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FÜNF! Drinks, um den Pott zu holen!

Gesicht angemalt? Vuvuzela ausgepackt und entstaubt? Kunsthaarperücke auf dem Schädel? Bloß nicht, denkt sich die MIXOLOGY-Redaktion angesichts der nahenden Fußball-EM.Viel wichtiger ist doch die Frage, was eigentlich auf den Tisch und ins Glas kommen soll, wenn mit den besten Freunden wahlweise der Triumph oder das Scheitern der Lieblingsmannschaft betrachtet wird. Wir lassen heute das typische Fußballbier einfach mal gut sein und geben FÜNF! Favoriten der Redaktion bekannt, die jeden Fan-Abend erst so richtig perfekt machen.

Es beginnen wieder diese Wochen: Alle zwei Jahre regiert König Fußball in Deutschland für einige Tage uneingeschränkt. Das gilt auch für die Gespräche in der MIXOLOGY-Redaktion. Und sogar jene Angehörigen, die sonst nichts für die schönste Ballsportart der Welt übrig haben, wissen: Ums Fußballschauen kommt im Sommer 2016 kaum jemand herum. Das schöne daran: Es muss mitnichten immer Bier sein. Daher geben heute FÜNF! Mitglieder des MIXOLOGY-Teams ihren ganz persönlichen Favorit preis, wenn es um die flüssige Begleitung der Laola geht. Olé!

1) Daiquiris statt Doppelpass 

Der Ball ist rund, ein Spiel hat 90 Minuten und in meinen Blender passen 1,8 Liter. Tatsächlich ist der letzte Fakt dieser Aufzählung der spannendste für mich. Denn Fußball spielte bei mir noch nie eine große Rolle. Eine Lieblingsmannschaft gibt es nicht. Und ich selbst bin ein wirklich schrecklicher Kicker, den man besser nur ins Team wählt, wenn man eigentlich gleich zum Trinken übergehen möchte und einen Korb voll Limetten, Zuckersirup und Rum am Spielfeldrand hat. Denn, ob nun geselliger Abend, Grillfest oder Fußballfieber im Flatscreen, der Pitcher Daiquiri läuft bei mir in der Startelf mit auf.

Dem schönen Umstand der Europameisterschaft ist einzig geschuldet, dass man ihn dann mit vielen Freunden teilen kann und wieder öfter in die Verlegenheit kommt, einen solchen zuzubereiten. Am liebsten übrigens nach ganz klassischem Verhältnis, mit dem weißen Rum aus dem Hause Tiki Lovers – aber einen winzigen Hauch mehr auf der süßen Seite. Ab Runde zwei interessiert mich dann vielleicht auch, wer Europameister wird. Alternativ könnten wir aber gern auch noch bis zum 16. September warten und dann zum DEL-Saisonauftakt zu Eishockey und Bier umschalten? — Christian Kopp, MIXOLOGY-Autor und Redaktionsassistent

2) Französische Verlockungen

Festhalten: Ich bin gar kein Fußball-Fan. Daher bewegt mich die EM folglich nicht besonders – jetzt ist es raus! Trotzdem werde ich auch diesen Sommer nicht um das eine oder andere sogenannte „Public Viewing“ herumkommen, denn das wird in den paar Wochen EM-Zeit zu einer Art völlig legitimer Abendgestaltung.

Meistens habe ich da nicht die Wahl und muss mich an heißen Sommerabenden in den einschlägigen Lokalitäten mit Riesenleinwand an warmem Bier oder mittelmäßiger Weinschorle festhalten. Hätte ich aber die Wahl – dann würde ich mich für einen French 75 entscheiden. Weil ich Champagner sehr mag. Weil Frankreich ja auch Gastgeberland ist. Das hat sich sogar bis zu mir herumgesprochen. — Sarah Liewehr, MIXOLOGY-Redakteurin

3) Frankophile Flucht

Im Gegensatz zu meinen Vorrednern mag ich Fußball. Aber ich finde ja nichts schlimmer als Public Viewing – diese leutselige Stadionheuchelei. Und das Schauen von Fußballspielen in Kneipen kann ich noch weniger begreifen: Warum sich mit vielen aufgebrachten Menschen einen überfüllten Raum teilen, irgendwo zwischen Heizkörper und Küchentür noch einen freien Hocker finden, schlechtes Bier trinken und dabei ab und an einen Blick auf die untere linke Bildschirmecke erhaschen. Da ist die heimische Couch wesentlich verlockender – und die Drinks schmecken dort meist auch besser.

Passend zum Gastgeberland wird dann in der Heimbar ein Vieux Carré gerührt, gern auch für Freunde mit ähnlicher Kneipenfußballaversion. Der stammt zwar nicht wirklich aus Frankreich, dafür aber aus der barhistorisch wichtigsten französischen Exklave – den French Quarter in New Orleans/Louisiana. Und mit Cognac und Bénédictine ist er ja auch wirklich ziemlich frankophil. Ein weiterer Vorteil des Heimgenusses: Wenn dann irgendwann im Turnierverlauf – vielleicht ja gar im Finale – der Müller den Gastgebern ein Tor reinmüllert, habe ich auch genügend Platz um meinen Drink abzustellen. Dann hat man auch schließlich beide Hände zum Jubeln frei. — Nils Wrage, MIXOLOGY-Chefredakteur

4) Trotz Cristiano Ronaldo: Port Tonic

Fussball schreit nach Bier, so wie der Ball ins Tor muss. Das gilt am Platz (nur finanzschwache Vereine locken zur Weinverkostung auf die VIP-Tribüne), aber auch vor der Glotze. Weil man Dogmen nicht hinterfragt, traut sich auch kaum ein Gastgeber sagen, wie mühsam das ist. Der Mann, der alle zehn Minuten aufstehen muss und zwecks Nachschub-Logistik gern einmal Tore verpasst, kennt nämlich nur zwei Varianten: Entweder wird von den Jungs roboterhaft alle 30 Sekunden getrunken oder das Bier wird schal. Die Faustregel: Je spannender das Match, desto mehr raucht das Getränk aus. Weil man die Hände zum vors Gesicht-Schlagen braucht, die Nägel zum Kauen und die Arme zum Rudern.

Also kriegt die Waldi Hartmann-Begleitung (Weiß-)Bier die Gelbe Karte und wir gehen’s analytisch wie Günter Netzer an: Genug Menge für 90 Minuten, Aufputsch- und Trostgehalt-Garantie, aber auch leichter Alkohol, um am Ende noch „You’ll Never Walk Alone“ zu grölen, sind gefordert. Ergo schlägt die Stunde des vorgefertigten Port Tonic, der weiße Portugiese wird dazu gleich in die 1,5 Liter-Flasche gepackt und auf Eis gelagert. Wer’s ganz patriotisch will, schnippelt noch Obst und Gemüse in Fan-Farben hinein: Schwarze Olive, Erdbeere und Pfirsich, dann klappt der „‘Schland“-Sprechchor selbst in der Verlängerung. — Roland Graf, MIXOLOGY-Autor

5) Waldmeister, Europameister

Blicke ich aus meiner Schreibklause im Wald, zeichnet sich der Oderbruch ab, dahinter Polen, unser schönster Gegner in der Gruppenphase bei der EM in Frankreich. Senke ich den Blick, erkenne ich ein kleines Beet mit wildem Waldmeister. Dieses Labkraut, bekannt durch die Maibowle oder – völlig rufzerrüttend – durch die Berliner Weiße, ist magisch. Es operiert als Heilpflanze gegen dämonische Kräfte und ist seit Jahrhunderten als Würzpflanze in Gebrauch. Das ist seinem Inhaltsstoff Cumarin geschuldet, der auch die Tonkabohne attraktiert.

Warum ich das erzähle? Dieser Meister des Waldes, oder auch „Möschen“ oder „Möseke“ genannt, wirkt gerinnungshemmend. Wer also bei der EM vor Aufregung einem Schaganfall nahe ist, nehme das Kraut ein – am besten als Beigabe in einem Gin&Tonic. Ein wahres Tonikum in der Hitze des Gefechts. Während ich meinen Gin&Tonic mit getrocknetem Waldmeister trinke, fällt mir ein weiteres Namensgleichnis ein. Er wird auch als Erstling und Anführer bezeichnet: Weltmeister, Waldmeister, Europameister. – Markus Orschiedt, MIXOLOGY-Autor und ehemaliger Chefredakteur

Credits

Foto: Caipirinhas und Fußbälle via Shutterstock.

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