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Der Philadelphia Fish House Punch. Flüssiges Anglerglück.

Die Abende werden wieder kürzer und damit die Verweildauer an Spree, Alster und Isar. Wer in den verbleibenden Schönwettertagen trotzdem noch einmal den Grill einpackt und die letzten Sonnenstrahlen genießt, möchte dabei seine Freunde vielleicht mit einem Punsch erfreuen. Wir empfehlen den Philadelphia Fish House Punch.

Warum nicht den Traditionen einer Gemeinschaft folgen, die es seit beinahe 300 Jahren gibt? Dass sie noch heute existiert zeigt ja in irgendeiner Form, das sie durchaus eine Daseinsberechtigung hat. Vor allem, wenn es im vordergründig etwas so Banales ist wie ein Angelclub. Ein Angelclub von Gentlemen mit dem Zweck, gemeinsam zu angeln, zu essen und zu trinken.  Das unter den Gründungsmitgliedern dieses Angelvereins durchaus Namen zu finden sind, die eine politisches Gewicht erreichen sollten, dürfte weniger am Club gelegen haben, als daran, dass Philadelphia die Hauptstadt der noch sehr jungen Vereinigten Staaten war.

Ganz abgesehen davon war der Gründungsort am Schuylkill Fluss für kurze Zeit nach der Revolution ein eigener amerikanischer Staat. Daher auch der spätere Name „State of Schuylkill Fishing Club“. Auch der erste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, George Washington, war ein Ehrenmitglied dieses Anglervereins.

Prominentes Opfer

Die Legende berichtet, dass er im Clubhaus eines Tages eine Ration des Clubgetränks probierte und sein Tagebuch daraufhin eine dreitägige Pause an Notizen aufwies. Ob dies der Wahrheit entspricht, sei dahingestellt, wir können aber sagen, dass der Philadelphia Fish House Punch durchaus zu den stärkeren Getränken gezählt werden kann. Beim Genuss sei also Vorsicht geboten.

Aber zurück zum Grillabend unter freiem Himmel. Wenig wird Freunde so erfreuen wie ein vorbereiteter Drink, den sich alle teilen können und der etwas anderes bietet als lauwarmes Bier oder Wein aus der Flasche. Wer das Rezept also zubereitet und in Flaschen abfüllt, benötigt vor Ort lediglich ein wenig Eis und ein Glas oder einen Becher für jeden Gast. Man kann dies dann eher profan gestalten wie bei Sugarhouse vorgeschlagen oder auf die edle Variante zurückgreifen, die das Long Island Pulse Magazine präsentiert. Sollte man den Punch aber in einem großen Gefäß servieren, ist darauf zu achten, auch einen entsprechend großen und passenden Eisblock zum Kühlen zu benutzen. Eiswürfel würden den Punsch zu schnell verwässern.

Original und Schöpfung

Das wahre Rezept des Anglervereins gilt als gut gehütetes Geheimnis. Das an dieser Stelle präsentierte wurde aus dem Jerry Thomas Bartender‘s Guide entnommen. Ted Haigh, vielleicht besser bekannt als Dr. Cocktail, veröffentlichte im Imbibe Magazine eine andere Variante. Bei dieser wird das unten genannte Rezept durch grünen Tee und Maraschino ergänzt. Sicherlich einen Versuch wert, ebenso wie die Variante mit Eis, bei der Pfirsich und Thymian zusammen zu Eiswürfeln gefroren werden. Man darf dies selbstverständlich probieren, auch wenn David Wondrich in seiner Esquire-Kolumne strikt vom Zusatz von Kräutern oder Ähnlichem abrät.

Da der Trend in letzter Zeit eher vom Punsch wegführt, als ihn wiederbelebt, haben wir das Rezept auf die Zubereitung für eine Person heruntergerechnet. Wer aber seine Freunde überraschen möchte, rechnet die einzelnen Zutaten einfach auf die Anzahl der zu Bewirtenden wieder hoch. Während viele Artikel im Internet den Rum im Mengenverhältnis über den Cognac stellen bevorzugt Thomas eine Menge an Cognac die der doppelten Menge Rum entsprach. Auf diesen Punkt geht leider keiner der Artikel ein. Eine mögliche Erklärung dieses Umstands könnte sein, dass es verschiedene Versionen gab, je nachdem was gerade zur Verfügung stand. Ähnlich dem Prinzip der Früchte der Saison musste man sich in der Vergangenheit oft damit arrangieren das nicht immer alles vorrätig war und musste daher improvisieren. Eine andere Interpretation wäre, dass der erhöhte Cognacanteil den Drink etwas leichter macht was die würzigen Aromen angeht. In der kalten Jahreszeit wären diese würzigen Aromen hingegen durchaus willkommen und man hat dementsprechend die Mengenverhältnisse angepasst.

 

Philadelphia Fish House Punch

(adaptiert aus „Bartender‘s Guide or How to Mix Drinks“ von Jerry Thomas, 1887)

1,5 cl Jamaika Rum

3 cl Cognac

1,5 cl Pfirsich Eau de Vie

3 cl Zitronensaft

2 cl Demararzuckersirup

Glas: Tumbler

Garnitur: Zitronenzeste

Zubereitung: Alle Zutaten in den Shaker geben, mit Würfeleis füllen und kräftig schütteln. In ein vorgekühltes Gästeglas auf Würfeleis abseihen.
 
 
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