Cocktails und Zigarren

Cocktails & Zigarren: Eine herausfordernde Kombination

Drinks 20.5.2017

Spirituosen wie Rum, Whisky oder Cognac gelten gemeinhin als geeignete Begleiter für Zigarren. Doch wie steht es um das Pairing von Cocktails und Zigarren? Die Idee ist nicht neu, ein Patentrezept für die perfekte Kombination gibt es allerdings nicht. Das Pairing muss harmonieren und den jeweiligen Geschmack der Konsumenten treffen. 

Die Welt der Zigarren, die Handwerkskunst in der Herstellung und die damit verbundene Genusskultur, ist ein eigener Kosmos. Zu den größten Produktionsländern zählen Kuba, die Dominikanische Republik, Nicaragua oder auch Honduras. Jedes dieser Länder bewahrt im landwirtschaftlichen Anbau unterschiedlicher Tabaksorten in Abhängigkeit von klimatischen und geologischen Bedingungen seine Eigentümlichkeit und besondere Bewirtschaftung, die unzählige Zigarrenstile zum Wohle und Glück ihrer Fangemeinde entstehen lassen.

Nicht nur Männer mögen die Kombination von Cocktails und Zigarren

Sehr oft und gerne wird der Konsum einer Zigarre zur Feier des Abends oder einzigartiger Momente mit Spirituosen wie Rum, Whisky, Cognac, Portwein oder auch Brandy und Champagner kombiniert. Schon hierbei fällt die Auswahl für ein passendes Verhältnis und ein übereinstimmendes Aromenspiel der delikaten Güter nicht leicht. Allgemein gültige oder für jedermann oder jederfrau – immerhin beträgt der Frauenanteil der Zigarrenklientel rund zehn Prozent – gleichsam perfekt abgestimmte Pairing-Regeln für das Genusserlebnis kann es aufgrund der Vielzahl und Mannigfaltigkeit innerhalb der Zigarren- und Spirituosenkategorien nicht geben.

Persönliche Vorlieben für das Paaren dieser starken Aromenträger stehen dabei im Vordergrund. „Wichtig und entscheidend ist, dass es schmeckt und die Aromen zueinander in einem ausgewogenen Verhältnis stehen und einander gegenseitig unterstützen“, findet der Zigarren-Kenner und -Liebhaber Christian Schroff von der Orientierbar in Hofheim außerhalb von Frankfurt.

Es gelte: Gleich und gleich gesellt sich gerne. Daher werde die Aromen-Wahrnehmung ausbalanciert, wenn trockene, erdige Zigarren mit trockenen Spirituosen kombiniert werden, leichte Spirituosen mit milden Zigarren und starke, kräftige mit ebenso kräftigen. Der Hofheimer Bartender mit Hut und natürlich Zigarre genießt am liebsten eine Maduro mit Rum oder einem Bourbon, eine kubanische Zigarre mit Scotch oder einem trockenen Havana Selection de Maestro und könnte sich vorstellen – ohne es ausprobiert zu haben – dass auch Mezcal ein guter Tabak-Rauch-Gespiele sein kann.

Gleich und gleich gesellt sich gern, auch beim Pairing von Cocktails und Zigarren

Auf jeden Fall sei es an der Zeit, die Kombinationsmöglichkeiten auch auf Cocktails auszuweiten, weil diese noch komplexer sind. Wenn Gäste in der Orientbar den Wunsch nach Kombinationen von Cocktails und Zigarren äußern, „dann bleiben sie eher im klassischen Bereich und verlangen zum Beispiel einen Manhattan oder Sazerac“, so Schroff, der diesbezüglich auch den Klassikern zugeneigt ist, im Sommer aber auch gerne eine schöne Mulata zu einer Macanudo Triple Maduro genießt.

Derya Akgün, Barmanager im Luzerner Grand Hotel National, empfiehlt in der Regel gerne Whisky- oder Rumqualitäten zu ausgewählten Zigarrenstilen, aber auch gelagerte Tequilas ohne Zitrone oder andere Zutaten. Von Cocktails mit frischen Früchten rät er ab, weil sich der Geschmack eines fruchtigen Cocktails in der Intensität leicht verändert. „Wenn es ein Cocktail zu einer Zigarre sein soll, würde ich eher zu einem Old Fashioned, Sazerac oder Manhattan tendieren“, teilt Akgün Schroffs Neigung zu Klassikern in Kombination mit Zigarren.

Ein Sazerac mit Cognac, Rye Whiskey, Absinth, Zucker und Zitronenzeste oder ein Old Fashioned mit dezenten Orangennoten und der Komplexität eines Whiskeys würden sich demnach gut mit einer kräftig-würzigen Cohiba Siglo II vertragen, findet Akgün, der selbst dem Kreise der Aficionados angehört, dadurch viel Eigenerfahrung in Sachen Pairings gesammelt hat und seinen Gästen ein Spektrum an Kombinationsmöglichkeiten eröffnet.

„Zu einer Romeo y Julieta Wide Churchill könnte ich sowohl einen Germana Cachaça mit leichten Holznoten im Abgang, einen Bruichladdich Laddie aus Islay, der die Zigarre nicht übertönt, oder einen Ron Millonario XO aus Peru mit Vanillenoten und leichter Süße empfehlen“, sagt Derya Akgün.

Ohne Affinität kein Pairing von Cocktails und Zigarren

Die Idee, Cocktails und Zigarren zu kombinieren, sei zwar nichts Neues, aber „nicht ganz so einfach“, weiß auch Thomas Huhn, Juror der MIXOLOGY BAR AWARDS und Manager der Bar des Baseler Fünfsternhotels Les Trois Rois. Der Barchef ist selbst Zigarren-Liebhaber. „Ohne eine gewisse Affinität dazu würde es nicht funktionieren, weder im Einkauf und in der Produktauswahl, noch im Verständnis für die beiden Kategorien und deren Zusammenspiel“, meint der Barchef, der im hoteleigenen Salon du Cigare ein 155 Stück reiches Zigarrensortiment mit Raritäten beherbergt und dazu unter anderem Rum-, Bourbon- und Rye Whiskey-Qualitäten bietet.

„Ich bewege mich gerne von dem weg, was die Leute wollen“, so der Bartender, der auch zu spannenderen Pairings wie mit gelagertem Gin auf Eis, Absinth oder Madeira Vintage anregt. Die Kombination von Cocktails und Zigarren ist eine sensorische Herausforderung und Thematik, an die sich nur wenige heranwagen. Denn im Gegensatz zu einem Cocktail, der mit der Zeit ein wenig runder wird, sich aber nicht verändert, verändern sich sowohl das Aromenspektrum als auch die Intensität einer Zigarre im Laufe ihrer bis zu 45 Minuten anhaltenden Rauchdauer. Eine perfekte Kombination sei ein äußerst schwieriges Unterfangen, zumal man die Cocktails eigentlich den aromatischen Zigarren-Etappen in drei Drittel anpassen müsste.

Große Zigarren, kleine Drinks

„Im besten Fall besteht ein Pairing von Cocktails und Zigarren aus mindestens zwei oder drei Cocktails“, so Huhn. „Dann müsste man auch die Cocktail-Größe anpassen und mit kleineren Mengen arbeiten“, gibt Huhn zu bedenken, der sich im Rahmen der Tour Gastronomique von Oettinger Davidoff im Restaurant Cheval Blanc des Les Trois Rois der neuen Herausforderung eines Zigarren-Cocktail-Food-Pairings gestellt hat.

„Ich habe für dieses Pairing bewusst sehr komplexe Produkte genommen, um möglichst viele Kombinationen zu treffen oder auch Gegensätze zu kreieren“, so Huhn, der unter anderem zu einem fruchtig-cremigen Dessert aus Hibiskusblüte und Pisco Sour und der von sechs europäischen Sterneköchen gemeinsam kreierten The Davidoffs Chefs Edition einen Beetroot Daiquiri mit einem Multi-Island Blend aus drei verschiedenen Rumstilen, einem Rote Beete-Geist, Ingwer Bitters, Limettensaft und Zuckersirup kreiert hat.

Photo credit: via Michael Stern/Wikimedia

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