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City of London Distillery – do Gin yourself

Nur einen Steinwurf von der gewaltigen Kuppel von St. Paul’s Cathedral entfernt, im historischen Zentrum von London, entsteht Gin. Allerlei Gin.  Einerseits die sorgsam abgestimmten Produkte der City of London Distillery, andererseits die kühnen Eigenkreationen der Teilnehmer der Destillier-Kurse.

1825 schloss der letzte Gin-Hersteller in der City of London seine Pforten, jener berühmten „Square Mile“, auch „The City“ genannt. Das ursprüngliche London zwischen Westminster, Themse und Hackney, heute insbesondere als Finanzhandelsplatz und durch seinen besonderen Verwaltungsstatus bekannt.

Zwischen Botanical-Ebbe und Neubegin(n)

Alles neu in 2012. In diesem Jahr eröffnete die Destillerie mit angeschlossener Bar ihre Pforten. In einer schmalen Gasse, nicht weit von Blackfriars, führt eine Treppe vorbei an dem berühmten Gin-Lane-Bild von William Hogarth und hinunter in eine sehr hübsche Bar mit langem Tresen, grünen Wänden sowie Holz- und Ledermöbeln im intimen Club-Look. Dazu eine massive Glaswand, hinter der die Destillationsapparate kupfern und stählern glänzen.

Vom Tellerwäscher zum Destillionär

Munter, gewitzt und mit einer Portion Schlitzohrigkeit begrüßt Betreiber Jonathan Clark die Gäste, die zur Destillerie-Führung oder zum Destillier-Kursus kommen. Launig berichtet er von seinen Anfängen als Tellerwäscher, just in genau diesen Räumlichkeiten – entsprechendes Waschbecken hat er trotz vieler Umbauarbeiten konserviert. Er erzählt von seiner Laufbahn zum erfolgreichen Gastronom mit mehreren Betrieben und berichtet von einem strengen Schreiben der City-of-London-Verwaltung.

Die heutige Location hatte er verpachtet und wusste nicht, dass sein Mieter mit spärlich bekleideten Damen und frivolen Darbietungen darin zugange war. Die „City“ zeigte sich „not amused“ und forderte, das obszöne Treiben zu beenden. Clark überlegte, was er mit den Räumlichkeiten anstellen solle und kam auf die Idee einer Bar mit angeschlossener Destillerie. Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nichts von den Kosten von 20.000 Pfund, die alleine für das Panzerglas fällig wurden, welches vom Bauamt eingefordert wurde, um die Brennbottiche vom Schankraum zu trennen.

Wem gehört St. Paul’s?

„32,50 Pfund kostet mein City of London Dry Gin. Genau dieser Betrag stand auf meinem ersten Gehaltsscheck vor zig Jahren“, erklärt der Besitzer. Die Flasche ist hübsch und zeigt einen Kartenausschnitt mit der City of London, durch die man auf eine Skyline mit St. Paul’s blickt. Hübsche Flasche? Dieser Meinung waren damals nicht alle Beobachter. Gab es doch seiner Zeit einen Gin des Familienunternehmens Hayman’s mit dem Namen „City of London Gin“, auf dessen Flasche eine Skyline mit der Kathedrale von St. Paul’s Cathedral zu sehen war. Zufall? Kalkül? Immerhin wird der COLD (City of London Distillery) Gin tatsächlich in jener City hergestellt — was für den Hayman’s nicht zutraf.

Der Gin ist angenehm klassisch gehalten, also mit deutlichen Wacholdernoten. Dazu gesellen sich Koriander, Angelika, Lakritz und dezente Zitrusnoten. Mr. Clark kann es sich nicht verkneifen, ausgiebig auf neumodische, insbesondere auf deutsche Gins zu schimpfen, die mit traditionellem Gin in seinen Augen nicht viel zu tun haben.

An die Töpfe, fertig, los!

Nun übergibt der Chef an Luke Shackleton, der die Teilnehmer durch die Gin-Herstellung führt und bei der Auswahl und Menge der Botanicals anleitet. Dutzende Zutaten stehen zur Verfügung. Shackleton hat die Aromate in Gruppen sortiert und beschreibt ihre Funktion, den möglichen aromatischen Effekt und empfiehlt die angemessene Dosierung. Seine ruhige Art ist sehr angenehm, auf jegliche Art von Fragen geht er ernsthaft und mit viel Sachverstand ein.

Die Teilnehmer hantieren mit ihrer Waage und messen ihre jeweiligen Zutaten sorgfältig ab. Anschließend geht es hinter das Panzerglas, wo sieben Mini-Destillationsapparate warten. Jeder trägt den Namen eines der sieben Zwerge. Nun geht es an die Themen Vorlauf, Mittellauf und Nachlauf, die Botanicals werden beigemengt und am Ende wird das fertige Destillat mit Wasser auf Trinkstärke herab verdünnt. Insgesamt sind die Nachwuchs-Destillateure ca. 2 ½ Stunden zugange, bevor ihre fertigen Destillate in die Flaschen kommen, mit individuellen Etiketten versehen und mit Wachs versiegelt werden. Die verschiedenen Rezepturen werden in der City of London Distillery archiviert, damit jeder im Bedarfsfall seinen individuellen Gin erneut anfertigen lassen kann.

Gin-Legende im Unruhestand

Zufällig besuchte MIXOLOGY ONLINE die City of London Distillery an einem ganz besonderen Tag, denn ein neuer Gin ist in Vorbereitung. Neben dem Dry Gin gibt es bereits einen kraftvollen „Square Mile London Dry Gin“, einen Sloe Gin und einen Old Tom Gin, der exklusiv für das Dorchester Hotel gebrannt wird. Nun kommt ein weiterer Gin hinzu, der kurz vor der Vollendung steht. Wir durften die finalen drei Varianten verkosten, bei denen die Dosis der Orange noch abgestimmt wird. Dieser neue Gin entsteht gemeinsam mit einer Legende der Gin-Kultur: Tom Nichol.

Dieser bemerkenswerte Master-Distiller verantwortete 42 Jahre lang die Entwicklung und Herstellung von Tanqueray Gin. Wenn eine Person hervorzuheben wäre, die im besten Sinne beste Qualität und höchsten Anspruch an Gin verkörpert, dann müsste es fraglos Tom Nichol sein. Im Sommer 2015 in den wohlverdienten Ruhestand entlassen, war seine erste Amtshandlung als Pensionär, nach Kentucky zu reisen, um dort einen neuen Gin zu kreieren. Nun stellt er sein Wissen und seine Erfahrung der City of London Distillery für das neue Projekt zur Verfügung.

Na Sowas — eine Delle im Flaschenboden!

Zufällig trafen zudem die Prototypen der Flaschen für diesen Gin ein. Kleine Details daran wirken seltsam vertraut. Woran erinnert nur diese Rundung im Flaschenboden? Eine Zitruspresse? „Natürlich nicht!“ schmunzelt Jonathan Clark schelmisch. „Wie jeder deutlich erkennt, handelt es sich um die Kuppel von St. Paul’s.“ Wieder die Frage: Zufall? Kalkül? Oder eine Hommage an ein großes Gin-Vorbild?

Wie dem auch sei. Nun ist es an der Zeit, die selbst gemachten Gins der Workshop-Teilnehmer zu verkosten. Alle sind sehr unterschiedlich, die Vielfalt der geschmacklichen Möglichkeiten fasziniert und macht Lust auf mehr. Mittlerweile hat sich auch die Bar gefüllt und talentierte Bartender bereiten Cocktails und Gin & Tonics zu. Ein großartiger Treffpunkt für Gin-Enthusiasten, die sich hier durch über 200 Gin-Sorten trinken können.

Die City of London Distillery ist einen Besuch wert. Als Bar, als Schulungsort und als forsche Stätte des Gin-Entrepreneurtums. Wir sind auf die nächsten Projekte gespannt!

Credits

Foto: St. Paul's Cathedral via Shutterstock.

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