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The Wash Bar Berlin setzt auf Pre-Batched Cocktails

The Wash Bar: Pre-Batched Cocktails in Berlin-Mitte

Mit The Wash Bar haben die Betreiber der Sharlie Cheen und Pawn Dot Com Bar eine dritte Bar in Betrieb genommen. Ebenfalls in Berlin-Mitte, stehen hier Pre-Batched Cocktails im Mittelpunkt. Wir haben uns die neue Bar in der Brunnenstraße angesehen.

Es gibt im Großen und Ganzen zwei Arten, wie Bars entstehen: Mit einem Konzept, das einen Raum findet. Oder einen Raum, der ein Konzept findet.

The Wash Bar ist eindeutig zweiteres. Hier ist das Konzept dem Raum gefolgt. Auf diese Weise gehen wiederum häufig Leute vor, die bereits Gastronomien betreiben. Die nicht unbedingt auf eine weitere Expansion gelugt haben, die dann aber – so wie Dustin Render in diesem Augenblick – in ihren neuen Babys am Tresen sitzen und Sätze beginnen mit: „Eigentlich wollten wir ja keine neue Bar aufmachen, aber dann …“

Pragmatiker in Berlin-Mitte

Ja, aber dann! Dann sieht man einen Raum und denkt ganz einfach: „Geiler Raum!“ So ging es Render und seinem Partner Marius Döring, als sie im vergangenen Jahr in der Brunnenstraße 163 standen, wo sich bis dahin das Tarantino’s befunden hatte, das der jahrelange Betreiber aus persönlichen Gründen abgegeben hatte. „Dann haben wir zugesagt. Eigentlich Irrsinn, aktuell noch eine Bar aufzumachen“, erklärt Dustin Render.

Einerseits Irrsinn. Andererseits wissen die beiden auch, was sie machen, denn mit dem Sharlie Cheen und der Pawn Dot Com Bar tun sie es schon sehr lange. Ihre neue The Wash Bar befindet sich in Fußnähe zu ihren beiden anderen Bars. Sie befindet sich jedoch bereits etwas mehr die ansteigende Brunnenstraße hoch, wo die breite Straße schnurgerade weiter Richtung Gesundbrunnen in den Wedding führt und bartechnisch die nächsten … gefühlt fünfzehn Kilometer nichts passiert.

Genügend abgeschieden, aber mit genügend Anbindung. So ergänzt die Wash Bar das Bar-Triangel der beiden um einen ruhigeren Faktor. Aber wiederum alles andere als zu ruhig. Render und Döring überlegen sich nämlich sehr genau, was sie machen. Sie sind keine Cocktail-Träumer, sondern gestandene Bar-Betreiber, die Konzepte den Orten anpassen. Um in Berlin-Mitte bestehen zu können und soziale Wellengänge zu überstehen, musst du wissen, dass du deine Bars nicht für dich machst. Sondern für einen Zeitgeist, der sich rascher wandelt als sonst wo. Und hier – das benennt Render ganz klar – auch bewusst für Touristen.

The Wash Bar setzt auf Pre-Batched Cocktails
The Wash Bar setzt auf Pre-Batched Cocktails

The Wash Bar

Brunnenstraße 163
10119 Berlin

Mo - Sa 18 bis open end

Ein bisschen Verruchtheit darf’s schon sein

Atmosphärisch ist die Bar jedenfalls zwischen Schick und Schalk eingereiht, auf den Bildern an den Wänden gibt es laszive Posen, auf großen Wandprojektionen wird Zigarettenrauch in die Luft geblasen, was jedoch die einzige Zigarette in der Nichtraucherbar bleibt. Farblich bleibt es dunkel und gediegen. Es gibt jedenfalls Bars, in die man geht und sofort weiß: „Könnte sein, dass ich heute die Zeit vergesse.“ Die Wash Bar ist so eine Bar.

Drinks unterstützen diese Frage nach der Zeit und dem Verlust ihrer Relativität. Auch hier fahren Render & Co. ein klares Programm. Der Fokus liegt auf Pre-Batched Cocktails, die großteils in optisch wirksamen Glasballons das Backboard bilden. „Der Laden fasst etwa 50 Plätze und ist so aufgebaut, dass man mit wenig Personal viel machen kann. Gleichzeitig haben wir kein Lager und wollen nicht wöchentlich Waren bestellen“, definiert Render.

Experimentiell, aber nicht verkopft

Ein weiterer Punkt, der für das Pre-Batching spricht: Aktuell hat die Bar nur an vier Tagen geöffnet, und „Erfahrungswerte haben gezeigt, dass wir viel Frischware wegschmeißen müssen.“ Also wird in der Produktion mit Sūpāsawā gearbeitet, auch wenn die eine oder andere Limette für einen frisch gemachten Daiquiri natürlich vorhanden ist. Im Pouring stehen Martin Miller’s Gin, Havana 3, Maker’s Mark und Koskenkorva Vodka. Ein „bisschen experimentiell, aber nicht verkopft“ nennt Render ihren Zugang für die Drinks, die allesamt zwischen moderaten 10-11 Euro gelistet sind.

So wie sie da schimmern in ihren farbigen Glasballons, kommt man durchaus auf den Gedanken, sie alle auszuprobieren. Denn am Ende ist es egal, ob zuerst der Raum da war oder das Konzept.

Im Idealfall verschwimmt es zu einem Ganzen. Und Zeit wird relativ.

Credits

Foto: The Wash Bar

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