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Butter & Korn Berlin

In dieser Bar lässt man sich die Butter nicht vom Korn nehmen

Ende Mai hat in mit dem Butter & Korn in Neukölln eine neue Aperitivo Bar mit 80’s Vibes drinnen, viel Platz draußen, Cocktails, Snacks und einem Fokus aufs Lokale eröffnet. Das haben wir uns angesehen und waren auf einen Korn und eine Butterstulle zu Besuch.

Irgendwie ist das ein bisschen inkonsequent mit der Aperitifkultur in Deutschland. Wermut und Konsorten sind zwar mittlerweile angekommen auf den Bartresen und Bistrotischen, aber eine Sache fehlt noch viel zu oft – die kleinen Snacks neben dem Glas. In Italien sind es Tellerchen mit Focaccia, Oliven oder Chips, Spanien unter anderem die Pintxos. Dort versteht man: Wer um 17 Uhr einen Drink genießt, will in Wahrheit dazu eine Kleinigkeit verspeisen, denn Mittagessen und Dinner liegen in beide Richtungen meistens noch zu weit weg.

Das Butter & Korn bereichert die Neuköllner Barszene

Des Themas wird sich nun endlich in Berlin angenommen. Genauer: in Neukölln. Dort hat das Butter & Korn an der Pannierstraße, einen Steinwurf von den Cocktailinstitutionen des Viertels wie der Thelonious Bar oder dem TiER entfernt, seit Ende Mai geöffnet. Ja, genau dieses „Ende Mai“ in diesem seltsamen Jahr. Ursprünglich war die Eröffnung zum ersten April geplant, was sich bekanntermaßen als ungünstiges Timing herausgestellt hatte. Wir haben uns jetzt an den einen der Tische im Freien gesetzt und mit Bar Manager Benni über die ersten Monate und das Konzept gesprochen.

150 Jahre Zwiesel Glas
Butter & Korn & zeitgenössisches Interieur
Butter & Korn: heller Neuzugang für Neukölln

Wenn die Teller die Drinks ergänzen

Die Idee zur Kombination von Cocktails mit dazu passenden kleinen Tellern entstammt der Aperitivo-Liebe der Gründer Johann Lautenschlager und Dustin Franke. Schnell sah man allerdings ein, dass sich Pintxos neben dem Drink nicht so gut machen würden – weil man selbst ja gar nicht aus Spanien ist. Guter Punkt. Dann wurde die Idee ins Lokale übersetzte und nun setzt sich das Menü aus Produkten zusammen, die möglichst kurze Anfahrtswege haben. „Wir verfolgen ein lokales Konzept, deswegen verzichten wir auf manche Sachen bei den klassischen Zutaten: Zitrone, Limette, Tequila.. das wirst Du alles nicht bei uns finden. Wir möchten die Produkte, die wir verwenden, mit Augenmaß beziehen“, fasst Benni die Karte kurz zusammen.

Das heißt: Bei den rund sieben Cocktails, die aktuell auf dem Menü stehen, werden nur Spirituosen aus GSA-Land verwendet. Darunter zum Beispiel der Rye von den Spreewood Distillers und Wermut von Belsazar. Die Säure kommt mittels des „German Verjus“ von Benjamin „Fetzo“ Müller in den Shaker. Das braucht bei den Gästen manchmal ein bisschen Überzeugungsarbeit, denn der Whiskey Sour ohne Zitrone stößt teils auf verwirrte Blicke, aber bislang kam der Verjus-saure Drink ebenso gut an. Die Cocktailrezepturen stammen aus der Feder von Max Mössmer aus der Schwesterbar der Butter & Korn, dem Krass Böser Wolf in Friedrichshain.

Butter & Korn, Lamm, böser Wolf – der Kosmos wächst

Krass Böser Wolf und Butter & Korn sind wiederum Teil des Bar-Kosmos von Johann Lautenschlager und Dustin Franke, der durch die Omega Bar und die Lamm Bar komplettiert wird. Für die Kreationen aus der Küche im Butter & Korn zeichnet Benni verantwortlich, und so ergibt sich eine Karte, auf der Teller und Glas zueinander finden: „Die Cocktails und Teller ergänzen sich gegenseitig und die Idee ist, dass am Tisch viele unterschiedliche Kombinationen stehen und jeder kann von jedem Teller probieren. Das macht natürlich am meisten Spaß.“

Das Menü wird sich perspektivisch immer mal wieder ändern, auch weil die Bar in den wenigen Monaten seit der Eröffnung eine Stammklientel entwickelt hat. Und die freut sich natürlich über Abwechslung. Momentan finden sich auf der Karte Cocktails mit Namen wie „Spreewald-Schnittchen“, der Sellerie, Meerrettich, Apfel und Aquavit mitbringt und gut zur Tellerempfehlung Rollmops mit Dillbutter passt. Der „Schlawiner“ überzeugt mit Aprikose, Whisky und Knoblauch und findet sich an der Seite von Pilztatar mit veganer Kräuterbutter und Sauerteigbrot aus dem „Le Brot“ ein paar Straßen weiter.

Butter & Korn

Pannierstraße 57
12047 Berlin

Di - Do 18 - 2 Uhr, Fr - Sa 17 - 4 Uhr, So 17 - 2 Uhr

In Neukölln angekommen um zu bleiben

Benni legt besonderen Wert darauf, dass das Butter & Korn sich in Neukölln verwurzelt. Das heißt sowohl bei den Nachbarn als auch in Sachen Produkt-Sourcing. So stammen die Käse aus dem Peppi, und den Quittensaft für die nächsten Kreationen hat Benni hat beim letzten Markt der Kleingartenanlage 200 Meter weiter auf der Pannierstraße geholt. Wenn es um die Nachbarn geht, setzt die Bar auf Inklusivität: „Mir ist es wichtig zu zeigen, dass wir offen für jeden sind. Vor allem aus der Nachbarschaft. Wir wollen kein abgehobener Ort sein, wo die Gäste nur fancy Drinks trinken, sondern es soll eben auch ein Feierabendbier geben.“ Besagtes Feierabendbier gibt es in Kombination mit einem Butterbrot und einem Korn als „Butter & Korn-Teller“. Apropos Korn: daher auch der Name. Während die Butter sich in all ihren Varianten auf dem Brot zeigt, tut das der Korn im Glas. Übrigens nicht irgendein Korn, sondern der Stoa Korn. „Stoa“ – für alle nicht-Bayern – heißt „Stein“ im Dialekt und der Roggen dafür stammt aus der Oberpfalz.

Der Stoa Korn ist ein Herzensprodukt der Gründer Dustin und Johann. Der Roggen dafür stammt genau wie die Lammsalami auf der Karte von Johanns Vater und wurde in der Brennerei Liebl mit viel Liebe zu Korn gebrannt hat. Momentan gibt des den Stoa Korn hauptsächlich im Butter & Korn, bald aber zum Verkauf.

Im Inneren 80er-Gefühle

Nach der Aperitivo-Stunde an einem der vielen Tische im Freien fällt der Blick ins Innere der Bar. Das Design mit den Möbeln aus Stahl, den samtbezogenen Barsesseln sowie der Neonschrift an den Wänden, die 80s-Vibes versprüht, erinnert stilistisch an die Lamm Bar – aber das sei neben der Tatsache, dass bei beiden Bars gelebte Gastfreundschaft an erster Stelle stehe, aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit zwischen Lamm und Butter & Korn, resümiert Benni.

Im Hinteren der Bar befindet sich ein lauschiger Raucherraum, im vorderen Bereich und um den Tresen stehen mit weitem Abstand Tische teils auch in der Auslage, deren Fenster zumindest Anfang September noch komplett offen stehen können. Was die kühleren Monate bringen werden wir sehen, auf die neuen Herbstdrinks freut sich die Stammkundschaft bestimmt jetzt schon und die Aperitivo-Snack-Lücke ist zumindest in Neukölln vorzüglich gefüllt.

Credits

Foto: Butter & Korn

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