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Lügenjury? Wie die MIXOLOGY BAR AWARDS wirklich ermittelt werden

Bars 13.8.2016 1 Kommentar

Die MIXOLOGY BAR AWARDS 2017 werfen ihre Schatten voraus. Und mit ihnen erwartbare Freude sowie prognostizierte Enttäuschungen. MIXOLOGY ONLINE erklärt an dieser Stelle, wie die Nominierungen zustanden kommen – und in welchem anonymen Verfahren die Sieger letztlich ausgewählt werden.

Bald wird die Aufregung wieder groß sein. Verbalinjurien mit fäkalem Hautgout werden in den Sozialen Medien und den Kommentaren ausgekübelt. Rülpser des Beleidigtseins mit Furor in den Barkosmos geweht. Die Jury und MIXOLOGY sind die Achse des Bösen. Die Nominierten der MIXOLOGY BAR AWARDS sind dann in der Welt. Wie in den meisten Fällen gehören die leiseren, differenzierteren Töne zu denjenigen, die das Prozedere akzeptieren, nicht an Verschwörung oder Industriediktat glauben wollen. Die wissen, dass eine Jury nie jedem gerecht werden kann, aber deshalb nicht gleich gekauft ist.

In diesem Jahr fanden sich wieder neun Menschen aus den GSA-Ländern ein, um abzuwägen, zu diskutieren und letztlich Entscheidungen zu treffen. Einige neue Gesichter und Geister waren dabei, so auch Gabriel Daun von der Gekkos Bar in Frankfurt.

Die Longlist

„Am Anfang war ich etwas skeptisch, als man mich fragte, ob ich der Jury beitreten will“, gibt Daun zu. „Aber dann überwog doch die Neugier – und auch so etwas wie ein diffuses Verantwortungsgefühl der Barkultur gegenüber.“ Zu Beginn geben 300 Experten – Industrievertreter, Bartender, Journalisten – zu jeder Kategorie drei Vorschläge zu Protokoll. Der Erstvorgeschlagene bekommt drei Punkte, der Zweite zwei, der Dritte einen Punkt.

Hieraus wird eine Longlist erstellt, die zehn Plätze umfasst. Allerdings hat hier die Jury ein Vetorecht. Das kommt laut Daun jedoch höchst selten zum Einsatz, und es müssen gewichtige Gründe vorliegen. Beispielsweise war in diesem Jahr eine Bar auf der Longlist, die inzwischen ihren Betrieb wieder eingestellt hat. Ein anderes Szenario für ein Veto wäre, wenn die Jury den Eindruck hat, dass eine Person oder ein Produkt von einer starken Lobbygruppe durchgedrückt werden soll. Für solche Fälle stehen schon Nachrücker bereit, die dann den Platz des Suspendierten einnehmen.

Die Shortlist

Anschließen beginnt die eigentliche Arbeit der Jury. Sie diskutiert entlang der jeweiligen, klar definierten Kriterien das Für und Wider der Nominierten in den einzelnen Kategorien. MIXOLOGY-Herausgeber Helmut Adam nimmt zwar an der Sitzung teil, hat aber kein Stimmrecht. „Er erklärt die Kategorien und moderiert dort, wo es nötig ist, zum Beispiel, wenn sich eine Debatte im Kreis dreht oder abschweift“, erklärt Daun. „Die Jury ist so zusammengesetzt, dass jeder Teilnehmer über spezifische Kenntnisse einer Region verfügt. Es liegt in der Natur der Sache, dass ich etwa bei Nominierten aus dem norddeutschen Raum auf die Expertise anderer angewiesen bin.“

Laut Daun verläuft die Urteilsfindung manchmal leidenschaftlich, aber sachlich. Daun führt dies darauf zurück, dass „jedem Teilnehmer, der es auf die Longlist geschafft hat, großer Respekt entgegengebracht wird. Das ist schon eine Riesenleistung.“ Dann kommt der Moment der Abstimmung. Aus den Punkten des Beirats und der Jury hat sich die Shortlist herausgebildet. Das Finale steht unmittelbar bevor.

Die Gewinner

Dann werden in einem geheimen Votum die Sieger ermittelt. Jedes Jury-Mitglied hat eine Stimme. „Aber auch Enthaltungen kommen vor. Ich habe das praktiziert, da unter den Nominierten der Shortlist auch jemand aus meiner Company war“, gibt Daun zu. Nachdenklich fügt er noch hinzu: „Ich bin mir bewusst, wie subjektiv das ganze letztlich ist. Manche Entscheidung aus den vergangenen Jahren konnte ich auch nicht nachvollziehen.“

Ob er die Sieger kennt? „Nein, wir stimmen ja geheim ab. Es war zwar spannend zu sehen, wie sich im Laufe des Tages Favoriten herausschälen, aber wer gewonnen hat, erfahre ich auch erst bei der Awards-Gala.“ Er hinterfragt noch, ob man sich nicht im Sinne einer größeren Transparenz einfach in die Augen schauen und ganz offen per Handzeichen abstimmen könne. „Ich akzeptiere aber das Gegenargument, dass in einer Jury immer unterschiedliche Temperamente versammelt sind und somit die Gefahr der Beeinflussung durch dominantere Mitglieder bei einer offenen Abstimmung gegeben ist. Die geheime Wahl schließt so etwas natürlich aus.“

Kritik und Zukunft

MIXOLOGY hat sich in den letzten Jahren verstärkt darum bemüht, den Fokus auch auf interessante Barprojekte aus der Provinz oder kleineren Städte zu legen, wo eine erstaunlich kreative und hochwertige Barkultur gepflegt wird – und das in einem oft schwierigen Umfeld.  So lautet auch einer der Kritikpunkte, dass immer die gleichen Städte die Preise abräumen. „Das sehe ich ebenso. Allerdings sind die großen Städte immer im Vorteil, da sich interessante und riskante Konzepte dort finanziell eher realisieren lassen“, so Daun. „Auch die Multiplikatoren sind dort natürlich mehr unterwegs. Aber da ändert sich gerade einiges für die Zukunft. Gute Bars und Bartender jenseits der Metropolen werden immer mehr wahrgenommen“, ist er sich sicher. Der Blick geht nach vorne, und vor allem nach links und rechts, jenseits der Platzhirsche.

Was bleibt, sind die Rituale. Für die einen sind die Entscheidungen der Jury des Satans. Die anderen halten sie für das unantastbare Sanktuarium des Barwesens. Gemeinsam ist ihnen, dass sie ihre Leidenschaft für die Barkultur mit heiligem Ernst verteidigen. Da  kann man damit leben, dass man sich entscheiden muss: zwischen gelogen und Elogen.

Photo credit: Foto via Sandra Mann. Jurysitzung für die MIXOLOGYBAR AWARDS 2017 in Frankfurt am Main.

Ein Kommentar

  1. Martin

    Ich fände es interessant wenn der Gast bei der Wahl der besten Bar/Barteam mit wählen könnte bzw. sollte das ein Punkt sein der Beachtung finden muss.

    Liebe Grüße

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