Der Negron. Geheimnisvoller Zauber.

Geschichte 3.7.2012 5 comments

Hierzulande ist der Negron als Cocktail relativ unbekannt. Auf Barkarten sucht man ihn oft vergebens und selbst in der MIXOLOGY-Redaktion kannte ihn nicht jeder. Zeit sich also dem geheimnisvollen Cocktail der kubanischen Santeria zu widmen und herauszufinden, wie viel Magie darin steckt.

Der Negron ist keineswegs der große Bruder des Negroni. Keine italienischen Grafen, kein Gin, kein Buchstabe I. Viel mehr ist er ein Drink mit spirituellen Wurzeln aus Kuba, zu bestimmten Ritualen von den Anhängern der Santeria getrunken. Die Santeria ist eine afrokubanische Mischreligion und vereint christliche Elemente mit den animistischen Religionen Afrikas. Mit verschiedenen Opferkulten, Wahrsagungen, Trancetänzen und geheimen Mythen erscheint sie für viele animalisch, unverständlich und erinnert, da keine Abgrenzung zur Magie erfolgt, teilweise an Voodoo.

Den, mit dem Glauben der Santeria verwachsenen, Negron weiß man aber auch außerhalb der religiösen Gemeinschaft zu schätzen. Touristen, ohnehin auf der Karibikinsel hofiert, wird der Drink gern zur Erfrischung geboten. Und Straßenstände in Havana bereiten ihn für Eilende auch frisch und „to go“ zu.

Grundzutat ist, wie könnte es anders sein, ein weißer kubanischer Rum, der zusammen mit Limettensaft, Honig, Basilikum und Soda zu einem gefälligen Cocktail an warmen Sonnentagen zubereitet wird und beweist, dass es im kommunistischen Kuba nicht nur Mojito für alle gibt. Entscheidend für das ausbalancierte Aroma des Negron sind die frischen Zutaten. Das Basilikum, das auf Kuba wächst, ist kleinblättrig und relativ würzig. Der beste Ersatz dafür ist das in Deutschland mittlerweile recht gut erhältliche Thai-Basilikum. Der Honig bestimmt die Süße. Je nach persönlichem Gusto kann mit mildem oder kräftigerem Honig gearbeitet werden. Zauberei und Schwarzer Magie bedarf es aber keiner.

 

Negron

5 cl weißer kubanischer Rum

2 cl Limettensaft

2 – 3 BL Honig

3 – 4 Zweige Thai-Basilikum

4 cl Soda

Glas: Highball

Garnitur: Basilikum

Zubereitung: Das Basilikum mit Soda, Honig, Rum und Limettensaft ins Glas geben und mit einem Stößel leicht andrücken. Mit Eiswürfeln auffüllen.

 

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Cocktailian, das umfassende Handbuch der Bar für Profis, Einsteiger und Connaisseure entschlüsselt anhand von 13 Key Cocktails die Cocktail-DNA. Dieser erste Band der Cocktail-Enzyklopädie vermittelt auf 528 Seiten alles Wissenswerte rund um die Welt der Cocktails, von den wichtigsten klassischen Rezepturen bis zu den modernsten Arbeitstechniken.

Der zweite Teil der Cocktailian-Serie, “Cocktailian Rum & Cachaça” befasst sich mit der Geschichte und Herstellung von Zuckerrohrdestillaten und den daraus entstandenen Mischgetränken. An Cocktailian 1 und 2 haben neben dem Autoren-Trio Jens Hasenbein, Bastian Heuser und Helmut Adam führende internationale Bar- und Cocktailexperten wie Angus Winchester, Gary Regan, Ian Burrell, Jeff “Beachbum” Berry, Jared Brown und Anistatia Miller als Gastautoren mitgewirkt.

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5 comments

  1. Joerg Meyer

    Vielen Dank für einen „neuen“ Drink. Auch ich reihe mich ein in die Reigen der bisher Unwissenden und freue mich auf einen Test

    Ich habe eine Frage, da mir das aus dem Text nicht ganz hervor geht: Die Rede ist von spirituellen Wurzeln – und, da hier nicht tiefer gegraben wird, meine Frage: Hat der Drinks auch „geschichtliche“ Wurzeln?

    Ist dieser Drink „historisch“ – sprich ein Rezept, was sich schon in früherer Literatur fand? Damit meine ich nicht nur Cocktail Bücher (Die meisten alten Kubanischen zu denen ich Zugang habe, habe ich gerade durchblättert und diesen Drink nicht gefunden) sonder auch andere Quellen (Zeitung etc).

    Google ist hier keine große Hilfe. Es gibt ein paar wenige Texte zum Drink auf Reise Blog etc bis maximale 2009 zurück und ein, zwei Verbindungen zur Académia del Ron. Ansonsten finde ich hier nichts.

    Meines Wissens gibt es eine Bar in Alt Havana mit dem Namen EL NEGRON – gibt es hier eine Verbindung? Woher hat Cocktailian diesen Drink für das Buch?

    Probieren werde ich den Negron – und würde mich freuen, etwas mehr Hintergrund Informationen zu bekommen.

    Danke & Gruß

    Jörg Meyer

    __

    P.S. Ich möchte mir einen Kommentar zu der schwungvollen Formulierung „…zu einem gefälligen Cocktail an warmen Sonnentagen zubereitet wird und beweist, dass es im kommunistischen Kuba nicht nur Mojito für alle gibt. “ erlauben.

    Ich glaube kaum, das es im Kubanischen Kommunismus Mojitos für alle gibt.
    So ein „schönfärben“ hat nichts mit der Sache zu tun.

  2. Thomas Domenig

    Wenn der Drink „mit dem Glauben der Santeria verwachsenen“ sein soll, dann dürfte es ja keine Erfindung der letzten 20 Jahren sein, denn eine Aufnahme eines Getränks in die Riten eine Religion bedarf dann doch wohl etwas mehr Vorlaufzeit. Da die Santeria, laut den verlinkten Internetquellen, erst in den 1990ern wieder aufkommen konnten, muss die Inkarnation (um den spirituellen Worten des Textes weiterhin gerecht zu bleiben) dieses Drinks also vor der kommunistischen Revolution liegen. Honig als Süßungsmittel hat ja eine lange Tradition im karibischen Raum. Verwundernswert, dass er es im dem Goldenen Zeitalter des touristischen USA-Kuba-Austauschs nicht den Sprung auf den Kontinent geschafft hat und offenbar auch nicht in den lokalen Barbüchern der Cantineros aufscheint. Ist es daher dann vielleicht doch eine Neukreation jüngster Mixology, gewürzt mit einer netten Bartalk-Anekdote? Wäre wirklich spannend zu erfahren …

  3. Bodo Heinrich

    Rezept habe ich auch erst in Cocktailian entdeckt und vor über einem Jahr in Barkarte aufgenommen. „Erklärungsbedürftig“ am Gast. Wer Negron probiert hat, bestellt immer wieder diesen wunderbaren Drink.
    Gruß
    Bodo

  4. Bastian Heuser

    Der Negron ist mir auf meiner Kuba-Reise vor gut zwei Jahren vorgestellt worden und ist so auch im Cocktailian gelandet. Unter Leitung von Michael Menegos besuchten wir dort eine Art alternative Kunst-Begegnungsstätte wo inmitten von Installations- und Kleinkunst auch Santeria-Messen gefeiert werden. Dort stellte man uns den Negron als spirituellen Drink vor (ursprünglich übrigens mit Aguardiente zubereitet). Ich habe Michael Menegos kontaktiert, um noch weitere Hintergrundinformationen zu bekommen und melde mich gern, wenn ich mehr weiss.

  5. Derda

    Ich habe den Negron ebenfalls während eines Urlaubs in Havanna kennengelernt. Mir wurde erklärt er wurde in der Universität das erste mal gemischt. Das Orginalrezept beinhaltet wohl auch noch zusätzlich Cola. Somit sollte die Vereinigung der dunkelhäutigen und hellhäutigen Bevölkerung dargestellt werden. Denn auch in Kuba wurden die Schwarzen lange diskriminiert und mussten beispielsweise viel höhere Studiengebühren bezahlen…
    Das ganze kann natürlich nur eine Geschichte sein, aber interessant ist es trotzdem

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