FÜNF! Mal Cocktailmetropolen dieser Welt

Bars 21.8.2016

Vorne ist verdammt weit weg? Das mag für manche Städte gelten. Aber nicht für diese FÜNF! führenden Cocktailmetropolen. Es sind Städte, die aufgrund ihrer spezifischen Geschichte und Kultur, aber auch wegen ihrer kulinarischen Vielfalt punkten. Und ja: Auch eine deutsche Stadt ist dabei.

Der Bartender ist ein Arbeitstier. Er investiert viele Stunden in der Bar für Vorbereitung, Schicht und Aufräumarbeiten, er engagiert sich in Sachen Weiterbildung und besucht Workshops und Brennereien. Er widmet sich seinen Gästen oft in gleicher Form wie er über Warenkunde und Background-Facts persönlich in Eigenregie Informationen einholt.

Und wie das mit den Workoholics meistens der Fall ist, kann auch der Bartender nicht abschalten. Das beginnt mit der aktiven Freizeitgestaltung im Sinne von Barbesuchen bei Kollegen und hört mit der Urlaubsplanung in bekannte Cocktail-Metropolen auf. Der Bartender, ein Vagabund auf der Suche nach liquider Befriedigung? Möglicherweise. Viel eher aber jemand, der sich durch Besuche in bekannten Bars an oftmals exotischen Orten dieser Welt weiterbildet und hierdurch neue Konzepte kennenlernt. Ganz im Sinne einer Fortbildung 2.0 spielen wir heute Zentrale für liquide Bildung und Reisebüro zugleich. Denn mal ehrlich: Der August ist für viele von uns schließlich Reisemonat Nr.1.

1) Hongkong

Es ist verwunderlich und dennoch geschichtlich häufig auszumachen, wie territoriale Nähe zweier Autonomien unterschiedlichste Kulturen nicht auszuschließen vermag. So finden wir in Nord- und Südkorea zwei gänzlich einander fremde Welten, und haben selbst aus nächster Nähe vernommen, wie die Teilung eines Staates kulturelle Differenzen fördern kann. So hat Hongkong recht wenig mit der überaus konservativen Volksrepublik China gemein, außer einer Grenze und derselben Sprache. Ansonsten ist das ehemalige Protektorat Großbritanniens heute eine kontrastreiche Stadt mit historischer Bedeutung sowie auch Cocktailmetropole Ost-Asiens.

Antonio Lai mag mit seinen mittlerweile fünf Bars – von denen das Quinary und Ori-Gin die mit Abstand bekanntesten sind – noch immer als einer der ganz Großen der städtischen Bereicherungsakteure gelten. Doch neben diesen sich sehr auf das Arbeiten mit Küchentechnik spezialisierten Bars findet man noch eine Menge anderer Trinkstätten.

Da wäre zum Beispiel die Butler Bar, eine im japanischen Stil umgesetzte Bar mit hervorragender Whisky-Selektion, die auch die ein oder andere Rarität beherbergt. Eine weitaus weniger bekannte, aber ebenfalls sehr interessante Stätte des qualitativen Trinkens ist das 001. Als Bartender-Treff bekannt, stechen hier vor allem Klassiker in dezenter Atmosphäre heraus. Wer es gerne verrückt mag, der geht ins The Pontiac, einer Bar ausschließlich mit Bar-Maids hinter dem Tresen und Faceshots um Mitternacht untermalt mit rockiger Musik. Und wem das noch nicht reicht, der kann immer noch dem begnadeten und überaus sympathischen deutschen Bartender Miguel Fernandez einen Besuch abstatten. Der aus dem Roomers bekannte Barmann arbeitet seit letztem Jahr als Barmanager in der OZone Bar des Ritz-Carlton Hotels. Er wird sicherlich nicht nur den ein oder anderen „stabilen“ Drink zum Besten geben, sondern auch ein paar mehr Insider-Tipps ausplaudern.

2) Singapur

Wir reisen weiter gen Westen und machen einen Zwischenstopp nicht unweit von Hongkong. Auch hier waren es die Briten, die besagte Hafenstadt einst zu einem wichtigen Handels- und Verkehrspunkt der südostasiatischen Region machten, die Tiger-Stadt nicht nur geschichtlich, sondern auch kulturell prägten. Dass die Metropole jedoch auch neben Sehenswürdigkeiten und spektakulärer Architektur auch was für den Gaumen bereit hält, wurde erst kürzlich wieder durch die GSA-Competition unterstrichen. Der Sieger des Wettbewerbs, Matthias Ingelmann aus Bamberg, erhielt nämlich ein begehrtes Reiseticket nach Singapur.

Dort wird er bestimmt in 28 Hongkong Street – regelmäßiger, hochplatzierter Gast der World’s Best 50 Bars – mit Kollegen in Speakeasy-Atmosphäre bei hervorragenden Drinks gefachsimpelt haben. Möglicherweise wird er auch im Bitters & Love, einer sehr versteckt gelegenen Bar, die sich auf lokale Twist spezialisiert hat, den ein oder anderen Cocktail getrunken haben. Weitere Anlaufstellen des gehobenen Genusses wären unter anderem noch The Cufflink Club, eine der wohl besten High-Volume Bars weltweit mit interessanten Eis-Kreationen, oder auch das von Aki Eguchi und Stuart Danker betriebene Jigger & Pony, ein Ort, an dem klassische Rezepturen leicht adaptiert in einer Atmosphäre des „Communal Drinking“ feilgeboten werden. Auch das Anti:dote ist gewünschtes Gegenmittel zu Touri-Bareskapaden und bietet neben kräuter-und gewürzinspirierten Drinks hervorragendes Barfood an.

3) New York

Geschichtlich wird es auf unserer Liste kaum eine Stadt geben, die New York Paroli bieten kann, hat die US-amerikanische Metropole doch gerade mit der Immigrationswelle des frühen 19. und 20. Jahrhunderts zahlreiche unterschiedliche kulturelle Bewegungen verliehen bekommen, die sich seitdem im Stadtbild spiegeln. Natürlich kommt bei so einer Entwicklung auch die Cocktail-und Barkultur nicht zu kurz.

So ist New York mit zahlreichen Bars ständiger Vertreter auf der World’s Best Bars-Liste. Zum einen wäre da das von Sean Muldoon und Jack McGarry geführte, im Finanzdistrikt Manhattans gelegene The Dead Rabbit, in dem wahlweise hausgemachte Punches, aber auch saisonal-inspirierte Drinks angeboten werden. Weitere Anlaufstätte dürfte das Nitecap von David Kaplan, Natasha David und Alex Day sein, wo man in entspannter Atmosphäre neben Schlummertrunk und Co. auch brillante Spritz-Varianten im Sinne der Apero-Kultur bekommen kann. Etwas weiter gen East-Side findet man das Little Branch des kürzlich verstorbenen Cocktail-Virtuosen Sasha Petraske, wie auch das sehr bekannte Employees Only, eine klassische, im Art-Déco-Stil gehaltene Bar. Sollte man nun immer noch Durst haben, so führt kein Weg vorbei an Jim Meehans East Village-Trinkstätte PDT – Please don’t tell. Speakeasy zum Anfassen.

4) Chicago

Sprachen wir gerade von Speakeasy, so darf man vor allem eine Stadt nicht außer Acht lassen: Chicago. Hier war schließlich Anfang der 1920er Jahre die Brutstätte der Italo-Amerikaner, die mit krummen Geschäften (zunächst und ursprünglich eigentlich nur dem Verkauf und Schmuggel von alkoholischen Getränken während der Prohibition) nach Las Vegas und Reno, aber auch Michigan und Minneapolis expandierten. Al Capone, selbst regelmäßiger Gast in Speakeasy-Bars und fragwürdige Ikone dieser Stadt, verleiht der östlich gelegenen Millionenstadt auch heute noch das anrüchig-verschmutzte Bild, für das sie steht. Chicago, ein dreckiges Stück amerikanische Geschichte quasi.

Und wo so viel liquide Geschichte, da auch angemessene Trinkstätten. So zum Beispiel das sehr bombastisch-prunkvoll gestaltete The Violet Hour. Die pompöse Einrichtung im ausufernden Stil ist bester Ort, um klassische Drinks zu genießen. Auch empfehlenswert ist Three Dots and a Dash, eine im Tiki-Stil designte Bar mit authentischen Drinks im Südsee-Rock. Wer es kreativer mag, bahnt sich seinen Weg durch die im Hotel Freehand Chicago versteckte Bar The Broken Shaker. Klassische Atmosphäre mit Lounge-Charakter ganz wie die Schwestern-Bar in Miami. Wer dann immer noch Lust auf gute Drinks hat, der sollte unbedingt noch im antiquierten The Office at Aviary vorbeischauen. Immer einen Besuch wert.

5) Berlin

Ganz zum Schluss muss ein bisschen Eigenwerbung gestattet sein. Nicht zuletzt hat die Heimatstadt von MIXOLOGY über Jahre bewiesen, wie sehr sie bereits zu den Cocktail-Hotspots dieser Welt zählt. Berlin beheimatet nicht nur die größte Bar-Fachmesse Europas und wird jährlich zu einem Pflichttermin für Bartender, auch die Industrie hat die Entwicklung bereits erkannt; so findet das Finale der weltweiten Bacardi Legacy 2017 in Berlin statt. Die Barszene dieser faszinierenden und an Geschichte reichen Stadt vollends zu durchloten, kann in diesem Artikel nicht geschehen. Und dennoch gibt es einige Bars, die wir dem gewillten Genussmenschen gerne ans Herz legen wollen.

Da wäre zum Beispiel das überaus beeindruckende Lebensstern, nicht nur Drehort und Place-to-be von Quentin Tarantino, sondern gleichzeitig ein Hort voller seltener Spirituosen im klassischen Ambiente; Rauchen erwünscht. Etwas lockerer, mit Blick über die Stadt, geht es im 25 Hours Hotel und angeschlossener Monkey Bar zu: Tiki-Drinks in Perfektion in einmaliger Art und Weise. Auch das Green Door, Wirkungsstätte von Arash Ghassemi und Ort der Kreativität, können wir überaus empfehlen. Wer es gerne etwas feudaler mag und pompösen Stil pflegt, dem sei das Prinzipal ans Herz gelegt. Wer es verrückt und kreativ mag, der sollte unbedingt Arnd Henning Heissen im Fragrances – der Bar im Ritz-Carlton Hotel – einen Besuch abstatten und sich einen Drink nach Parfum-Profil zaubern lassen. Berlin, ein Ort voller Alternativen und unterschiedlichster Ausgehmöglichkeiten – und hey, die Booze Bar öffnet ja auch bald wieder ihre Pforten…?!

Photo credit: Hong Kong via Wikimedia.

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