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Inventur

Inventur am 19. Januar – das Problem mit Pechuga Mezcal & endlich wieder mehr Pubs in Großbritannien

Läuten wir unsere heutige Wochenschau mit einer schönen Meldung ein, denn in der britischen Gastronomie gibt es tolle Neuigkeiten. Wie mittlerweile überall bekannt ist, erlebt das Vereinigte Königreich seit Ewigkeiten ein erschreckendes Pub-Sterben. Viele Mahner und Beobachter sehen darin den Verlust eines wichtigen kulturellen Gutes auf der Insel, denn der Pub gehört als sozialer Raum einfach dazu.

Nun also die versprochenen guten Nachrichten: Wie die britische Statistikbehörde in ihrem aktuellen Bericht angibt, ist die Zahl der kleinen Pubs und Bars (solche mit weniger als 10 Mitarbeitern) 2019 zum ersten Mal seit eineinhalb Jahrzehnten wieder gestiegen. Angesichts einer Gesamtzahl von knapp 23.000 Pubs ist das Wachstum um sage und schreibe 85 zwar kein Erdrutsch – aber dennoch ein schönes Signal. Wir öffnen uns darauf ganz un-mindful ein erfrischendes Sonntag-Nachmittag-Guinness und schauen uns die News der Woche an.

»Klare Gedanken« bei Farthofer

Ein besonderes Event beschert uns zum Jahresanfang die großartige Destillerie Farthofer im niederösterreichischen Öhling: Dort lädt Brenner Josef Farthofer, nicht zuletzt auch bekannt durch seine Mitarbeit im Freimeisterkollektiv, am 28. Januar erstmals zum Kongress Klare Gedanken, einem »Zukunftsforum« für Spirituosenexperten.

Im Fokus stehen dabei unterschiedlichste Themen der Spirituosenszene, es geht um Trends und Tendenzen, es soll diskutiert werden und natürlich werden Vorträge gehalten – u.a. auch von MIXOLOGY-Herausgeber Helmut Adam oder unserem langjährigen Autor Roland Graf, aber auch von Lukas Werle aus der innovativen Wiener Bruder Bar. Und natürlich steigt auch der Gastgeber selbst aufs Rednerpult. Das Symposium ist offen für Bartender, Fachhändler, Sommeliers und Journalisten. Und obwohl die offizielle Voranmelde-Frist bereits verstrichen ist, haben wir auf Nachfrage erfahren, dass man sich nach wie vor unter [email protected] registrieren kann.

Das Problem mit Pechuga Mezcal

Mezcal ist nicht gleich Mezcal, das wissen wir bereits seit Langem. Neben der dominierenden Agavensorte „Espadín“ und weiteren reinsortigen Abfüllungen gibt es mit der Unterkategorie „Pechuga Mezcal“ noch eine Variante, die mit besonders kraftvollen Aromen punktet. Dafür werden bei der Destillation traditionell Gewürze und Fleisch wie z.B. Hühnerhaut oder Hühnerbrust (pechuga bedeutet „Brust“) zur Maische gegeben. Das Ergebnis ist ein Mezcal mit sehr komplexen, deftigen und mitunter durchaus fordernden Aromen.

Gleichzeitig sind Pechuga Mezcals für viele Brenner eine Gelegenheit, sich besonders zu profilieren und gerade bei Kennern Beachtung zu finden. Allerdings sind sie aufgrund ihrer oft sehr aufwendigen Herstellungsweise natürlicherweise limitiert und kostenintensiv. Dennoch erweitert sich dieses Untersegment aktuell immens, was die Kollegen von PunchDrink zur Frage bringt, welche Probleme mit diesem Wachstum verbunden sein könnte. Ein toller Beitrag mit Einblicken zwischen Hammelknochen, Mole-Gewürz, Kaninchenfleisch und Iberico-Schinken.

Schottischer Gruppenzwang oder Lust an der Geselligkeit?

Gut, wirklich überraschend ist das nicht, aber in Form von Zahlen untermauert natürlich immer eine Spur verlässlicher: Fast jeder kennt den Umstand, dass man in Gesellschaft tendenziell ein Gläschen mehr trinkt, als wenn man allein ist oder lediglich mit dem Partner auf einen Drink ausgeht.

Eine von Spirituosengigant Diageo in Schottland durchgeführte Studie mit 1.000 Befragten bestätigt u.a. diese „gefühlte Wahrheit“ jetzt. Demnach tendieren knapp zwei Drittel der Befragten dazu, in geselliger Runde grundsätzlich mehr Alkohol zu trinken als in anderen Situationen. Die Ursachen sind vielfältig, wie Diageo Scotland angibt, aber auch der klassische Gruppenzwang spiele darin eine Rolle. Mehr Details kennt man bei The Spirits Business.

Schwarzwaldstube: Nicht mehr wie früher

Für die internationale Kulinarikszene war es eine absolute Hiobsbotschaft, für die deutsche Spitzenküche eine Schreckensmeldung, die tief ins Mark ging: In der Nacht auf den 5. Januar zerstörte ein verheerender Brand die „Schwarzwaldstube“ im Hotel Traube Tonbach. Damit ist das sozusagen dienstälteste deutsche Drei-Sterne-Restaurant (seit 28 Jahren hält man höchste Michelin-Weihen) vorerst Geschichte. Auch die beiden anderen Restaurants des Hauses wurden durch das Feuer zerstört.

Für die Welt am Sonntag hat Annette Prosinger einen schönen, würdigenden Nachruf auf die Schwarzwaldstube geschrieben, der seit wenigen Tagen auch bei Iconist zu lesen ist. Moment mal, ein Nachruf? Dabei hat doch die Hotelleitung schon zu Protokoll gegeben, dass man das Restaurant wieder aufbauen und neu eröffnen werde. Stimmt, sagt Prosinger, doch ebenfalls merkt sie an: Es wird dann nicht mehr so sein wie vor dem Brand.

Credits

Foto: Shutterstock

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