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Die Mixology-Verkostungsrunde im November 2023

Zwischen Kartoffelkäfern und Fichtennadeln: Die Mixology-Verkostungsrunde im November 2023

In diesem Monat reihen sich die Aromen in den Gläsern unseres Autors Marco Beier nur so aneinander. Mit dabei in der Verkostungsrunde November sind Le Freak Vodka, Stork Club Ryezcal, Penninger Bavarian Brandy, Fair Café Liqueur und Stilvol Fichtengeist.

Giffard Alkoholfrei

Hinweis: Die Verkostung basiert ausschließlich auf redaktioneller Basis. Die Flaschen wurden MIXOLOGY für die Verkostung unentgeltlich zur Verfügung gestellt oder ungefragt zugesandt. Es erfolgt weder eine Einflussnahme auf die Bewertung, noch erfährt MIXOLOGY finanzielle Zuwendungen durch eine Veröffentlichung oder Verlinkung. Wenn Sie denken, Ihr Produkt solle an dieser Stelle ebenfalls Erwähnung finden, schreiben Sie uns.

Le Freak gehört zu Jacobi Spirits, wo Monkey 47-Gründer Alexander Stein die Strippen zieht

Le Freak Vodka

„Vodka Pays the Bills“ hieß es bis vor ein paar Jahren noch, und damals überschlugen sich die Hersteller mit Superlativen der Premiumisierung, wie es bis heute noch kein Wacholderhändler geschafft hat. Aber gefühlt ist es um Vodka in den letzten Jahren eher ruhig geworden. Natürlich wird er in jeder Bar genutzt, aber abseits des Grundrauschens um Moscow Mule und Vodka Soda aka Skinny Bitch doch eher überschaubar. Vielleicht tut es da gut, wenn sich neue Marken auf den Markt trauen und ihre Idee des „Wässerchens“ vertreten. Dachte man sich vielleicht auch bei Jacobi Spirits, wo mittlerweile Monkey 47-Erfinder Alexander Stein die Strippen zieht.
Le Freak heisst der Vodka und wird komplett aus Kartoffeln produziert. Laut Produzenten führt dies zu einem etwas süßeren und aromatischeren Ergebnis im Vergleich zu getreidebasierten Destillaten. Aber sehen wir selbst: Äußerlich ansprechend in dunkler Apothekerflasche und einem Etikett, das Erinnerungen an den Chemieunterricht hervorruft. Der kleine Kartoffelkäfer weiß zu gefallen. In der Nase ein sehr weicher, erster Eindruck. Zurückhaltend, wie man es von einem Vodka erwarten würde. Dieser Eindruck setzt sich am Gaumen direkt fort. Ein frischer, crisper Start geht in einen sehr weichen, cremigen Gesamteindruck über und kann nachhaltig beeindrucken. Ob Le Freak einen neuen Vodkahype entfachen wird, bleibt abzuwarten, aber wer auf der Suche nach einem regionalen Produkt ist, wird hier glücklich.

Flaschengröße: 700 ml
Alkoholgehalt: 40% Vol.
UVP: € 34,90 €
Vertrieb: Jacobi Spirits

Stork Club Ryezcal

Whiskey mit rauchigen Noten. Zugegeben, das ist jetzt nicht gänzlich neu. Über Torf gedörrtes Malz verleiht schottischen und irischen Malts schon seit langem eine eigene, rauchige Note. Diesem klassischen Prozedere wollte man im Spreewald aber nicht folgen und hat sich andere Wege überlegt, dem Rye eine markante, rauchige Note zu verleihen – und da gute Geschichten immer in einer Bar beginnen, war es in diesem Fall das Chicago Williams, wo schon immer Rye und Mezcal serviert werden und wo der Legende die Idee reifte, beide Spirituosen miteinander zu vermählen.
In der Flasche befinden sich also 75 Prozent Stork Club Rye und 25 Prozent San Cosme Mezcal, von außen schön zu erkennen durch das mexikanisch anmutende Etikett. Bevor die 800 limitierten Flaschen sich allerdings in Shots auflösen (so die Empfehlung des Etiketts) wollen wir einmal näher hinschauen. Goldgelb schimmert der Ryezcal im Glas. In der Nase wechseln sich Rauch und Roggen perfekt ab. Fassnoten und eine leichte Vanille sind klar zu erkennen, nach einer Weile treten dezente, fruchtige Noten der Agave zum Vorschein. Auf der Zunge ist der Mezcal-Anteil dann deutlich dominanter. Die Rauchnote ist sehr präsent, wird aber von der Süße des Rye, aus der immer wieder Noten von Vanille hervortreten, ideal aufgefangen. Die 45% Vol. sind perfekt eingebunden und machen Spaß, das empfohlene, pure, zügige Verkosten ergibt also durchaus Sinn; aber auch der Manhattan, der einem als erste Idee zum Mixen kommt, funktioniert fantastisch. Vielleicht denkt man noch einmal darüber nach, ob Ryezcal wirklich limitiert sein muss?

Flaschengröße 700 ml
Alkoholgehalt: 45% Vol.
UVP: € ca. 43,-
Vertrieb: Stork Club

Genialer Hybrid: der Ryezcal besteht zu 75 Prozent aus Stork Club Rye Whiskey und zu 25 Prozent aus San Cosme Mezcal
Genialer Hybrid: der Ryezcal besteht zu 75 Prozent aus Stork Club Rye Whiskey und zu 25 Prozent aus San Cosme Mezcal
Überzeugend: der Bavarian Brandy von Penninger lagert 15 Monate in einem Fass, welches zuvor mit Oloroso Sherry befüllt war
Überzeugend: der Bavarian Brandy von Penninger lagert 15 Monate in einem Fass, welches zuvor mit Oloroso Sherry befüllt war

Penninger Bavarian Brandy

Ein deutscher Weinbrand also. Aus Bayern. Ein wenig in Vergessenheit geraten ist das Detail, dass Penninger nicht schon immer nur als Destille gearbeitet hat, sondern früher auch als Weinkellerei im Bayrischen Wald bekannt war. Auf diese Firmengeschichte hat man sich nun besonnen und beide Dinge vereinigt. Wein, aber destilliert. Dabei verwendet man ausschließlich Weine mit Bio-Zertifikat und bemüht sich auch ansonsten, die Anforderungen für deutschen Weinbrand zu übertreffen. Theoretisch müsste ein deutscher Weinbrand zwölf Monate in einem Fass reifen, welches maximal 1000 Liter fasst. Der Bavarian Brandy lagerte sogar 15 Monate in einem 500-Liter-Fass, welches zuvor mit Oloroso Sherry belegt war. Etwas durchaus Ungewöhnliches also und zudem auf nur 1400 Flaschen limitiert.
Schauen wir einmal, ob der Inhalt hält, was die ansprechende Verpackung verspricht. Bronze-gold leuchtend, verströmt der Weinbrand einen deutlichen Duft von getrocknetem Steinobst und dunklen Früchten. Der Alkohol ist recht zurückhaltend. Der Sherry macht sich elegant bemerkbar, am Gaumen dann ein spannender Mix aus einem ersten, trockenen Eindruck, bevor der gesamte Mundraum ausgefüllt ist von feinen Fassnoten, einem samtigen Gefühl und wieder viel getrocknetem Steinobst. Ungewöhnlich, aber dabei vollends überzeugend. Sowohl pur als auch in einem Sidecar, der wirklich bemerkenswert gut funktioniert.

Flaschengröße: 500 ml
Alkoholgehalt 40% Vol.
UVP:€ 37,90
Vertrieb: Penninger

FAIR - Café Liqueur

Blicken wir den Fakten einfach einmal ins Auge: Neben dem Espresso Martini wird der Revolver Cocktail in den nächsten Monaten die Tresen der Welt erobern, was zur Folge hat, dass der Bedarf an Kaffeelikör unvorhersehbar ansteigen wird. Wer vorausschauend denkt, wird sich also schon jetzt mit verschiedenen Kaffeelikören auseinandersetzen.
Aus dem Herzen des Cognac in die Bars dieser Welt ist das große Ziel dieses Likörs mit transparentem und fairem Herstellungsprozess. Auf Basis von Neutralsprit, bestem mexikanischem Arrabica-Kaffee und Fairtrade-Zuckerrohrsaft wird dieses Produkt hergestellt, das am Ende laut eigenen Angaben deutlich weniger Zucker und weniger Alkohol haben soll als gängige Mitbewerber, dabei aber den vollen Geschmack bieten möchte.
Probieren wir es doch einmal aus. Im Glas eine kaffeebraune, leicht rötlich schimmernde Flüssigkeit. In der Nase leichte Frucht- und wahnsinnig dominante Kaffeenoten. Intensiv und dunkel und sehr einladend. Am Gaumen eine milde Süße. Gut wahrnehmbar, aber nicht überbordend, die 22 % Vol. sind nur am Rande spürbar und runden die intensiven Kaffeenoten sehr gekonnt ab. Ein sehr gelungener, eher schlanker Kaffeelikör. Und der Härtetest? Absolut bestanden. Der Revolver Cocktail mit Overproof Bourbon und einem kleinen Dash Zucker mundet hervorragend und verlangte eigentlich direkt nach einem Zweiten. Leider waren keine passenden Eiswürfel für die Coupette mehr vorrätig.

Flaschengröße: 700 ml
Alkoholgehalt 22% Vol.
UVP: ca. € 25,90,-
Vertrieb: Innovative Drinks

Name ist Programm: der Fair Café Liqueur setzt auf einen transparenten und fairen Herstellungsprozess
Name ist Programm: der Fair Café Liqueur setzt auf einen transparenten und fairen Herstellungsprozess
Der Stilvol Fichtengeist kommt mit viel Struktur
Der Stilvol Fichtengeist kommt mit viel Struktur

Stilvol Fichtengeist

Zugegeben, allein der Name Fichtengeist lässt mich im ersten Moment eher an einen Saunaaufguss denken als an einen Drink. Dieses Klischee scheint den Machern von Stilvol auch durchaus bewusst zu sein, und so wird auf der eigenen Homepage direkt mit der Assoziation zur Sauna gespielt.
Aber kommen wir zum Wie und Warum. Das Wie ist schnell erklärt: Gehobeltes Fichtenholz und Fichtennadeln werden in Alkohol eingelegt, bis sich die Aromen lösen. Daraufhin wird noch einmal destilliert und dann mit Wasser auf Trinkstärke gebracht. Einfach. Wer jetzt aber ein Destillat erwartet, das bereits beim Öffnen der Flasche nach einem kompletten Wald duftet, wird enttäuscht. Sehr dezent kommt der Geist daher. In der Nase mit einer sehr angenehmen, frischen Zitrusnote. Ein bisschen erdig und dann sehr viel Nadelholz. Genau so präsentiert sich der Fichtengeist dann auch auf der Zunge. Klar und mit viel Struktur, aber nicht übertrieben oder parfümiert. Durchaus so, dass der Purgenuss Spaß macht. Im Drink eher als Möglichkeit, spannende Akzente zu setzen denn Basisspirituose zu fungieren. Ein paar Barlöffel in einer Margarita sind eine hervorragende Ergänzung, und auch als aromatische Extrakomponente im Gin Fizz macht der Fichtengeist eine gute Figur.

Flaschengröße: 500 ml
Alkoholgehalt 38% Vol.
UVP: € 34 ,-
Vertrieb: Stilvol

Giffard Alkoholfrei
Credits

Foto: Marco Beier

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