TOP

Inventur am 29. August 2021 – Personal-Kahlschlag auch in britischen Bars

Wien muss man einfach lieben! Es ist ein offenes Geheimnis, dass unsere Redaktion schon immer ein besonderes Faible für die zweitgrößte deutschsprachige Stadt hatte. Nicht nur hat unser Herausgeber Helmut Adam dort mehrere Jahre gelebt und als Bartender gearbeitet, eine ganze Reihe unserer aktiven und früheren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stammen von dort oder leben noch immer in dieser aufregenden Metropole mit ihrer einzigartigen gastronomischen und auch barkulturellen Historie.

Ein inzwischen fester Bestandteil der Wiener Cocktailkultur ist der Liquid Market, das jährliche Freiluft-Cocktail-Festival, das der Bartender und Unternehmer Bert Jachmann mit seinen Partnern entwickelt und im Lauf der Jahre zu einem großen Event ausgebaut hat. Für die fulminante Ausrichtung unter Corona-Anpassungen hat er dafür 2020 den Mixology Community Award als „Ausguck“ erhalten. Dieses Jahr kam der Ableger in Berlin hinzu, der Ende Juli erfolgreich sein Debüt feiern konnte.

Nächste Woche ist es wieder soweit, vom 2. Bis 4. September geht der Liquid Market Vienna in den Wiener Werkshallen über die Bühne. Das Konzept ist seit dem ersten Tag geblieben: Mit dem Ticket sind alle Kosten erledigt, nach dem Einlass sind die Drinks von den über 100 (!) Bars inkludiert und man hat die Gelegenheit, sich unter freiem Himmel von einigen der besten Bartenderinnen und Bartendern Europas verwöhnen zu lassen. Tickets sind noch verfügbar, auch alle weiteren Informationen gibt es auf der Website. In Vorfreude widmen wir uns wie jeden Sonntag den Branchennews der ausklingenden Woche.

Werbung
Granini

Erholt sich der Arbeitsmarkt im britischen Gastgewerbe jemals?

Das Thema Fachkräftemangel im Gastgewerbe ist nicht nur bei uns virulent. Letze Woche hatten wir ein großes Dossier zum Thema veröffentlicht, freilich mit Schwerpunkt auf die deutschen Bars. Dabei vergisst man häufig, dass derartige Probleme nicht an den Grenzen des eigenen Landes oder Sprachraums enden. So hat sich vor einigen Tagen mit dem britischen The Guardian eines der wichtigsten dortigen Publikumsmedien dem gleichen Thema zugewandt – mit drastischen Erkenntnissen.

Denn nicht nur fehlen in britischen Restaurants, Bars und Hotels ebenfalls hunderttausende Arbeitskräfte, und zwar aus ähnlichen Gründen wie hierzulande. Autor Tony Naylor weist in seinem Beitrag zudem darauf hin, dass der Mangel im UK dadurch noch deutlich schlimmer und langfristiger zu Buche schlagen könnte, weil neben Corona auch der Brexit für einen Kahlschlag auf dem Gastro-Arbeitsmarkt gesorgt hat. Ein extrem hoher Anteil der Arbeitnehmer im britischen Gastgewerbe stammt bislang aus der EU – man denke nur an die vielen Barleute aus Londoner Top-Bars. Aufgrund des Brexits und neuer Aufenthaltsregelungen könnte diese wichtige Säule künftig wegbrechen und die Branche vor erhebliche Probleme stellen – vom Luxushotel bis zum Pub. Doch lesen Sie selbst.

Punch Magazine wechselt den Eigentümer

Das international hoch renommierte Punch Magazine wandert unter ein neues Firmendach. Wie Chefredakteurin und Mitgründerin Talia Baiocchi anfang der Woche in einem ausgiebigen Beitrag bekanntgab, wird das Magazin durch das große Medienhaus Vox Media übernommen. Damit gehört Punch ab sofort zur selben Familie wie „Eater“, „The Verge“ oder das berühmte „New York Magazine“. Damit stehen die Zeichen bei dem liebevoll geführten Magazin eindeutig auf Expansion und der Nutzung neuer Synergien.

Seit seiner Gründung vor rund acht Jahren ist Punch zu einem der führenden Fachmedien für Bars und Cocktails geworden – aus unserer Sicht vielleicht sogar das hochwertigste im englischsprachigen Raum. Zahllose angesehene internationale Bartender, Unternehmer, Sommeliers, Journalisten und Cocktail-Historiker treten und traten als Autor:innen in Erscheinung. Bleiben wir also gespannt, ob und wie sich Punch in der nächsten Zeit verändern wird.

Diageo fällt aus Liste pünktlich zahlender Firmen

Der weltgrößte Spirituosenkonzern Diageo muss in Großbritannien eine PR-Schlappe einstecken. Wie der Branchendienst The Spirits Business am Donnerstag mitteilte, ist der Getränkemulti aus der Liste jener Firmen gestrichen worden, die dem von der Regierung definierten „Prompt Payment Code“ (PPC) gerecht werden. Um eine Listung im PPC können sich Firmen freiwillig bemühen. Sie müssen dafür nachweisen, dass sie mindestens 95% ihrer Rechnungen von Lieferanten innerhalb von 60 Tagen begleichen. Eine Listung im PPC ist also so etwas wie ein Gütesiegel für Firmen gegenüber ihren Geschäftspartnern.

Wie ein Büro der zuständigen Behörde zu Protokoll gab, habe Diageo diese Quote nicht erfüllt und sei daher Ende 2019 (neben 20 anderen Unternehmen) aus dem PPC entfernt worden. Diageo dementiert den Vorwurf unterdessen durch einen Firmensprecher und gibt an, über 97% aller Rechnungen innerhalb des geforderten Zahlungsziels auszugleichen.

Zu hoher THC-Gehalt: Lidl muss Cannabis-Tee zurückrufen

Ob sich da wirklich alle Kunden ärgern? Wir wagen es zu bezweifeln: Wie der Stern am Mittwoch berichtete, muss der Discounter Lidl mehrere Hanf- bzw. Cannabis-Produkte zurückrufen. Der Grund? Ein zu hoher Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC), das landläufig als Hauptverursacher der berauschenden Wirkung von Marihuana gilt. Lidl warnt in seinem Rückruf, die Produkte könnten zu Stimmungsschwankungen oder Müdigkeit führen.

Laut dem Bericht betrifft der Rückruf ein Hanföl, mehrere Sorten Kekse, einen Proteinriegel sowie den Cannabis-Tee „Tea of Mind“. Kunden können die Produkte in jeder Filiale der Billigsupermarktkette zurückgeben und sich den Kaufpreis erstatten lassen, auch ohne Kaufbeleg. Unseren einleitenden Gedanken nochmal aufgreifend, fragen wir uns natürlich, ob das überhaupt viele Kunden tun werden.

Credits

Foto: Everett Collection – shutterstock.com

Kommentieren