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Inventur am 24. April 2022 – Der 90-jährige Chef der Harry’s Bar im Interview & das Aperitif-Rätsel

Es ist immer so eine Sache mit den Inhalten in eigener Sache. Mittlerweile hat unser MIXOLOGY-Podcast neun Episoden erreicht. Da er somit den Kindesbeinen entwachsen ist, aber höchstens das Teenager-Alter erreicht hat, möchten wir nach wie vor regelmäßig darauf hinweisen. Im zweiwöchigen Rhythmus besprechen Bar-Tausendsassa Gabriel Daun und MIXOLOGY-Chefredakteur Nils Wrage mit ihren Gästen barrelevante Themen, in der aktuelle Episode ist Ruben Neideck zu Gast, seineszeichen Barchef des Velvet, einer der wohl progressivsten Bars nicht nur in Deutschland, sondern in Europa. Er erzählt, wie es zum straffen Konzept der Berliner Bar kam, bei dem nicht zuletzt auch der Zufall Regie führte, und gibt Einblicke in den Arbeitsalltag des fünfköpfigen Teams, das für seinen Foraging-Ansatz bekannt ist. Und während dieser Podcast-Beitrag die Avantgarde skizziert, springen wir in unserem ersten Inventur-Beitrag von der Avantgarde zur Tradition …

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Harry’s Bar-Boss Arrigo Cipriani im Interview

Vor zwei Jahren hieß es, die Harry’s Bar in Venedig, Wiege des weltberühmten Bellini, würde für immer schließen. Humbug, erzählt nun der Betreiber Arrigo Cipriani im Interview mit dem Der Standard, alles ein wenig von Journalist:innen aus dem Zusammenhang gerissen. Und dann gibt der soeben 90 Jahre alt gewordene Bar-Zampano ein Interview, wie es im Ton vielleicht nur Menschen können, die in einem Leben mehr Anekdoten in einer Bar erlebt haben als andere in zehn. Das geht zum einen über die Fehler, die die Politik in Venedig macht und die Stadt zu einem einzigen Bed & Breakfast werden lässt – „Noch vor wenigen Jahrzehnten gab es hier 150.000 Einwohner, jetzt sind wir noch knapp 60.000. Und unter denen bin ich der jüngste.“ – bis hin zur Frage, wie es um die italienische Gastronomie bestellt ist. Die hätte nämlich der „französische Reifenflicker“ namens Michelin auf dem Gewissen. Ein Vergnügen.

Bar Show in Rom findet wieder statt

Bleiben wir in Italien und schwenken von der Lagunenstadt in die Hauptstadt nach Rom. Dort fand 2019 die erste „Roma Bar Show“ statt, bevor sie in den folgenden Jahren natürlich aufgrund der Coronapandemie die weiße Fahne schwenken musste. Für 2022 hat man nun aber eine Wiederaufnahme der Messe angekündigt, und wer Ende Mai ein paar Tage in den Süden fahren möchte, wäre hier an der richtigen Adresse: Die Messe ist vom 30. – 31. Mai angesetzt, es warten Tastings, Masterclasses und Seminare auf die Teilnehmer:innen, und natürlich – immerhin ist man in Italien – hat man einen eigenen Kaffee-Schwerpunkt angesetzt. Das genauere Programm samt diverser Vortragender kann auf der Website eingesehen werden, ein Tagesticket kostet € 30,-, den Zwei-Tages-Festivalpass gibt es um € 50,-.

Alkoholfreie Aperitifs – was ist das eigentlich?

Das Punch Magazine testet 20 alkoholfreie Aperitifs und stellt sich in einem lesenswerten Beitrag die Frage: Was trinken wir hier eigentlich? Denn zum einen hätte viele der Produkte aromatisch wie farblich wenig mit ihren alkoholischen Pendants zu tun. Vor allem aber gehe es den Produkten häufig um einen Spagat hin zum Wellness-Gefühl. Sobald die Getränke auf dem Markt seien, werde auf der Verpackung nämlich oft ein Bild davon gezeichnet, wann das Getränk genossen werden sollte, nämlich bei „tiefgründigen Gesprächen über Wahrheit und Verbundenheit“ oder um „das Leben und die Seele der Party“ zu werden. Allerdings mit vergleichsweise wenig Anleitung, wie man die Getränke selbst am besten genießen sollte. Denn auch das bleibe weiterhin eine Schwachstelle der alkoholfreien Kategorie, für die auch in diesem Beitrag Begriffe wie „functional spirits“ oder „spiritfrees“ erfunden werden: Der Irrglaube, sie könnten einfach 1:1 in bestehenden Rezepturen eingebaut werden.

US-Autorin Shanna Farrell über Greenwashing

Im September letzten Jahres veröffentlichte die US-Autorin und Bartenderin Shanna Farrell ihr Buch „A Good drink: In Pursuit of Sustainable Spirits“. Sie unternimmt darin eine umfassende Untersuchung, was Nachhaltigkeit für Spirituosen bedeutet, von Agave und Whiskey bis hin zu Rum, Gin und Vodka. Im aktuellen Interview mit dem Imbibe Magazine spricht sie darüber, wie es zur Entstehung des Buches kam, und mahnt vor allem an, dass bei der mittlerweile vorherrschenden Omnipräsenz des Wortes „Nachhaltigkeit“ auch die Gefahr des Greenwashing immer größer werde. Da würde der Begriff „klimaneutral“ bei manchen Marken automatisch verwendet, ohne dass in ihren Recherchen durch die Hierarchiestrukturen eigentlich wirklich jemand wisse, wie er zustände käme oder ob es überhaupt so wäre. Mit Sicherheit ein Thema, das in Zukunft weiter zu verfolgen ist.

Credits

Foto: everettovrk - stock.adobe.com

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