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Savoy Bar London Songbook by American Bar | Mixology — Magazin für Barkultur

The Savoy Songbook: Maxim Schulte und sein Start in der American Bar

Aprilscherz sollte es keiner werden. Pünktlich zum 2. April launchte der erste deutsche Barchef der American Bar im The Savoy, Maxim Schulte, die erste von ihm gestaltete Cocktailkarte. Es wird jetzt musikalisch in der Londoner Ikone.

» Eine gründliche Einschulung in dieses Haus umfasste auch das Kennenlernen des unglaublichen Teams – und das ist sehr groß. «

Es ist schon eine Zeit her, dass die Meldung für Furore in der Barwelt sorgte; im Juli 2018 wurde der Nachfolger von Erik Lorincz als Barchef im The Savoy bekannt gegeben. Der 29-jährige Maxim Schulte sollte vom Ritz Carlton Macau hinter den legendären Tresen in London wechseln.

Der Deutsche, der in Hamburg zu mixen begann, hat seinen Weg in den letzten Jahren in Asien gemacht: Bangkok und das Marriott Hong Kong gehören zu weiteren Stationen des Mannes, der nun in die Fußstapfen von Ada Coleman und Harry Craddock tritt.

Nun legt Schulte sein erstes Cocktailmenü vor, das eine Hommage an die musikalischen Helden der Hotelbar darstellt. Was er in der Zeit bis zu diesem offiziellen Einstand getan hat? „Eine gründliche Einschulung in dieses Haus umfasste auch das Kennenlernen des unglaublichen Teams – und das ist sehr groß“, erinnert sich Maxim Schulte im MIXOLOGY-Gespräch an die letzten Monate. Und natürlich hat er auch herausgefunden, dass die American Bar im Grundriss einem Klavier ähnelt. Womit wir mitten in der Vorstellung von „The Savoy Songbook” wären.

Savoy Bar London Songbook by American Bar | Mixology — Magazin für Barkultur
The Savoy Songbook: Maxim Schulte und sein Start in der American Bar

»Der ganze Prozess war sehr außergewöhnlich und es macht mich stolz, dass das Menü nun endlich Wirklichkeit wurde.« 

Ohne „Neue Deutsche Welle“

Denn die Karte wurde zu einer Kollektion von zwanzig Drinks, die alle einen populären Song als Basis haben. So verwandelt sich George Harrisons „Sun, Sun, Sun“ in eine naturgemäß sonnige Mixtur, bei der Orangenblüten, Yuzu-Wein und Limetten den Ton angeben. Und das Duett „Something Stupid“ zwischen Nancy und Frank Sinatra übersetzte Schultes Team in einen Serve zweier Drinks – Gin und Rum als Basis – für verliebte Gäste. Neben dem „Waterloo Sunset“ der Kinks (Beefeater 24, Cocchi Rosa, Himbeerbrand, Sencha-Cordial, getoppt mit Prosecco zu rund 25 Euro) gibt es auch sonst einige Synästhesien für Ohr und Gaumen.

Die übliche Coolness von Profi Schulte weicht angesichts der ersten Barkarte denn auch einer gewissen Rührung: „Der ganze Prozess war sehr außergewöhnlich und es macht mich stolz, dass das Menü nun endlich Wirklichkeit wurde.“

Die Detail-Verliebtheit des gesamten Teams spiegelt sich im violett gebundenen „Songbook“ wider. So wird die Intensität der Cocktails statt auf einer „Flavour Map“ auf Notenlinien und mit Violinschlüsseln dargestellt.

Savoy Bar London Songbook by American Bar | Mixology — Magazin für Barkultur

Bowie schmeckt nach Bergamotte und Botucal

Persönlich wichtig war dem American-Bar-Chef beim Erstellen des wortwörtlichen „Mix-Tapes“ nur ein Musiker: „Der einzigartige Prince musste einfach auf das Cocktail Menu!” Denn nicht nur, dass die Pianisten des Savoy eine großartige Version von „Purple Rain” zum Besten geben – „für mich ist es auch einer meiner Lieblingssongs, und uns inspirierte die 2007er-Version aus der Superbowl-Halbzeitshow.“ Entsprechend kommt auch Glitter mit in den Drink, der mit Mandelessenz und Quittenlikör den „Electric Lover“ aus Minneapolis noch einmal in London beschwört.

Apropos Brexit-City: Natürlich dürfen die Musik-Größen der Hauptstadt nicht fehlen: Amy Winehouse wird mit Tequila, Avocado, Mango und IPA im Longdrink „Go go go“ gedacht, David Bowies „Space Oddity“ (beide je 25 Euro) schmeckt als „Don’t Panic“ nach Botucal Reserva, Italicus, Sherry und Hibiskuswasser. Weiters kann man an den Kings of Leon nippen, Fred Astaire ausschlürfen, Jay-Z an die Lippen führen oder sich eine rauchige Whisky-Mastiha-Mischung als Bill-Withers-Getränk schmecken lassen.

Das wohltemperierte Cocktail-Klavier

Nicht nur als Gag, sondern als echten Merchandise-Artikel des Hotels wird es das „Savoy Songbook“ auch als Live-Album geben. Die Cocktail-Musik wurde dafür von Jon Nickoll, dem Hauspianisten der Bar, eingespielt. Immerhin bringt er seit 15 Jahren seine Jazz-Standards und moderneren Songs den Gästen zu Gehör. Bar-Direktor Declan McGurk, der mit Maxim Schulte den neuen Soundtrack konzipierte, assistiert: „Die American Bar ist genauso eine Pianobar, wie sie eine Cocktailbar ist. Diese einzigartige Atmosphäre, an deren Erstellung die talentierten Musiker wesentlich mitwirken, wollen wir feiern.“ Damit das auch die Internet-Generation kann, stehen die zwanzig Cocktailtracks auch als Download via Spotify zur Verfügung.

So aufwendig aber der Vertrieb der flüssigen Hit-Compilation angelegt wurde, blieb man aufnahmetechnisch im „Low-Fi”-Bereich: „Viele Drinks kommen ohne eine einzige hausgemachte Zutat aus”, wundert sich der Chef im „Tonstudio Maxim“, „denn unser Team sollte verrückt spielen und jedweden Cocktail kreieren, den es wollte“.

Umso überraschter war er vom wohlschmeckenden Ergebnis, das ohne tagelange Vorarbeiten auskommt – für eine Hotelbar auch im Top-Segment ein angenehmer Nebeneffekt. Zumal sich auch mit den handelsüblichen Ingredienzen ein Tribut an die große Aretha Franklin und den Komponisten Burt Bacharach („I say a little prayer“) mixen lässt: Der „No makeup“ (ca. 28 Euro) besteht aus Grey Goose, Kokosnuss, Martini Bitter, Ananassirup und Champagne sowie einem Touch Supasawa.

Comeback nicht ausgeschlossen

Womit sich an die von Joerg Meyer vertriebene, alternative Säurequelle auch die Frage nach einem etwaigen deutschen Stil anschließt, den Maxim Schulte einbringt. „Ich bin eigentlich genau weg, als der Boom in Deutschland begonnen hat“, so Schulte, der sich prompt an den „fast kuschelig kleinen Berlin Bar Convent“ anno 2011 erinnert.

Während nun viele Landsmänner dem „Deutschen im Savoy“ auf den Shaker schauen werden wollen, hat Maxim Schulte aber eher den umgekehrten Weg vor. Ein Event im „Da Caio“ Ende Februar machte den Anfang seines nachgeholten Anschlusses an die alte Heimat. Eine Preview der musikalischen, neuen Karte gab es auch bei Dirk Hany in der Zürcher Bar am Wasser.

Über die Schweiz ging es schließlich 2012 für ihn in die große Bar-Welt hinaus. „Ich reise gerne nach Deutschland und möchte mit dem dortigen Markt wieder verbunden sein“, verspricht Maxim Schulte, dass man ihn auch hierzulande öfter sehen wird in der neuen Rolle.

American Bar (im Hotel The Savoy)

The Strand
London, WC2R 0EZ
Bus-Linien 6, 9, 11, 15, 87, 91: Savoy Street

Montag bis Samstag: 11.30 bis 00:00 Uhr
Sonntag: 12:00 bis 23:00 Uhr

Kreditkarten: alle
Rauchen: Nein

14,95 

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Credits

Foto: Savoy Hotel / American Bar

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