industry standard

FÜNF! Berliner Restaurants mit meisterhafter Getränkekarte

Bars 24.1.2016

Wie die Berliner Barszene wächst auch das Angebot an hervorragenden Restaurants in der Hauptstadt. Wie es dort um das Getränkeangebot bestellt ist, hat sich MIXOLOGY-Autor Andrew Wilkin gefragt, und fünf Berliner Restaurants besucht, die dem Glas dieselbe Aufmerksamkeit widmen wie dem Teller.

Das Restaurant ist fürs Schnitzel zuständig und Drinks gibt’s an der Bar – so das langjährige Schubladendenken in der Gastronomie. Heutzutage überzeugen viele Restaurants auch mit ihrer Getränkekarte und erreichen damit zuweilen das Niveau einer richtig guten Bar. Und das nicht nur beim Wein. Auch Bier, Sake, Cocktails, Gin, Brände und Mezcal werden ausgeschenkt. Vorhang auf für die FÜNF! Berliner Restaurants, die kulinarische Höchstleistungen mit einem verlockenden Getränkeangebot garnieren.

1) Zenkichi – Ein Amerikaner in… Berlin

Manchmal scheint es, als sei bereits halb Brooklyn nach Berlin gezogen, während die andere Hälfte darüber spricht. Der Brooklyn-Export Zenkichi präsentiert sich ohne Bart, dafür als echte japanische Izakaya, die sich feinstem Sushi und bestem Sake verschrieben hat. Als unterirdisches Labyrinth voll schummriger Ecken liegt das Zenkichi in der unscheinbaren Johannisstraße in Berlin-Mitte nur ein paar Schritte vom schillernden Friedrichstadtpalast entfernt. Hier werden Sie vom bambusgesäumten Eingangsbereich zu Ihrem privaten Alkoven geführt, in dem Sie in absoluter Privatsphäre japanische Köstlichkeiten genießen.

Neben zwei festen Menüs mit etwa hausgemachtem frischen Tofu, Kakuni mit Äpfeln oder Maguro-Carpaccio – einer Art Thunfisch-Sashimi mit grüner Yuzu-Pfeffersauce – finden sich rund 30 Sakes auf der Karte. Wer sich nicht entscheiden kann, bucht das Sake Tasting, das als Basic-, Premium- und Connaisseur-Variante angeboten wird und jeweils drei ausgesuchte Sakes beinhaltet. Beim empfehlenswerten Connaisseurtasting werden Sanka, Wakatake und Isojiman gereicht. Alternativ hilft der Blick ins Cocktailmenü. Die beeindruckende Getränkekarte dürfte noch weiter wachsen: Es gibt Pläne für eine neue Bar, die nächstes Jahr hier eröffnen soll – mit noch mehr Sakes und japanischen Whiskys. Auch ein großer Sake-Showkühlschrank steht auf der Wunschliste.

Zenkichi, Johannisstraße 20, 10117 Berlin

2) Industry Standard – Neuköllner Querkopf

Das Industry Standard ist der Nerd unter seinen Brüdern von der Sonnenallee. Zwischen Dönerbuden, Schawarmaläden und Hochzeitskleiddiscountern strebt das experimentelle  Industry Standard nach etwas Höherem. Die Beschreibung dieses Restaurant ist etwas schwierig – es hat seine Wurzeln in der experimentellen britischen, französischen und mediterranen Küche, doch der Schwerpunkt liegt eindeutig auf den ausnahmslos hochwertigsten Zutaten. Auf den kleinen Tellern werden gelungene Variationen etablierter Klassiker gereicht. Heißer Tipp: Der Rindertatar mit geräuchertem Kabeljaurogen und Kohlrabi.

Und wenn die Küche schließt, geht es im Industry Standard an der Bar weiter. Hier bestellt man von der Cocktailkarte oder wählt aus der beeindruckenden Auswahl an Spirituosen. Dazu lässt das Angebot von natürlichen und biodynamischen Weinen, kuratiert von Viniculture, dem Weinfreund das Wasser im Munde zusammenlaufen. Craft Beer – empfehlenswert etwa zur Pickled Pork Tongue on Toast – steht auch auf der Karte, darunter etwa das „Arrogant Bastard“ von Stone Brewing. Und natürlich wird im Keller das eigene Hausbier gebraut!

Das vergleichsweise minimalistische Interieur fungiert als Bühne für die große, offene Küche und die Bar, wo das Team wahre Kunststücke vollbringt. Besitzer Ramses Manneck betreibt gleichzeitig das Berliner Maria Bonita sowie die beiden mexikanischen Restaurants Santa Maria und die spanische Tapas-Bar Gaston. Nun plant er zusammen mit den Besitzern der gefeierten Licorera Limantour aus Mexiko-City seinen nächsten Coup: Eine Naturwein- und Cocktailbar gleich um die Ecke an der Weserstraße. Behalten Sie diesen Kiez im Auge!

Industry Standard, Sonnenallee 83, 12045 Berlin

3) Jolesch – Ein Herz für Brände

In den letzten 20 Jahren hat sich das Kreuzberger Viertel SO36 von der No-Go-Area zum Touristenmagneten entwickelt – nur im österreichischen Restaurant Jolesch ist fast alles beim Alten geblieben. Seit Anfang der 90er-Jahre leitet die gebürtige Salzburgerin Renate Dengg das Kreuzberger Jolesch, das unprätentiöse, aber hochwertige österreichische Küche serviert. Das Angebot reicht von Klassikern wie Wiener Schnitzel und Gulasch bis zu moderneren Gerichten. Die Getränkekarte braucht sich daneben nicht zu verstecken. So findet sich auf der umfangreichen, meist österreichischen Weinkarte stets ein richtiger Begleiter für das Dinner.

Doch was uns im Jolesch vor allem fasziniert, ist das Angebot an Digestifs. Hier stehen die besten Tropfen von österreichischen Produzenten wie Hans Reisetbauer, der Brennerei Guglhof und den Pfau Edelbränden einträchtig nebeneinander. Kleine Empfehlung: Kosten Sie den Dirndlbrand Reserve von Guglhof – kein qualmendes Oktoberfestkleidchen, sondern ein außergewöhnliches Kirschwasser. In der Gin-Rubrik mit dem Titel „Ginspiration“ sind europäische Koryphäen wie Beefeater (Beefeater London Dry, Beefeater 24 London Dry Gin und Beefeater Burroughs Reserve Oak Rested Gin), Monkey 47, Alambic’s Special Islay Gin und Gin Mare aufgelistet. Hochprozentige Gemütlichkeit!

Jolesch, Muskauer Str. 1, 10997 Berlin

4) Chicha Berlin – Pisco Pushers

Peruanische Küche ist im Augenblick absolut angesagt und das Chicha Berlin serviert Berlins wahrscheinlich beste Ceviche. Nachdem das Chicha schon längere Zeit auf Streetfoodmärkten und als Pop-up von sich reden machte, ist es kürzlich fest in die Friedelstraße eingezogen. Bravourös setzt der Laden ein paar südamerikanische Farbtupfer, ohne dabei die neutrale Palette des trendigen Berliners zu gefährden. Dynamisch, aber nicht protzig.

Inhaber des Chicha Berlin ist der deutsche Ceviche-Afficionado Robert Peveling-Oberhag, der auf seiner Getränkekarte sowohl Klassiker als auch die jungen Wilden auflistet. Zu Pisco Sour und Pisco Punch gesellt sich der erfrischende „Through The Grapevine“, der aus Pisco Italia, Sauvignon Blanc, Limette und Litschi gemixt wird. Die Bandbreite an Piscomarken reicht von Oro und Barsol bis zu Cascajal. Kosten Sie auch auf jeden Fall das peruanische Bier Quesqueña!

PS: Man munkelt, dass im Hinterzimmer bald eine neue Bar entstehen könnte.

Chicha Berlin, Friedelstraße 34, 12047 Berlin

5) Chicago Williams BBQ – Fleisch ’n‘ Bier

Seit seiner Eröffnung 2012 gilt das Chicago Williams als Bartendernest, in dem der gegrillten Fleischeslust und der Bierbauchpflege gefrönt wird. In Berlin-Mitte an der Hannoverschen Straße serviert das Team um Nawid Samawat eine spektakuläre Auswahl von größtenteils deutschen Bieren wie Ratsherrn, Schönramer und die Hausmarke Chicago Williams Hell und Dunkel. Als leckerer Begleiter der berühmten Wings oder eines köstlichen Philly Cheese Steak Sandwiches zeigen die Biere in bester Americana-Manier dem Reinheitsgebot und traditionellem Pils den fettigen Stinkefinger.

Freie Tische sind in dem stets voll besuchten Etablissement Mangelware und eine Reservierung daher sehr zu empfehlen.

Chicago Williams BBQ – Seriöse Grillerei, Hannoversche Str. 2, 10115 Berlin

 

Übersetzt von Marianne J. Strauss.

Photo credit: Steak & Cocktail via Shutterstock. Postproduktion: Tim Klöcker.

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