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Amaro mio: Zehn Amari, die auch in deiner Bar eine gute Figur machen

Amaro Mio: Zehn Amari, die auch in deiner Bar eine gute Figur machen

Für ungefähr jedes Kraut, das sich in Alkohol einlegen lässt, gibt es einen Amaro. Die Welt der – zumeist italienischen – Bitterliköre ist sagenhaft groß und vielfältig. Und sie ist vor allem eines: in gemixten Drinks vollkommen unterrepräsentiert. Dabei bieten Amari eine ähnliche geschmackliche Vielfalt wie Gin und können auf unterschiedlichste Weise eingesetzt werden. Wir präsentieren zehn Amari, die sich dafür besonders gut eignen.

 

Natürlich schmeckt so ein Amaro nicht nur unfassbar gut, wenn als Zutat in gemixten Drinks eingesetzt, sondern auch pur ist er meist großer Genuss. Deswegen bieten wir an dieser Stelle eine kleine Auswahl von zehn Amari, die auch in deiner Bar eine gute Figur machen würden. Sowohl klassische »rote« Bitterliköre als auch die vermeintlichen Digestifs.

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Der Amaro 212 vom Freimeisterkollektiv: Klare Kaufempfehlung, wenn er denn gerade verfügbar ist
Der Amaro 212 vom Freimeisterkollektiv: Klare Kaufempfehlung, wenn er denn gerade verfügbar ist

Freimeisterkollektiv Amaro 212

Starten wir mit einer lokalen Legende. Wenn selbst Superstar Pink! diesen Amaro feiert und ihn sich in die Staaten wünscht, dann muss ja was dran sein. Bar-Grandseigneur Oliver Ebert und Destillateur Thomas Neubert haben sich einen klassischen Bitter Amaro zum Vorbild genommen und ein ganz eigenes, wundervolles Produkt daraus gemacht. Eine tolle, natürliche Farbe (helles Bronze) und ein Funkeln im Glas versprechen schon einiges. Dazu ein sehr fruchtiger, prägnanter Duft. Pfirsich setzt sich in der Nase fest und lässt sich erst mit der Zeit von trockenen Bitternoten ablösen.

Geschmacklich ist der Amaro ebenso rund wie es der Duft vermuten lässt. Bitterkeit und Süße spielen großartig miteinander und die 28% Alkohol sind wunderschön eingebunden. Im Negroni fehlt ein wenig die klare, bittere Kante, aber dafür ist der Amaro mit einer Scheibe Orange und eiskaltem Sodawasser ein sensationeller Begleiter für den Sommer, und auch der getestete »Paper Plane« (als Substitut für Aperol) wusste zu überzeugen. Klare Kaufempfehlung, wenn er denn gerade verfügbar ist.

freimeisterkollektiv.de
Alkoholgehalt: 28 % Vol.
500ml

Mondino Amaro Bavarese

Auch im bayrischen Traunstein am Chiemsee orientiert man sich am rubinroten Vorbild aus Mailand. Marketingtechnisch spielt man die gesamte Klaviatur dessen, was die Nähe zu Italien so hergibt. Ein Rezept mit italienischen Wurzeln, ergänzt um Zutaten aus den Voralpen – das Beste aus beiden Welten sozusagen. Dazu kommt Mondino ohne künstliche Farbstoffe aus und verwendet Zutaten in Bio-Qualität. Das klingt alles schonmal sehr gut, schauen wir also, was der bayrische Amaro im Glas kann. Das satte, wenn auch recht dunkle Rot weckt sofort Assoziationen zum großen Italiener. Hält man aber seine Nase in das Glas, hat man direkt die ganze Abteilung Zitrusfrüchte in der Nase. Zesten von Orangen, Zitronen und Grapefruits sind sofort bemerkbar und dominieren den ersten Eindruck. Erst nach und nach kommt eine Decke aus Kräuteraromen hinzu. Auf der Zunge dann eine sehr feine Süße, die ein tolles Gerüst bildet für die verschiedenen Zitrus- und Kräuternoten. Interessanterweise sind die 18% Vol. deutlich spürbar. Das schadet dem Test-Negroni allerdings nicht und auch als Longdrink macht der Mondino eine sehr gute Figur.

amaro-mondino.de
Alkoholgehalt: 18 % Vol.
700 ml

Mondino Amaro Bavarese: A bisserl Dolce Vita geht immer
Mondino Amaro Bavarese: A bisserl Dolce Vita geht immer
Der Sirene Canto Amaro kommt vom Gardasee
Der Sirene Canto Amaro kommt vom Gardasee

Sirene Canto Amaro

Bleiben wir noch kurz beim bayrischen Dolce Vita. An welchem See lümmelt der gemeine Münchner, wenn es am Starnberger noch etwas zu frisch ist? Richtig, am Gardasee. Und genau von diesem Gardasee kommt ein Amaro, der so lecker ist, dass man sich wundern muss, wieso er nicht schon längst den Weg über den Brenner in jede Münchner Bar geschafft hat. Verdient hätte er es. Laut eigener Auskunft möchte man den für den Gardasee so typischen Zitronenduft einfangen und wenn man der Nase glauben darf, gelingt das ziemlich gut. Eine sehr schöne zitronige Frische begleitet die kräutrigen Aromen. Thymian und Salbei bildet man sich ein zu erkennen. Der erste Eindruck setzt sich auf der Zunge fort. Der erste Schluck hat beinahe etwas von Limoncello, wird aber recht schnell von kräftigen Kräutern eingeholt und am Ende durch eine leichte Vanillenote abgerundet. Eine regelrechte Einladung, mit der zitronigen Süße zu spielen und damit zu mixen. Der Smash mit Minze wusste jedenfalls zu überzeugen.

lion-spirits.de
Alkoholgehalt: 27 % Vol.
700 ml

Amaro Nonino

Die meisten werden Nonino eher für ihre große Auswahl an Grappa kennen. Und auch im Amaro spielt der Traubenbrand eine große Rolle: Der Kräuterlikör wird mit Traubenbrand veredelt. Aber so viel erst einmal zur grauen Theorie. In der Praxis hebt sich der Amaro Nonino schon allein aufgrund seines Alkoholgehalts von den anderen Produkten ab. Die 35% sind kräftig und stehen sehr deutlich im Vordergrund. Der Likör ist vergleichsweise hell, klar und leuchtend, ein dunkles Orange im Glas. Zum ersten Mal, dass sich eine dezente, pfeffrige Schärfe erkennen lässt. Der Kräuteranteil kommt eher frisch daher und die karamellige Süße wird betont von leichten Vanille- und Kakaonoten. Der auf ein Rezept von 1933 zurückgehende Amaro ist zudem einer der wenigen, der konkret mit einem Drink in Verbindung steht. 2008 kreierte Sam Ross den Paper Plane und kombinierte zwei Amari mit Zitrone und Bourbon. Amaro Nonino nimmt dabei eindeutig die prägende Seite ein.

grappanonino.it
Alkoholgehalt: 35 % Vol.
700 ml

Der Amaro Nonino hebt sich allein aufgrund seines Alkoholgehalts von den anderen Produkten ab
Der Amaro Nonino hebt sich allein aufgrund seines Alkoholgehalts von den anderen Produkten ab
Aperol: Der leuchtend-orangene Likör dürfte auch einen Großteil der Homebar schmücken
Aperol: Der leuchtend-orangene Likör dürfte auch einen Großteil der Homebar schmücken

Aperol Aperitivo dal 1919

Und wo wir gerade beim Paper Plane sind, der zweite Amaro im originalen Rezept war vor 14 Jahren schon Aperol. Der leuchtend-orangene Likör ist aus nahezu keiner Bar mehr wegzudenken und dürfte auf den Großteil aller Hausbars schmücken. Zu allgegenwärtig und zu beliebt ist der Aperol Spritz seit Jahren, als dass man problemlos daran vorbeikommt. Mit 11% der schwächste Vertreter auf diesen Seiten, farblich aber der herausstechendste. Bitterorange, Chinarinde, gelber Enzian und vor allem Rhabarber sind laut Hersteller die wichtigsten Aromenkomponenten. Der niedrige Alkoholgehalt spielt eine leicht bonbonartige Süße nach vorn und macht es den Kräuter-und Bitternoten schwer, so richtig zur Geltung zu kommen. Das Spiel aus Süße und Säure erinnert ein wenig an Limonade, und man bekommt den Eindruck, als wäre Aperol mit den Jahren immer weiter auf die Verwendung im Spritz optimiert worden. Da funktioniert der Likör ja auch ganz hervorragend. Leider wird er dadurch der Möglichkeit beraubt, auch flächendeckend in anderen Drinks Verwendung zu finden.

aperol.com/de
Alkoholgehalt: 11% Vol.
700 ml

La Valdotaine Amaro Dente di Leone

Die große und schwere Apothekerflasche sticht ins Auge und ist sicher ein Blickfang in jeder Backbar. Sie braucht aber auch Platz. Aus dem Aostatal in Norditalien kommt dieser Amaro, der sowohl auf dem Etikett als auch im Namen konkret mit einer Pflanze kokettiert: Taraxacum, oder »gewöhnlicher Löwenzahn«, ist namensgebend und neben Wermutkraut, Enzian, Holunder und Muskatblüte auch samt Illustration auf dem Etikett präsent. Der Duft ist kräftig und eher süß und floral. Am Gaumen dann beinahe cremig, mit schönen Bitterstoffen, einer leichten alkoholischen Schärfe und der Balance aus Frische und kräutriger Tiefe. Wer kräftige Drinks mag, dem sei der Versuch ans Herz gelegt, diesen Amaro mit einem kräftigen Rye Whiskey im Stile eines Manhattan zu mixen. Mit der Zeste einer Grapefruit abgerundet, ergibt sich ein Drink, der sowohl als Aperitif funktioniert, aber auch einen tollen letzten Cocktail des Abends ergibt.

lavaldotaine.it
Alkoholgehalt: 32,6 % Vol.
1000 ml

Der La Valdotaine Amaro Dente di Leone kommt aus dem Aostatal in Norditalien
Der La Valdotaine Amaro Dente di Leone kommt aus dem Aostatal in Norditalien
Tempus Futi Gran Classico Bitter: der damit gerührte Negroni dürfte nur schwer zu überbieten sein
Tempus Futi Gran Classico Bitter: der damit gerührte Negroni dürfte nur schwer zu überbieten sein

Tempus Futi Gran Classico Bitter

Ein Vertreter des klassischen Turiner Stils. Tempus Fugit hat es sich zum Inhalt gemacht, Cocktailspirituosen auf höchstem Niveau zu produzieren. Originale Rezepturen und beste, natürliche Zutaten sollen die Ansprüche gehobener Cocktailkenner erfüllen. Der Gran Classico basiert auf einem Turiner Rezept von 1860 und wurde seit 1925 in der Schweiz in kleinen Mengen produziert. In der Nase dominieren die helleren, floralen Aromen. Auf der Zunge steht das Bittere im Vordergrund und wird von leichter Süße und feinen Kräuternoten toll ausbalanciert. Der Gran Classico Bitter ist ein Paradebeispiel um damit zu mixen. Und der damit gerührte Negroni dürfte nur schwer zu überbieten sein.

barrelbrothers.de
Alkoholgehalt: 28 % Vol.
700 ml

Vecchio Amaro del Capo

Der Klassiker aus Kalabrien aus dem Hause Caffo. Wie fast alle Amari natürlich auf einem Rezept aus der Steinzeit basierend, ist man bei Caffo erfrischend offen mit der Information, dass der Bitter im Laufe der Jahre immer wieder an den aktuellen Geschmack angepasst und verbessert wird. Süß- und Bitterorangen in Kombination mit Mandarine und im Kontrast dazu Wacholder, Süßholz und Kamille. Im Ergebnis ein sehr frischer, fruchtiger Amaro mit leichten Noten von Menthol und angenehmer Ingwer-Schärfe. Die Empfehlung ihn zum Kaffee zu trinken, kann man wörtlich nehmen. Als kleines Extra im Espresso Martini ist der »alte« Amaro del Capo wirklich hervorragend.

vecchioamarodelcapo.com
Alkoholgehalt: 35 % Vol.
700 ml

Vecchio Amaro del Capo: Die Empfehlung ihn zum Kaffee zu trinken, kann man wörtlich nehmen
Vecchio Amaro del Capo: Die Empfehlung ihn zum Kaffee zu trinken, kann man wörtlich nehmen
Der Gajárdo Bitter Radicale ist der jüngste Vertrete der Runde
Der Gajárdo Bitter Radicale ist der jüngste Vertrete der Runde

Gajárdo Bitter Radicale

Der wohl jüngste Vertreter in der Runde. Eine Kollaboration eines Bartenders und eines Destillateurs, der nach seinen Erfahrungen aus der Slow-Food-Bewegung den Ansatz der Liköre neu denken und vor allem mit weniger Zucker arbeiten wollte. Kräuter, Früchte, Wurzeln und Gewürze werden 18 Tage lang mazeriert und dabei immer wieder bewegt. Nur bei Raumtemperatur gefiltert, enthält der Bitter noch leichte Trübstoffe, was aber den Geschmack nicht beeinflussen soll. Tiefes und sattes Rot im Glas, fruchtig aber etwas verhalten in der Nase. Dafür wirklich deutlich bitter auf der Zunge und mit einer sehr zurückhaltenden Süße. Dabei bleibt das Aroma aber tatsächlich eine gefühlte Ewigkeit am Gaumen. Wer einen klassischen Bitter sucht, der weniger Süße mitbringt, der dürfte hier sehr glücklich werden.

rum-depot.de
Alkoholgehalt: 25% Vol.
700 ml

Braulio Amaro

Der letzte Amaro ist in der Tat einer, dessen Namen der Autor dieser Zeilen zwar schon kannte, aber noch nie bewusst getrunken hat. Zu Unrecht, wie sich nach dem ersten Schluck zeigt. Ausschließlich frische Alpenkräuter, Wurzeln und Beeren werden an der Luft getrocknet und in Neutralalkohol mazeriert. Anschließend geht es für zwei Jahre in Eichenfässer, wo das 150 Jahre alte Rezept seinen letzten Schliff bekommt. So weit, so gut. Die Farbe irgendwo zwischen Dunkelrot und Bronze und ein großes Bouquet an Kräutern in der Nase. Vor allem Minze, Thymian und Verbene lassen sich erahnen. Der Geschmack schließt sich nahtlos an. Vorneweg eine tolle Fruchtigkeit, Frische und dann viel Kräuter, dunkle Aromen und eine sehr schöne Süße, die die anderen Aromen toll trägt. Sehr lecker und eine wunderbare Basis um damit zu spielen. Tatsächlich macht er – wohl dosiert – sehr viel Spaß als bitteres Element im Jungle Bird, schmeckt aber auch als Longdrink mit Soda oder Tonic hervorragend.

amarobraulio.com
Alkoholgehalt: 21 % Vol.
700 ml

Der Amaro Braulio reift zwei Jahre in Eichenfässern
Der Amaro Braulio reift zwei Jahre in Eichenfässern

Dieser Beitrag erschien erstmals in der Print-Ausgabe 3-2022 von MIXOLOGY, dem Magazin für Barkultur. Für diese Wiederveröffentlichung wurde er formal angepasst, inhaltlich aber nicht verändert. Weitere Informationen zur Bestellung eines Einzelheftes findet sich hier, weitere Informationen zu einem Abonnement hier

Credits

Foto: Editienne

Comments (1)

  • DOUBLE OLD FASHIONED

    Über diesen Artikel habe ich mich schon bei der Printausgabe geärgert. Immerhin ist das ein redaktioneller Beitrag und dennoch wundert man sich wie er geschrieben ist.
    Beispiel: Mondino hat ein markantes Gewürz, was ihn als Amaro von anderen abhebt und dieses kann man nicht übersehen. Es ist Enzian und zwar als Überdosis (!), was seiner Beliebtheit nicht schadet, wenn ich dran denke, dass das Regal meist fast leer ist, wenn ich ihn kaufe.

    Man fragt sich beim Lesen, ob der Autor das jemals im Glas hatte oder bloß den Werbeslogan nachplappert: A bisserl Dolce Vita geht immer..

    reply

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