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Fünf Fakten über Corn Whiskey

Bourbon, Rye, Tennessee, Wheat, White Dogs oder sogar Corn. American Whiskey hält zunehmend Einzug in den anspruchsvollen Barbetrieb und die Vielfalt der Stile und Qualitäten nimmt stetig zu.

Mais – also „Corn“ – bildet meist das Herzstück der Destillate. Corn Whiskey bildet dabei womöglich die ursprünglichste Variante des amerikanischen Whiskeys. Dabei stark unterschätzt und unbekannt.

1) Amerikanische Farmer im Moonshine

Bei der Besiedelung Amerikas spielte der Mais eine gewichtige Rolle. Die Böden in Virginia und Kentucky erwiesen sich als äußerst geeignet und die Pflanze wuchs rasch und pflegeleicht. Die Siedler wurden mit großzügigen Landgeschenken gelockt und erhielten dabei die Auflage, Mais anzubauen. Nur allzu rasch stellte sich heraus, dass jener auch eine Grundlage zum Bierbrauen bilden kann. Und – noch besser – zum Destillieren.

Teilweise galten strenge Auflagen und Verbote zur Alkoholherstellung, daher machten die Farmer sich erst im Mondschein an ihre verbotene Tätigkeit, was den Whiskeys jener Zeit den Beinamen „Moonshine“ einbrachte. Die Heim-Destiller wurden „Moonshiner“ genannt.

Der Begriff wurde zur festen Redewendung beim illegalen Brennen von Alkohol. Manche Whiskyfachleute nutzen den Begriff auch, wenn sie von Whiskey sprechen, der nicht in Holzfässern reifte. Wobei hierzulande die Bezeichnungen „White Dog“ oder „New Make“ häufiger Verwendung finden.

2) Prozente, Gesetze, Prozente

Die gesetzlichen Regelungen für amerikanischen Whiskey sind sehr streng, die Regularien erscheinen arg komplex und verwirren viele Schreiber. Ständig begegnen dem aufmerksamen Leser Fehlinformationen zu dem, was eine Whiskeygattung als Merkmale vorsieht und was die Aufschriften auf dem Etikett bedeuten. Corn Whiskey trägt weiter zur Verwirrung bei.

Bekannt ist in der Regel die Tatsache, dass Bourbon oder Rye Whiskeys aus mindestens 51 % Mais (Bourbon) oder Roggen (Rye) bestehen müssen und in neuen, ausgekohlten Eichenfässern reifen müssen. Eine Mindestdauer bei der Lagerung gibt es, entgegen vielfach anderslautenden Berichten, nicht. Allerdings ist es naheliegend, dass es aufgrund des hohen Aufwands und Preises der Fässer kaum oder selten lohnt, einen Whiskey nach einer Lagerzeit von nur wenigen Monaten auf den Markt zu bringen. Lagerte das Destillat mindestens zwei Jahre, enthält keine Zusatzaromastoffe oder Färbung, so darf (muss aber nicht) es sich als „Straight Bourbon“ bezeichnen. Jeder Straight Bourbon, der weniger als vier Jahre im Fass lagerte, muss die Dauer der Lagerzeit auf dem Etikett benennen.

Corn Whiskey muss aus mindestens 80% (nicht 81%, wie oft geschrieben wird) Mais bestehen.

3) Faszinierende Fassfragen

Corn Whiskey muss nicht gelagert werden. Wenn er aber eine Fassreifung erfährt, so unterscheidet sich diese von allen anderen amerikanischen Whiskeystilen, deren Fassreifung allesamt in neuen, ausgebrannten Eichenfässern erfolgen muss.

Corn Whiskey darf so nicht gelagert werden. Die Fässer dürfen zuvor gebraucht worden sein. Wenn die Lagerung in neuem Holz erfolgt, so darf dieses nicht ausgebrannt sein. Dies gibt den Herstellern die Möglichkeit, mit dem Destillat zu experimentieren und allerlei auszuprobieren. Die bewährte Marke „Mellow Corn“ aus der Heaven Hill Distillery trägt auf dem Etikett einmal den Zusatz „Straight Kentucky Corn Whiskey“ und ist somit mindestens zwei Jahre gelagert.

Ebenfalls findet sich die Aufschrift „Bottled in Bond“. Dieser Zusatz bedeutet in etwa „Abgefüllt unter Zollaufsicht“ und sollte historisch eine staatliche Qualitätskontrolle garantieren, gegenüber den zahlreichen gepanschten und mit Jod oder Tabak eingefärbten, minderwertigen Produkten jener Tage. Die Aufschrift garantiert, dass der Inhalt mindestens vier Jahre gereift ist, mit exakt 100 Proof abgefüllt ist und keine Zusätze enthält, außer reinem Wasser. Es muss das Produkt einer einzelnen Destillerie sein, hergestellt unter dem selben Master Distiller im selben Jahr. Das Etikett muss die Destillerie nennen und, falls abweichend, den Ort der Abfüllung.

Merke: Corn Whiskey soll nach Mais schmecken, nicht nach Holz.

4) Corn zwischen Retro und Avantgarde

Einen Hauch von Huckleberry-Finn-Atmosphäre verströmt dieses ursprüngliche amerikanische Destillat. Barfuß liegt man im hohen Gras, kaut auf einem Strohhalm herum und betrachtet verträumt die Vögel im blauen Himmel über dem Mississippi River. Wer schlau ist, hat zudem etwas zum Trinken mitgebracht.

Historische Komponenten, die auf Tradition, Geschichte und Handwerk verweisen sollen, sind gerade sehr populär. „Craft“ als atmosphärischer Fachbegriff einer handwerklichen Machart, auf dem verstaubten Dachboden wiedergefundene Rezepturen oder Etiketten im Jungendstil- oder Westerndesign verstärken die Strahlkraft der Produkte.

Gerade im Corn-Whiskey Bereich haben sich einige Hersteller ein Packaging für ihr Produkt einfallen lassen, welches als kurioser Hingucker hervorragend dient. Der O’Donnell Moonshine und der Georgia Moon Corn Whiskey kommt in der sogenannten „Mason Jar“ daher. Eine Art Weckglas, nur mit Schraubverschluss, das ursprünglich zur Nahrungsaufbewahrung eingesetzt wurde.

Der O’Donnell Moonshine darf nicht den Zusatz „Whiskey“ tragen, da er mit unter 40% ABV abgefüllt ist. Georgia Moon betont den jungen, frischen Charakter mit der Aufschrift: „Weniger als 30 Tage alt“.

Der Platte Valley 100% Straight Corn Whiskey aus Missouri kommt in einer Tonkaraffe daher, wie man sich bei den Alkoholschmugglern der alten Tage sehr gut vorstellen mag. Und auch der Mellow Corn trägt ein altmodisches und historisierendes Etikett mit Absicht und Stolz.

5) Die neuen Hersteller

Insbesondere die Craft-Hersteller von Destillaten in den USA entdecken den Corn Whiskey neu. Sein frischer Geschmack ohne allzu starke Holznoten macht ihn für Whiskey-Liebhaber ungewöhnlich und interessant. Für Cocktails eignet sich Corn dann, wenn man eine Whiskey-Drink-Variante einmal ohne allzu starke Röst-, Holz- und Vanillenoten zubereiten möchte. Auch für Infusionen, beispielsweise mit Bacon, eignet sich dieses Destillat sehr gut.

Der Southern Corn Whiskey aus South Georgia errang bereits zahlreiche Auszeichnungen. Der Roughstock Sweet Corn Whiskey aus Montana möchte amerikanische Geschichte in die Flasche zaubern und verwendet 100 Prozent Mais und keine Fassreifung. Hudson Whiskey schuf den New York Corn Whiskey. Ungereift und ohne Kohle- oder Kältefiltration. Sie nennen ihr Produkt “Der Alpha-Hund aller White Dogs” und empfehlen ihn für eine komplette Neuentdeckung des Manhattan und Old Fashioned. Wenn das nicht neugierig macht.

Und wie schrieb der Whisk(e)y-Guru Jim Murray: „Wenn du ein wahrer Student des Whiskeys sein möchtest, dann ist deine Ausbildung bei Weitem noch nicht abgeschlossen, bevor du diesen besonders charmanten Stil gemeistert hast.“

Credits

Foto: Mais un Lupe via Shutterstock. Postproduktion: Tim Klöcker.

Comments (2)

  • Florian

    Liebes Mixology Team ich bin verwirrt, ihr schreibt hier Fakten fest dass Corn Whiskey zu 80 Prozent, und nicht wie oft geschrieben zu 81 Prozent Mais bestehen muss, schreibt jedoch in der aktuellen Printausgabe selbst von 81 Prozent?!

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  • Peter Eichhorn

    Es ist zuweilen verwirrend. Die Prozent- und Altersangaben bezüglich der amerikanischen Whiskeys verwirren oft Händler, Leser, Importeure und Verfasser von allerlei produktbezogenen Texten. Bei Bourbon, Rye etc. gilt eine Formulierung mit 51 %, das wird vermutliche bei Corn immer wieder falsch übernommen. Die korrekte Formulierung im Gesetzestext lautet: „….no less than 80 Percent corn grain… “ Nachzulesen sind die genauen Regularien der USA hier: https://www.law.cornell.edu/cfr/text/27/5.22

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