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Inventur

Inventur am 31. Januar 2021 – US-Brenner gegen Strafzoll & Briten fürchten sich vor Bar-Besuchen

So schnell ist er vorbei, der erste Monat des ersten ganzen Corona-Jahres. Was die Woche den Bars gebracht hat? Schwer zu sagen, denn der Lockdown scheint nach wie vor zementiert. Einzig die beiden nördlichen Bundesländer Schleswig-Holstein und Niedersachsen haben diese Woche erstmals in ihren inzidenzbezogenen Stufenprogrammen auch einen teilweisen „Reboot“ der Gastronomie mit einkalkuliert. Doch bis die darin verzeichneten, sehr niedrigen Infektionszahlen erreicht sind, dürfte definitiv noch mindestens ein voller Monat verstreichen. Schauen wir für den Moment, was sonst noch so passiert ist diese Woche in der flüssigen Welt.

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Vom grenzenlosen Whisky

Erinnern Sie sich noch daran: Vor zehn oder fünfzehn Jahren war es geradezu exotisch und skurril, wenn man irgendwo einen deutschen Whisky angeboten bekam. Damals reichte die Herkunft dann oft auch schon als Verkaufsargument: „Naja, der kommt halt aus Deutschland…“, hörte man vom Händler oder Bartender. So oder so ähnlich dürfte es seinerzeit in fast allen europäischen Ländern der Fall gewesen sein, außer natürlich in Schottland und Irland.

Seither hat sich diese Situation fundamental geändert, wie nun auch ein umfassender Beitrag bei Punch eindrucksvoll verdeutlicht: Nahezu alle größeren europäischen Länder haben im Laufe des letzten Jahrzehnts eine eigene Whisky-Landschaft entwickelt, die nicht nur immens gewachsen ist, sondern sich dank hoher Qualität und starker Charakteristik nicht im Geringsten hinter den etablierten Whisk(e)yländern zu verstecken braucht. Schauen Sie doch einmal in den Überblick von Autor Clay Risen, da gibt es sicherlich noch Einiges zu entdecken.

Mehrheit der Briten hat Angst vor Bar-Besuchen

Dass auch eine sofortige, uneingeschränkte Wieder-Eröffnung der Gastronomie nicht zugleich für eine komplette Normalisierung der Lage führen würde, untermauerte diese Woche folgende Meldung: Wie The Spirits Business mit Verweis auf das Marktforschungsunternehmen CGA zitiert, würden sich knapp mehr als die Hälfte aller britischen Konsumenten beim Besuch eines gastronomischen Betriebs tendenziell oder gar sehr unwohl fühlen.

Die Umfrage der CGA fragte nach dem Gefühl der Verbraucher für den Fall einer jetzigen Öffnung, also zu einem sehr schwierigen Zeitpunkt der pandemischen Gesamtlage. Dennoch haben sich die Daten und das Grundgefühl damit im Vergleich zur vorigen Umfrage (Oktober 2020) noch einmal deutlich verschlechtert. Für die vielen Wirte im Brexit-geplagten und stark von Covid-19 betroffenen Vereinigten Königreich nicht gerade ein Signal für mehr Optimismus.

US-Brenner und weitere Verbände rufen EU und USA zur Aufhebung von Strafzöllen auf

Insgesamt 72 führende Handels- und Industrieverbände aus den Vereinigten Staaten und Europa haben sich Mitte der Woche in einem gemeinsamen Brief an den neuen US-Präsident Joe Biden sowie an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gewandt. Der Kerninhalt dieses Briefes: die dringende Bitte, alle derzeit bestehenden Strafzölle zwischen EU und USA so schnell wie möglich aufzuheben.

Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören u.a. der Distilled Spirits Council of the United States oder das Komitee der europäischen Weinhersteller, beides Dachverbände von Branchen, die von den drastischen Strafzöllen beim Handel zwischen EU und Vereinigten Staaten stark betroffen sind. Die Welle an Strafzöllen ist eine Folge der „America First“-Politik des ehemaligen Präsidenten Donald Trump, der sich davon eine Stärkung der US-Wirtschaft versprochen hatte. Tatsächlich leiden beide Seiten unter den Beschränkungen des transatlantischen Handels, die Corona-Pandemie hat dies noch verstärkt. Bislang hat sich Joe Biden noch nicht final dazu geäußert, wie er mit der EU-Zollpolitik seines Vorgängers umgehen will.

Stanley Tucci, Überzeugungstäter

Wir finden ihn einfach fresh: Können Sie sich noch erinnern an Stanley Tuccis, nun ja, eigensinnige Interpretation des Negroni, über die wir im April 2020 kurz berichtet hatten? Es ist nicht das letzte Mal gewesen, dass sich der vielseitige, amerikanisch-italienische Schauspieler im Lauf der Corona-Zeit auf seinem Insta-Profil mit charmanten Cocktailvideos aus seiner Londoner Wohnung zu Wort gemeldet hat.

Tatsächlich ist Tucci aber nicht nur Drink-Fan, sondern generell ein ziemlich überzeugter Foodie und Kochfreund, wie nun auch ein umfangreicher Artikel im Parade Magazine auf charmant-würdigende Weise zeigt. Und Tucci hat noch nicht genug: Er hat seine Passion für gutes Essen bereits in mehrere Buchprojekte gesteckt, im Herbst 2021 folgt sein großer Band „Taste – My Life Through Food“ auf den Markt. Bis dahin hat er ja in der Zwischenzeit eventuell nochmal Gelegenheit, den Negroni ein wenig zu überdenken.

Credits

Foto: Everett Collection - shutterstock.com

Comments (1)

  • Whiskydrinker

    Barmagazine sollten besser wirklich nur über Barthemen schreiben.

    Die ganze Strafzollthematik der letzten Jahre hat mit Trump relativ wenig zu tun. Die gibt es einfach nur wegen dem seit Jahren schwelenden Subventionsstreit zwischen den USA und der EU wegen Boeing bzw. Airbus, deren jeweilige Subventionierung und den Urteilen der WTO dazu.

    Der Streit schwelt übrigens seit 2004, also auch über die komplette Amtszeit von Obama hinweg. Und man wählt halt immer die Produkte, von denen man denkt, dass man den anderen Kontinent damit am besten treffen kann. Und da High Tech mittlerweile aus Asien kommt, bleiben halt nur noch Käse, Wein, Bourbon und Barbecuesoße.

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