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Von Granatapfel bis Lavendel: Fünf einfache Cocktail-Sirups zum Selbermachen

Zucker gehört in praktisch jeden Cocktail. Punkt. Allein, woher er kommt, ist dabei oft die eigentliche Gretchenfrage. Sirup genießt in diesem Fall oft einen dubiosen Ruf. Dabei kann der böse Bube, der sein schlechtes Image den Missetaten der 1980er und 1990er verdankt, auch ganz hervorragend zu einem großen Drink beitragen. Wir haben fünf Vorschläge für grandiose Cocktail-Sirups zum Selbermachen zu Hause.

Es wäre übertrieben zu behaupten, Sirup sei auch so eine Art „Gold der Bar“. Diesen Ritterschlag mag man anderen Zutaten vorbehalten. Trotzdem hat das dickflüssige Zuckerwasser an jedem Tresen seinen festen, unbestreitbaren Platz. Und auch hier hat sich in den letzten Jahren vieles getan. Fand man noch vor einer Dekade in beinahe jeder noch so guten Bar dieselben immergleichen Flaschen der wenigen großen Hersteller, so gehört die Herstellung hausgemachten Sirups mittlerweile zum Grundlagenrepertoire jedes guten Bartenders.

So hat sich auch sein Ruf gewandelt. Stand Sirup früher (und auch heute bisweilen) oft für synthetisch riechende Kopfschmerzkatalysatoren, sehen mehr und mehr Menschen ihn an der Bar heute wieder als eine Zutat, die — fast wie eine Spirituose — zwei wunderbare Eigenschaften in sich vereint: Sirup konserviert und er transportiert Aromen. Es ist Zeit, einmal fünf einfache Sirup-Spielarten zu präsentieren, die ziemlich einfach auch in jeder Küche, und somit für jede Heimbar, zubereitet werden können.

Die Sirup-Standardbasis

Vorneweg: Den Anfang macht in den meisten Sirup-Situationen ein Ansatz aus Zucker und Wasser im Verhältnis 2:1 (wir gehen von 1 kg Zucker und 500 g Wasser aus, das Wasser ggf. vor der Verarbeitung filtern). Einfach unter gelegentlichem Rühren aufkochen, bis der Zucker komplett gelöst ist. Danach nur noch für wenige Minuten bei sehr leichter Hitze weiter simmern lassen, um das Produkt komplett zu homogenisieren. Wichtig dabei: sämtliche Arbeitsutensilien müssen wirklich sauber sein — schon geringste Verunreinigungen im Kochgeschirr verbleiben im Sirup und bieten dem enthaltenen Zucker Gelegenheit, Kristalle auszubilden.

1) Granatapfelsirup

Richtig, Granatapfel-Sirup. Nicht Grenadine. Das, was sich unter jenem Namen meistens in der Flasche findet, hat nämlich mit Granatäpfeln so viel zu tun wie Capri-Sonne mit Orangensaft. In industrieller Grenadine finden sich diverse (oft künstliche) Aromen, die frischen Früchten ziemlich fern sind, das alles meist gefärbt mit Rote-Bete-Extrakt oder ähnlichem. Dabei ist es so einfach!

Variante 1) Wer es sich einfach machen will, der gibt die gründlich zerdrückten Kerne von 2 bis 3 reifen Granatäpfeln in 500 ml des leise köchelnden Grundsirups und lässt das Ganze eine Viertelstunde ziehen. Nach dem Abseihen hat man ein mehr als anständiges, fruchtig-karamelliges Ergebnis. Wer es richtig krachen lassen will, geht einen anderen Weg.

Variante 2) Das Innere (auch Teile der weißen Pulpe können mit rein) mehrerer Granatäpfel mit einem Pürierstab mittelfein durchziehen und die Masse durch ein Sieb streichen (nicht unbedingt ein weißes Hemd tragen!). Aus reifen, hochwertigen Früchten lässt sich so auch ohne Entsafter bis zu 150 ml Saft pro Frucht gewinnen. Saftmasse abwiegen, die doppelte Menge Zucker bereitstellen. Den Saft aufkochen und einige Minuten reduzieren lassen (das hilft auch dabei, eventuelle „gemüsige“ Bei-Töne zu beseitigen). Dann den Zucker in den köchelnden Sirup einrühren, bis alles aufgelöst ist. Das Ergebnis ist ein tiefrubinroter, leicht trüber Sirup, dessen marmeladig-würzige Aromen und kräftige, saftige Säurestruktur alles in den Schatten stellen, was man im Handel kaufen kann. Wer es pikant mag, gibt vor dem Pürieren eine Chilischote mit ins Fruchtfleisch. Dann haben wir einen Granatapfel-Chili-Sirup. Beide Varianten sind eine Offenbarung!

Zutaten für Granatapfelsirup:

2-3 reife Granatäpfel
weißer Kristallzucker
Wasser
Pürierstab
Sieb

2) Vanillesirup

Der gute, alte Vanille-Sirup — das Gespenst aller Coffee-Shops — genießt unter Bartendern einen ebenso grausigen Ruf wie Grenadine. Auch hier gilt: das selbstgemachte Rezept ist mit dem gekauften nicht vergleichbar. Für die o.g. Menge Sirup einfach zwei Vanilleschoten längs aufschneiden und das Mark mit einem Messerrücken herausschaben. Mark und Schoten in den köchelnden Sirup geben, kurz mitkochen und danach noch rund eine Stunde beim Abkühlen ziehen lassen. Nach dem Filtern die beiden Schoten unter klarem Wasser spülen und diese in den fertig abgefüllten Sirup geben und dort noch einige Tage weiter mazerieren lassen, um das Aroma zu intensivieren.

Noch besser wird die zweite Ladung: Die ausgelaugten Schoten nach dem Herausnehmen trocknen und in 1 kg Zucker lagern, diesen Zucker täglich durchmischen. Die Schoten geben noch immer extrem viel Aroma ab. Diesen Vanille-Zucker verwenden Sie für den nächsten Ansatz, der ansonsten gleich zubereitet wird. Das Ergebnis wird nochmals weit intensiver sein.

Zutaten für Vanille-Sirup:

2 Vanilleschoten
weißer Kristallzucker
Wasser
Filtertuch

Auch Lavendel ist eine großartige Option in Drinks

3) Lavendelsirup

Die eingangs erwähnte Basis des Sirups aus Zucker und Wasser im Verhältnis 2:1 ansetzen – viel mehr ist für einen Lavendelsirup gar nicht mehr nötig. Den Topf vom Feuer nehmen und 5-6 gehäufte Esslöffel getrocknete Lavendelblüten (Drogerie, Feinkostgeschäft, Wochenmarkt oder Apotheke) lose in den heißen Sirup geben und etwa 15 Minuten ziehen lassen. Wer besonders gründlich sein will, zerstößt die Blüten vorher grob. Am Schluss einfach erst durch ein Sieb und anschließend durch ein Mulltuch filtern und in eine saubere Flasche füllen.

Zutaten für einen Lavendelsirup

getrocknete Lavendelblüten (Drogerie, Feinkostgeschäft, Wochenmarkt oder Apotheke)
weißer Kristallzucker
Wasser
Sieb
Mulltuch

4) Tee-Sirup

Sirup aus schwarzem Tee ist eine hervorragende Möglichkeit, um beispielsweise Old Fashioneds zu variieren – aber auch in sämtlichen klassischen Punch-Strukturen oder deren Variationen spielt Tee eine wichtige Rolle. Dabei ist es erstaunlich, wie selten sie einem bis heute an der Bar begegnen. Vor allem kräftige Assam-Blends oder der geräucherte Lapsang-Souchong eignen sich dafür hervorragend. Die Herstellung eines Tee-Sirups ist sogar fast noch einfacher als die bisher genannten Varianten.

Man bereite aus hochwertigem Tee (nur lose Blätter!) nach Herstellerangabe einen 500 ml starken Aufguss. Wichtig ist hier, nur eine kurze Ziehzeit anzusetzen, damit sich möglichst wenig Tannine aus dem Blattwerk lösen, die den Tee zu bitter werden lassen. Es gilt der Grundsatz, lieber etwas mehr Teeblätter zu verwenden, damit trotz kurzer Ziehzeit die gewünschte Intensität erreicht wird. Die geringste Tannin-Konzentration erreicht man durch eine mehrstündige Kaltextraktion des Tees, vergleichbar der Zubereitung eines Cold-Brew-Kaffees.

Nach dem Abseihen den Tee in einen Topf geben und mit 1 kg Zucker auf der Herdplatte heiß halten. Den Zucker dabei kontinuierlich einrühren, bis er vollständig gelöst ist. Variationen sind hier übrigens durch die Wahl der Zuckermischung möglich. Experimente mit braunem Zucker oder Kandis sind erlaubt, allerdings nur in Teilen, da man sonst Gefahr läuft, das zarte, komplexe Aroma des eigentlichen Produktes zu überlagern.

Zutaten für einen Tee-Sirup

Schwarztee (z.B. Assam-Blends, geräucherter Lapsang-Souchong)
Wasser (weiß, aber auch mehrere möglich)
Zucker

5) Kaffee-Sirup

Kaffee begegnet dem geneigten Barfly meist in Form von Espresso oder aber Likör. Eine gute Möglichkeit zur Herstellung eines Kaffee-Sirup ist die mittlerweile sehr bekannte Cold-Brew-Methode. Hierbei wird der Kaffee hochkonzentriert und in kalter Form extrahiert. Der große Vorteil dabei ist eine enorme Aromendichte bei nur geringer Bitterkeit — wie gemacht als Ausgangsprodukt für einen aromatischen, komplexen Sirup.

Für 500 ml Cold-Brew-Kaffee 50-60 g des gewünschten Kaffees mittelgrob mahlen und mit 500 ml kaltem Wasser in einem Gefäß vermischen. Zugedeckt rund 24 Stunden ziehen lassen und anschließend filtern. Den entstandenen Cold Brew in einem ausreichend großen Gefäß mit 1 kg Zucker vermischen und so lange mit dem Schneebesen verrühren, bis sich ein Großteil des Zuckers gelöst hat. Das dauert ein wenig, aber Hitzezufuhr würde die filigrane Aromenstruktur des Kaffees gefährden. Den Ansatz einige Stunden ziehen lassen und erneut umrühren. Beschleunigen kann man den Vorgang durch Schütteln in einem verschließbaren Gefäß. Am Ende dieser Mühe steht dafür ein Kaffee-Sirup, der bar jeder Erwartung liegt. Und Koffein ist auch noch drin!

Zutaten für einen Kaffee-Sirup

50-60 g mittelgrob gemahlener Kaffee
Zucker
Wasser
Filtertuch

Credits

Foto: Aufmacher: Margarita Zueva via Unsplash; Bild Lavendel: Nordwood Themes via Unsplash

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