Karussell der Nacht

Karussell der Nacht II

Bars 23.3.2015

Panta rhei. Alles fließt. In der zweiten Ausgabe des „Karussells der Nacht“ präsentieren wir wieder aktuelle Personalwechsel innerhalb der flüssigen Branche. In dieser Ausgabe mit Nachrichten aus San Francisco, München, Berlin, Frankfurt und Hamburg.

Die Dynamik der Bar- und Spirituosenbranche ist faszinierend. Sie unterliegt einem ständigen Wechselspiel aus Stillstand und rasanter Fluktuation, aus Beständigkeit und radikalen Brüchen. Wir verfolgen für Sie, wohin es die bekannten Gesichter der Bar- und Getränkeindustrie verschlägt, wer sich selbstständig macht und welche neuen Sprossen der Karriereleiter von den Protagonisten der Branche erklommen wurden.

So zum Beispiel von Alexandre Ricard. Seit vielen Jahren als Managing Director des Vertriebsnetzes im Familienunternehmen Pernod Ricard tätig, übernahm er im Februar den Posten des Geschäftsführers von Pierre Pringuet. Ein Schritt, der lange geplant ist und bereits seit 2012 feststeht.

Der Ruf der Heimat: bei Campari wandelt’s sich

Wesentlich überraschender hingegen sind die jüngsten Meldungen aus der Münchener Campari-Niederlassung. „Nach 33-jähriger Tätigkeit in der internationalen Spirituosenbranche, davon zuletzt 15 Jahre bei Campari Deutschland“, resümiert PR & External Affairs-Direktor Heiko Fabian, „verabschiede ich mich zum 1. April 2015 in den vorzeitigen Ruhestand.“ Nach Marketing-Stationen unter anderem bei Bacardí, Borco und zuletzt eben Campari, freue er sich nun vor allem auf die selbstbestimmte Zeit, möchte jedoch „keinen Moment missen.“

Einen neuen Schreibtisch in der deutschen Firmenzentrale von Campari bezieht dafür Kathleen Schuart. Die gebürtige Deutsche ist bereits seit 2006 im Konzern und verantwortete zuletzt die Rolle des Senior Marketing Directors bei Campari America in San Francisco. Ab dem 1. April nun übernimmt die wassersportbegeistete Schuart von München aus die Position der Marketing-Direktorin für die Gruppo Campari in Deutschland und trinkt den von ihr so geliebten Aperol Spritz mit Freunden in der isarstädtischen Sonne.

Von Rot zu Wacholder – Axel vor dem Berge bei Clockers

Nach nur einem knappen Jahr im Dienst des roten Bitters hingegen hat der Wahlhamburger Axel vor dem Berge das Unternehmen verlassen. Der ehemalige Bezirksleiter für Nightlife und Event wechselte von Campari zu Clockers und bekleidet dort künftig das Amt des Gin-Ministers & Vertriebsleiters, wie er sagt. „Szenebewusstsein und ein Näschen für Hotspots sowie junge Marken und dynamische Märkte standen schon immer im meinem persönlichen Fokus“, erklärt vor dem Berge weiter.
„Daher hatte ich auch von den ersten Pop-Up-Phasen der Clockers Bar, bis hin zur festen Niederlassung im Herzen von St.Pauli, durchgehend engen Kontakt zu den Machern.“ Und dieses familiäre Umfeld, kurze interne Wege, Kreativität und Flexibilität seien für ihn letztlich auch die Gründe zum Wechsel gewesen.

Verstärkung bei Gin Sul

Gekommen, um zu bleiben, ist auch Paul Brusdeilins. Der ehrgeizige 21-jährige hat vor Kurzem seine Abschlussprüfung zum Destillateur mit Bestnote bestanden und steht seit dem an der Brennblase der Altonaer Manufaktur von Gin Sul.

Dass sich dabei die Wege von Geschäftsführer Stephan Garbe und Jungbrenner Brusdeilins überhaupt kreuzten, war ein schöner Zufall, wie er selbst sagt. „Wir ticken sehr ähnlich und sind beide besessen von unserem Job und der Liebe zum Gin“, schwärmt Brusdeilins, der sich schon früh der Kombination von Handwerk, Pioniergeist und Leidenschaft bei Spirituosen zugewandt hat. „Ich habe neben der Schule angefangen bei Oldesloer Korn zu jobben, und als mir dann ein Ausbildungsplatz angeboten wurde, habe ich kurzerhand mein Abi geschmissen und die Destillateurslehre begonnen“, erklärt er.

Zurückblickend der eindeutig richtige Schritt. „Man muss immer auf sein Herz hören“, fasst es Paul Brusdeilins grinsend zusammen und verrät, dass er sich um die Qualitätskontrolle vom Gin Sul am liebsten selbst kümmert. Abends. Am Tresen.

Ein „neuer“ Tresen für Marian Krause

Dem Tresen von trinkender Seite nähert sich künftig auch Marian Krause öfter. Der Kölner Bartender, im vergangen Jahr zum Newcomer des Jahres bei den MIXOLOGY BAR AWARDS gekürt, hat seine bisherige Wirkungsstätte, das ebenfalls Award-gekrönte Spirits, zum 1. März dieses Jahres verlassen.

Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Laura Zöllter widmet er sich nun in vollem Umfang seinem neuen, eigenen Unternehmen ShakeKings. Eine Idee, die Marian Krause seit zwei Jahren beschäftigt und im vergangen Jahr konkrete Formen annahm. „Wir haben im letzten Jahr endlich eine geeignete Location im Stil der Prohibitionszeit gefunden“, schwärmt er und erklärt „Nun steht die Weiterentwicklung der Barkultur von Deutschland national und international im Vordergrund. ShakeKings ist ein Competence Center für Interessierte, Bartender und Nerds. Je nach Themenbereich haben wir entsprechende Kurse vorbereitet.“

Das nötige Handwerk dafür perfektionierte der junge Kölner in dreieinhalb Jahren hinter der Bar des Spirits. „Hier habe ich fast alles gelernt, was ich heute weiß und vieles darüber hinaus“, resümiert Krause. „Heute kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass das Spirits eine der besten Entscheidungen meines Lebens war. Genau wie jetzt unser neues Projekt hier in Köln. Die Barkultur ist einfach unser Leben und dieses Gefühl möchten wir möglichst vielen Menschen vermitteln.“

Tequila im Herzen: Mathias Noori Brand Ambassador für Patrón

Das Vermitteln sieht auch der Frankfurter Mathias Noori als eine seiner zukünftigen Herkulesaufgaben. „Ich liebe Tequila und möchte so viele Menschen wie möglich mitnehmen“, gesteht er als neuer Brand Ambassador für Patrón Tequila. Der zur Bacardi-Markenfamilie gehörende Agavenbrand entwickelt sich derweil kontinuierlich positiv.

Bereits mehr als 2,1 Millionen Cases à neun Liter wurden 2013 weltweit abgesetzt. Für den seit Februar im Dienst der Agave stehenden Noori ein großer Ansporn: „Patrón war für die Kategorie Tequila schon in den Staaten der Wegbereiter in die Gläser eines breiten Publikums und ich freue mich auf die Herausforderung, die Menschen hierzulande für einen exzellenten Agavenbrand zu begeistern.“ Dabei, so verspricht der ehemalige Roomers-Bartender, „werde ich selbstverständlich auch immer wieder hinterm Brett zu finden sein.“

Einmal über den Ärmelkanal: Christina Schneider nun in London

Hinter neuem Tresen, in völlig neuer Stadt wird künftig auch Christina Schneider wieder zum Shaker greifen. Schluss mit Paris. „Dass ich weg wollte, war klar“, gesteht sie. „Der Dreck, die Gewalt, die Kriminalität, der Sexismus. Das ist gerade als Frau einfach kein Ort, an dem Du leben willst“, schildert sie ihre Eindrücke weiter.

Wohin also, lautete die Frage. Die Staaten sein zu streng mit Blick auf Einreise- und Arbeitsgenehmigung, Berlin viel zu lasch mit der „unerträglichen Rauchsituation“ für Bartender. Keine Chance. Was dann? „London hat Sinn gemacht“, erklärt Schneider, „und ist neben New York die Cocktailweltstadt.

Dazu kam die Chance, in einer Bar zu arbeiten, die ich sehr mag“. Glücklich sei sie wieder. So spielt sie jetzt die Klaviatur der Nacht als Head-Bartenderin im Happiness Forgets und schwärmt: „Es macht so unglaublich viel Spaß richtig gute, unprätentiöse Drinks für Menschen zu machen, die genau das fordern und zu schätzen wissen.“

Schluss mit Party? Cordula Langer tauscht Charlottenburg gegen Prenzlauer Berg

Wieder mehr Zeit für die Gäste wollte auch die Berliner Bartenderin Cordula Langer haben. Und so verließ sie mit einem lachendem und einem weinenden Auge die Monkey Bar im 25h-Hotel am Zoo. „Die Zeit dort war wirklich schön und die Bar wird auch immer eine bleiben, die ich gern besuche“, resümiert sie und erinnert sich gern an ihr Team zurück: „was da geleistet wird, muss einfach honoriert werden.“

Und dennoch wünscht sie sich persönlich wieder „mehr Zeit zum Empfehlen, zum Reden mit den Gästen und sie nach ein paar Besuchen auch wieder zu erkennen.“ Entschleunigung also, vereint mit exzellentem Service – das Wichtigste in ihrem Job, wie sie uns verrät. Und so erfüllt sich Cordulas Wunsch vom spannenden Wissensaustausch und mehr als Zeit am Gast fortan in ihrem neuen Job als Bartenderin in der Berliner Bryk Bar im Stadtteil Prenzlauer Berg.

Sie haben Nachrichten für das Karussell der Nacht? Wir freuen uns über Tipps und Informationen zu Personalwechseln an: christian@mixology.eu

 

Photo credit: Autos bei Nacht via Shutterstock

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