FÜNF! Mal herrliche Alkoholwerbung aus der Vergangenheit

Drinks 29.1.2017

Früher war nicht alles besser – Werbung für Alkohol aber oft schon. FÜNF! legendäre Beispiele, die diese These untermauern. Dafür genehmigen wir uns einen Gin & Tonic auf dem Tennisplatz oder trinken mit Roy Black Jägermeister. Die Zigarette dazu darf natürlich nicht fehlen.

Ob andere Zeiten, andere Länder, andere Sitten – Werbung aus früheren Zeiten oder Kulturkreisen macht ziemlich oft große Freude. Ganz besonders gilt das in Sachen alter Werbung für alles Ungesunde. Denn die gute alte Zeit war unter anderem deswegen gut, weil Alkohol noch nicht so böse war wie heutzutage. Er durfte viel mehr dazugehören. Die medizinisch-dogmatische Selbstoptimierung der westlichen Welt war noch ein Fremdwort, war noch nicht einmal geboren, ach was – seine Zeugung war noch nicht einmal geplant!

So bleibt uns heute, wo auf jeder Flasche ein mahnendes „drink responsibly“ prangt (das der gesunde Mensch nicht braucht und der kranke oder suchtgefährdete nicht wirklich ernst nehmen dürfte), nur noch der verklärende Blick auf jene romantische Zeit, in der Saufen zwar nicht einen Deut weniger ungesund, aber die Werbung dafür einfach viel, viel schöner war – weil sie nicht nach obskuren Strategien, „Touchpoints“ und „Markenerlebnissen“ gesucht, sondern die Freude am Produkt zelebriert hat. Oder, noch einfacher: Weil sie noch nicht so verkniffen war. FÜNF! herrliche Beispiele dafür schauen wir uns heute an.

1) Der Courtside-G’n’T mit Seagram’s (1977)

Spiel, Satz und Sieg für Seagram’s, den Riesenbrenner aus Indiana, der heute vor allem davon lebt, dass sein Mutterkonzern MGP fertig gelagerte Whiskeys an andere Betriebe weiterverkauft –  die selbige dann ab und an auch unter dem Label „Craft Spirit“ abfüllen.

Viel mehr Klasse hat da schon diese Anzeige aus der Mitte der Siebzigerjahre, als einfach die ganze schichtenbezogene Zuordnung noch etwas einfacher war: Nix mit Gender, nix mit verschiedenen Ethnien oder so. Die Menschen weiß, die slicken Tennisklamotten weiß, der Gin & Tonic – dieser klassische Highball der elitären Sportereignisse – ebenso klar und farblos. Natürlich zeigt sich die Dame beim nachsportlichen Drink perfekt frisiert. Ein Werbeplakat wie ein Wochenende in East Hampton. Große Klasse!

2) Der Unscheinbare: Smirnoff (1957)

„‚Nobody ever tasted Smirnoff’, says Wally Cox.“ Was heute undenkbar und die schlimmste Abstrafung eines Produktes wäre, galt 1957 als das Qualitätsmerkmal von Vodka schlechthin: Schmeckt nach nix und, noch wichtiger – wie auch in „Mad Men“ thematisiert –, riecht nach nix!

Das fand auch Marlon Brandos Busenfreund Wally Cox, der in den Fünfzigern ein recht bekannter Schauspieler und Autor war. Einfach super: „It doesn’t have a taste. It’s just sort of willing!“ Wenn man den Vodka in Orangensaft kippt, schmeckt der Orangensaft nach Orangensaft. Wandert Smirnoff ins Ginger Ale, schmeckt dieses nach – Ginger Ale. Der Vodka in seinem ihm von den vielen „Daydrinkers“ in den Büros der damaligen Zeit zugedachten Habitat: In der Rolle als natürlicher Geschmacks- und Wirkungsverstärker, den im Meeting niemand riecht. Herrlich!

3) Der Dauerbrenner: Jägermeister (1973-1986)

Das muss man sich mal vorstellen: 13 Jahre lang ein und dieselbe Werbeserie! Über 3.000 schräge Individuen mit ihrem jeweils ganz persönlichen Jäger-Satz. Das Medienmagazin turi2 würdigt diesen langen Atem ganz passend mit dem knappen Statement: „Nach 3.162 bekloppten oder begnadeten Sprüchen endet 1986 die ‚Ich trinke Jägermeister, weil…‘-Print-Kampagne.“

Es ist kaum möglich, unter dieser Flut an Unsäglichkeiten den besten Spruch, die beste Frisur, den schelmischsten Blick zu küren. Vielleicht jene Ausgabe mit dem unsterblichen Roy Black, der sagte, er trinke Jägermeister, weil die Leute ihn immer mit Roy Black verwechseln? Wir entscheiden uns für das unfassbare Wortspiel aus Claus und Numerus Clausus. Und trinken dann Jägermeister, weil Jägermeister es für diese Werbekampagne einfach verdient hat, dass man mal eben einen trinkt.

4) Mittagsbier mit Ken? (1960)

Lust auf „das Bier, das Milwaukee berühmt gemacht hat“? Nach dieser Anzeige auf jeden Fall! Heute kaum noch ein Begriff, war die Joseph Schlitz Brewing Company noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts ein echter Braugigant, das auf dem Bild gezeigte Schlitz Lager unter den meistverkauften Bieren der Welt.

Was uns die göttliche Aufnahme von Barbie-Ken im Hausmantel samt Schinken-Käse-Sandwich leider alles nicht verrät: Ist es mittags oder spät abends? Immerhin zeigt die Uhr auf viertel vor Zwölf. Feierabendbier mit Mitternachtssnack? Oder doch der kleine Swag-Schluck für den ungezwungenen Start in den Sonntag, während die Ehefrau schon die Kinder zum Baseball gefahren hat und nun in der Küche den Braten vorbereitet? Ist die kleine rebellische Strähne, die aus dem so schön gezogenen Scheitel raushängt, ein Zeichen des sonntäglichen Schlendrians oder Ausdruck von echter Revolte gegen die Disziplin des Nine-To-Five? Wir werden es leider nie erfahren – eben sowenig, ob es zum Mantel noch passende Schlappen gegeben hat. Schade. Wirklich schade!

5) Die Unvorstellbare: Camel

Okay, es sollte ja um Alkohol gehen. Aber davon hatten wir ja nun schon vier Stück. Und in Bars wird ja auch geraucht. Und wenn es um Werbung für Zigaretten geht, kommt man nicht an Camel vorbei. Schon kurz nach der Markteinführung schnellte die Marke in ungeahnte Höhen. Der Erfolg: Werbung, wie sie sonst noch kein Tabakhersteller gemacht hatte. Etwa mit dem knorrigen Proto-Amerikaner John Wayne als Testimonial. Oder dem sagenhaften Werbeslogan, dass Camels derart mild schmecken, dass man davon mehr rauchen kann als von allen anderen Zigaretten.

Am großartigsten ist jedoch – vollkommen unangefochten – jene Werbekampagne aus den Fünfzigern, die das absolut Undenkbarste überhaupt (zumindest aus heutiger Sicht) propagiert: Seht her, Camel ist die unter amerikanischen Ärzten beliebteste Zigarettenmarke. Dann muss es ja gesund sein! Und deshalb nicht vergessen: The Doctor’s Choice is America’s Choice. Ach, wenn doch manchmal die Zeit nicht so schnell verstreichen würde. Dann stünde vielleicht heute auf jeder Schachtel Camel „Zu Risiken und Nebenwirkungen…“ Göttlich!

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