barbetreibers. Er muss ebenfalls diverse Klaviaturen beherrschen: Warenkunde, Technik, Rezepte. Er muss Lösungen finden für die unterschiedlichsten Gäste, multilingual sein, Affinität zu Sozialen Medien besitzen, Unterhalten, Zuhören und Gastgeber sein. Dazu kommen Kalkulieren, Logistik, Buchhaltung, Personalführung.

Freiheit statt Monotonie

Dieses Anforderungsprofil ist Albrecht fast schon in die Wiege gelegt, da seine Eltern Gastronomieerfahrung besitzen. Außerdem hat er bereits neben seiner Ausbildung in der Bar gejobbt. „Meine Liebe zu Autos hat mich den Lehrberuf ergreifen lassen. Nebenher war ich dann ein kleiner Barback und habe im Service ausgeholfen“, erinnert sich der bescheiden und strukturiert auftretende Albrecht.

Er ist gerade 18 Jahre alt, als ihm ein Bekannter von einer Bar erzählt, die den eigentümlichen Namen Le Lion trägt. Der erste Besuch dort ist eine Art Erweckungserlebnis. Sie ist so ganz anders als die Bars und Clubs, die er zuvor besucht hat. „Ich habe mein ganzes Geld dort ausgegeben.“ Die Faszination für den Beruf des Bartenders wächst und daher reift eine Entscheidung: Nach Beendigung der Ausbildung zum Mechatroniker will er in die Bar umsatteln. Albrecht erzählt: „Es ist eigentlich ein guter Beruf, mir wurden aber die Arbeitsabläufe zu monoton. Als Bartender hat man viel mehr Freiheiten, jeder Abend bringt anderes. Es macht auch unheimlich Spaß, den Gästen die Barkultur näher zu bringen.“

Lohnende Investition

Da erweisen sich die vielen Euro, die der Azubi im Le Lion ausgegeben hat, als gutes Investment. „Ich habe natürlich damals auch Bettina Kupsa kennengelernt, die dort gearbeitet hat. Sie hat mich ermutigt, mich in Jörg Meyers zweiter Bar, dem Boilerman, zu bewerben.“ Gesagt, getan. Zu Albrechts Überraschung kommt es tatsächlich zu einem Vorstellungsgespräch – und zu seiner noch größeren Verwunderung wird er im Le Lion eingestellt.

Das war vor drei Jahren, in der Zwischenzeit hat sich Albrecht zum Senior Bartender hochgearbeitet. „Geholfen haben mir dabei natürlich Jörg Meyer und Mario Kappes. Neben den Büchern waren es vor allem die vielen Gespräche und internen Schulungen, die mich fest in der Bar verankert haben“, sagt Albrecht. Er beschreibt seinen Stil als akkurat und ordentlich. Besonderen Spaß habe er daran, mit Gästen über die Drinks zu sprechen, der perfekte Gastgeber zu sein. So definiert er auch eine gute Bar. „Einfach die perfekte Mischung aus Ambiente und Gastgebertum, wie zum Beispiel im Becketts Kopf in Berlin.

Reisen bildet

Albrecht nennt zwei Spirituosen, mit denen er besonders gerne arbeitet: „Rum mag ich sehr, im Moment fasziniert mich aber Mezcal, den ich früher gar nicht mochte. Selbst trinke ich im Sommer auch mit Vorliebe klassischer Daiquiris, im Winter eher Old Fashioned oder einen Sazerac mit Mezcal.“ Das tut er besonders gerne in den Hamburger Bars Kleines Phi und dem The Chug Club.

Eine weitere Leidenschaft ist das Reisen. Paris und seine boomende Barszene hat es Albrecht besonders angetan. Er liebt das Little Red Door und den Experimental Cocktail Club. „Meine nächsten Traumziele wären aber Mexiko, New York und Japan“, verrät er. Albrecht will die Techniken und Arbeitsweisen dort studieren und natürlich die Menschen und Kulturen kennen lernen. Albrecht definiert es selbstkritisch so: „Man sollte den Horizont erweitern. Ein Bartender ist idealerweise eine komplexe Persönlichkeit. Da habe ich auf jeden Fall noch Potential.“

Nachts schrauben

In einem anderen Land zu arbeiten kann Albrecht sich gut vorstellen. Denkt der Mann, der vor 24 Jahren in Kaltenkirchen auf die Welt kam, an seine Zukunft, dann würde er sich gerne einmal selbstständig machen. „Schon als Jugendlicher habe ich gesagt, dass ich mal ein Bistro mit Bar eröffne“, erklärt er bestimmt.

Aber zunächst zählt nur die Gegenwart. „Ich hatte zu Beginn drei Ziele: Im Le Lion zu arbeiten, erfolgreich an der Bar zu sein und einmal einen großen Wettbewerb zu gewinnen.“ Das mit dem Wettbewerb habe sich aber erledigt, er sei kein Wettbewerbs-Typ. Nach einigem Nachdenken bekennt er: „Der größte Wettbewerb für mich ist es, den Gästen einen schönen Abend zu bereiten.“ Daran schraubt Albrecht jede Nacht.

Photo credit: Foto via Bernd Euler.

2 comments

  1. Arno

    „Das tut er besonders gerne in den Hamburger Bars Kleinvieh und dem The Chug Club.“ vielleicht eher im Kleines Phi als im Kleinvieh !! 🙂

    • Redaktion

      Hallo, Arno!

      Hoppala, da ist uns ein Fehler unterlaufen. Danke für den Hinweis, das tauschen wir natürlich sofort aus!

      Das MIXOLOGY-Team

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