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Inventur am 13. März – „World’s 50 Best“ schließt russische Bars aus

Es ist keine gute Zeit für Vodka. Mittlerweile dauert der russische Krieg in der Ukraine mehr als einen halben Monat. Aber bereits Stunden nach dem Einmarsch Putins in sein Nachbarland begannen die ersten Bars damit, russischen Vodka aus ihrem Programm zu nehmen. Nur wenige Tage dauerte es, dann waren russische Produkte auch bei fast allen großen deutschen Einzelhändlern aus den Regalen verschwunden.

Eine Herausforderung stellt das auch für deutsche Firmen dar, die seit Jahren russische Vodkas importieren und vertreiben. In einem großen Beitrag zum Thema haben der freie Autor Johannes Möhring und unser Chefredakteur Nils Wrage die aktuelle Lage zusammengefasst, mit den maßgeblichen Importeuren gesprochen und auch die potentiellen Entwicklungen der nächsten Monate beleuchtet. Schauen Sie doch mal rein, den gesamten Artikel finden Sie hier. Für alle, die keine Lust auf Vodka haben, blicken wir wie gewohnt auf die Nachrichten der gastronomischen Woche.

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World’s 50 Best Bars schließt russische Bars aus – und erntet viel Kritik

So hatte man sich das beim prestigeträchtigen Format „World’s 50 Best Bars“ wohl nicht vorgestellt: Mitte der Woche gaben die Macher u.a. über Instagram bekannt, dass russische Cocktailbars in diesem Jahr aufgrund der russischen Invasion in der Ukraine von jeglicher Berücksichtigung in der begehrten Rangliste ausgeschlossen würden. So weit die Lage.

Die Reaktionen aus der internationalen Community hingegen sind alles andere als wohlwollend. In hunderten von Kommentaren auf Social Media gehen teils sehr bekannte Barbetreiber von überall aus der Welt hart mit World’s 50 ins Gericht. Der zentrale Vorwurf: Bars seien ein Ort der Freiheit und vor allem frei von Politik, daher sei es falsch und unfair, russische Bars von der Vergabe zu disqualifizieren. Überdies sei der erschlagende Großteil der führenden russischen Barbetreiber:innen bekanntermaßen modern denkend, liberal und ausdrücklich gegen den Krieg von Präsident Wladimir Putin. Die Rangliste von World’s 50 Best Bars wird jedes Jahr im Herbst verliehen. Zu den Vorwürfen hat sich das Unternehmen, das zur William Reed Ltd. gehört, noch nicht geäußert.

Guide Michelin 2022 für Deutschland bekanntgegeben

Und noch eine wichtige Preisverleihung. Wer den Kalender der gehobenen deutschen Küche kennt, der weiß: Frühjahrszeit ist Sternezeit ist Debattenzeit. Stets um Anfang März herum nämlich gibt der Guide Michelin seine neue Auswahl der besten Restaurants in Deutschland heraus – immer natürlich heiß diskutiert und mit vielen Vorwürfen an die Herausgeber, denen u.a. traditionell Intransparenz in der Bewertung vorgeworfen wird. So auch wieder diese Woche.

Die wichtigste Änderung 2022 ist wohl die Herabstufung des Restaurants „Vendôme“ auf Schloss Bensberg: Viele Jahre hielt die dortige Küche unter Joachim Wissler die Höchstwertung von drei Sternen, wurde im neuen Guide aber auf „nur“ zwei Sterne herabgesetzt. Ein anderer „Dreisterner“ wiederum ist neu hinzugekommen, das „Schanz“ im rheinland-pfälzischen Dorf Piesport. Damit gibt es in Deutschland neun Restaurants mit der Höchstwertung, insgesamt listet der Guide Michelin diesmal 327 Restaurants mit ein bis drei Sternen.

Zehn „Female Founded“ Getränkemarken

Eine schöne Liste hat The Spirits Business diese Woche anlässlich des Weltfrauentags am 8. März zusammengestellt. Darin versammelt das Portal zehn der wichtigsten Getränke- und Spirituosenmarken, die von Frauen gegründet worden sind und bis heute von ihnen geführt werden. Denn auch die Spirituosenbranche ist, wie die Bar, bis heute ein stark männlich dominierter Wirtschaftszweig.

Zwar ist die Auswahl stark auf den angelsächsischen Raum konzentriert, macht aber viel her: Darunter finden sich so spannende Protagonistinnen wie Becky Harris, Gründerin von „Catoctin Creek“, oder Fawn Weaver, die durch die Arbeit mit ihrem Tennessee Whiskey „Uncle Nearest“ zu einer der führenden Spirituosen-Aktivistinnen in Sachen Gleichberechtigung und Diversität geworden ist. Einzig Schauspielerin Eva Longoria, die an der realen Entstehung und Produktion „ihres“ Tequilas „Casa del Sol“ wahrscheinlich nicht wirklich beteiligt ist, hätte man unserer Meinung nach zugunsten einer anderen Gründerin außen vor lassen können.

Österreichisches Bier „Mohrenbräu“ zieht weiter Kritik auf sich

Die österreichische Biermarke Mohrenbräu zieht seit längerer Zeit viel Kritik auf sich. Der Grund: Einerseits der Name, der eine alte, heute als herabsetzend empfundene Bezeichnung für Menschen mit dunkler Hautfarbe verwendet. Andererseits wird diese Anspielung unterstrichen durch das Flaschen-Etikett, auf dem die Silhouette eines Kopfes zu sehen ist, der stereotype Züge eines dunkelhäutigen Menschen zeigt – ungefähr in der Art, wie sie oft in älteren Comics dargestellt werden.

Aufgrund der Kritik hatte die Brauerei mit dem Slogan „Das Vorarlberger Bier“ einen umfangreichen Umgestaltungsprozess angekündigt und durchgeführt. Der ist allerdings, so scheint es, am Ende nicht besonders umfangreich geworden: Während mehrere Marken in den letzten Jahren teils gar ihren alten Namen aufgrund rassistischer Konnotationen geändert haben, bleibt Mohrenbräu auch weiter Mohrenbräu. Und auch das besagte Konterfei bleibt auf der Flasche erhalten, wenn auch in entschärfter Form. Dabei hätte man zumindest eine Umbenennung in „Mohr-Bräu“ andenken können (der einstige Gründer im 18. Jahrhundert hieß Johann Mohr). Die Werbe-Fachplattform W&V geht näher auf den Fall ein.

Credits

Foto: Everett Collection – shutterstock.com

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